RoboCup: Lustige Stürze und unbeabsichtigte Tritte erheitern die Zuschauer

Erschwerte Bedingungen machen den Robotern zu schaffen – und amüsieren das Publikum. Programmoptimierungen können das jedoch über Nacht ändern.

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Der „Housekeeping“-Roboter beachtete den Tisch überhaupt nicht und interessierte sich mehr für die Zuschauer.

(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

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Die häufigen Stürze der Fußballroboter werden immer wieder mit fröhlichem Gelächter quittiert. Vielleicht hat es damit zu tun, dass für die jüngsten Zuschauer bei den RoboCup German Open die eigenen Gehversuche noch nicht lange zurückliegen. Da mögen die übereinander purzelnden Roboter an die selbst erlebten Fehlschläge beim Erlernen des aufrechten Gangs erinnern und Sympathiegefühle, vielleicht auch Schadenfreude auslösen.

Die Fußballfelder sind bei den RoboCup German Open in Magdeburg nach wie vor die Publikumsmagnete. Hier lässt sich das Geschehen ohne weitere Erklärungen zumindest im Grundsatz verstehen – wenn denn etwas geschieht. Oft genug trippeln die Roboter scheinbar ziellos und unentschlossen in der Gegend herum. Manchmal sind auch sämtliche Spieler eines Teams komplett außer Gefecht und vom Platz genommen, während das andere Team mit dem leeren Tor offenbar nichts anzufangen weiß. Da bieten die lustigen Stürze, manchmal auch unbeabsichtigte Tritte zum "Schienbein" des Gegners willkommene Abwechslung.

Wer das Turnier zum ersten Mal besucht, könnte von dem vermeintlich schwachen Leistungsstand enttäuscht sein. Wer es über mehrere Jahre verfolgt hat, weiß dagegen, dass die Wettbewerbsbedingungen beim RoboCup kontinuierlich erschwert werden – was sich auf den Spielfluss in der Regel zunächst negativ auswirkt. Erfahrene Zuschauer werden daher mit Freude bemerken, dass die Roboter seit der Einführung des schwer zu beherrschenden Kunstrasens vor drei Jahren mittlerweile seltener hinfallen und wieder schneller zum Ball kommen. Sie könnten sich aber auch erinnern, dass es in früheren Jahren schon deutlich interessantere Spielzüge zu sehen gab, und sich fragen, wann ein vergleichbares Niveau wohl wieder erreicht wird.

Der Blick in andere Ligen hilft nicht unbedingt weiter. Zum einen erschließt sich das Geschehen dort nicht so unmittelbar wie beim Fußball. Zum anderen waren die am Samstag gebotenen Leistungen eher durchwachsen. Etwa beim Szenario „Housekeeping“ in der RoboCup@home Arena: Hier sollten die Roboter Geschirr vom Tisch in die (bereits geöffnete) Geschirrspülmaschine einräumen. Keinem gelang es, ein Teil direkt vom Tisch zu greifen. Die Teller und Schüsseln mussten den Robotern vom Menschen in den Greifer gelegt werden. Nur zwei oder drei landeten danach im Korb der Spülmaschine – und zwar so herum, dass sie während der Spülganges mit Wasser vollgelaufen wären. Ein Teller landete auf dem Fußboden, mehrere Male glaubte der Roboter auch nur, ein Objekt gegriffen zu haben und öffnete den leeren Greifer über dem Korb, um es dort abzulegen. Der Roboter des mexikanischen Teams Golem fand gar nicht erst zum Tisch, sondern steuerte auf den Rand der Arena zu. Andere Teams schließlich ließen dieses Szenario komplett ausfallen.

Wettbewerbsleiter Sven Wachsmuth vermutete mehrere Gründe für diesen bemerkenswerten Leistungsabfall. So hätten mehrere Teams die Plattform gewechselt und mit dem neuen Roboter möglicherweise noch nicht genügend Erfahrungen gesammelt. Einige könnten auch Probleme mit Generationswechseln innerhalb der Teams haben. Es ist immer schwierig, wenn langjährige, erfahrene Mitglieder das Team verlassen und ihr Wissen an andere weitergeben müssen. Schließlich sind in diesem Jahr auch komplette Wettbewerbsneulinge dabei, von denen bei der ersten RoboCup-Teilnahme ohnehin keine Topleistungen erwartet werden können.

RoboCup German Open 2019 #2 (8 Bilder)

Wie bitte? Mit dem Roboter des Teams Tech United in der RoboCup@home League gab es akustische Verständigungsprobleme.
(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

Drei neue Teams allein in der RoboCup@home League sind ein deutliches Zeichen, dass die RoboCup German Open für die Teilnehmer weiterhin attraktiv sind. Der Fußballwettbewerb in der Standard Platform League hat mit rUNSWift sogar ein Team aus Australien angelockt. „Wir hatten die Zeit und das Geld, also sind wir gekommen“, sagte ein Teammitglied. In der Humanoid Kid Size League ist mit dem Team Starkit vom Moscow Institute of Physics and Technology ebenfalls ein Neuling dabei. Und alle Teams wirken hoch motiviert.

Aus Zuschauersicht jedoch ist der bisherige Verlauf des Turniers eher enttäuschend, nicht nur wegen der gebotenen Leistungen. Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl kommt es bei den Major Leagues zudem immer wieder zu Leerlaufphasen, in denen auf keinem Spielfeld etwas passiert. Aber es gibt ja noch den Sonntag mit den Finalbegegnungen. Bis dahin können noch viele Bugs entfernt und Programme optimiert werden. Über Nacht kann beim RoboCup viel passieren, auch das wissen erfahrene Zuschauer – und sind entsprechend geduldig.

RoboCup German Open 2019 #1 (12 Bilder)

Das Team robOTTO (Uni Magdeburg) hat neben dem Arm auch die Räder übernommen…
(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

(bme)