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RoboCup-WM 2018: Roboterhochsprung für die Fußball-WM 2050

Roboter müssen große Sprünge machen, wenn sie 2050 erfolgreich gegen den menschlichen Fußballweltmeister bestehen wollen – momentan sind es eher noch Hopser.

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RoboCup-WM 2018: Roboterhochsprung für die Fußball-WM 2050

(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

Bis zum Jahr 2050 mit einem Team humanoider Roboter den amtierenden Fußballweltmeister zu besiegen, das ist nach wie vor das erklärte Ziel des RoboCup. Um das zu erreichen, müssen die Roboter nicht nur stabil auf zwei Beinen gehen, sondern auch rennen und springen können. Für die humanoiden Roboter der Adult Size wurde daher vor einigen Jahren der Hochsprung als Technical Challenge eingeführt.

Bei der gegenwärtig laufenden RoboCup-WM in Montréal sprang diesmal der Roboter des chinesischen Teams Tsinghua Hephaestus am höchsten. Wie hoch genau lässt sich allerdings nicht sagen, da die Höhe nicht direkt gemessen wird, sondern nur die Zeit, die sich der Roboter in der Luft befindet. Die lag für Hephaestus bei 169 Millisekunden. Das dürfte einer Höhe von etwa drei Zentimetern entsprechen. Da innerhalb der Humanoid League keine Einigkeit erzielt werden konnte, wie sich aus der Flugzeit die maximale Höhe berechnen lässt, gibt es keinen offiziellen Wert.

Die Entwicklung geht jedenfalls in die richtige Richtung. "Das Ziel ist es", sagt Reinhard Gerndt, Leiter des Organisationskomitees, "vom zweibeinigen zum einbeinigen Springen zu kommen und als nächstes vom Springen auf der Stelle zum Springen nach vorne. So hoffen wir, den Robotern nach und nach das Rennen beizubringen."

Das schnelle Laufen, bei dem beide Füße vorübergehend keine Berührung mit dem Boden haben, ist einer der großen Meilensteine auf dem Weg zu Fußballrobotern, die mit Menschen mithalten können. Die Frage, wie wichtig der RoboCup dieses Ziel überhaupt noch nehmen soll, wird aber immer wieder diskutiert. Auch während dieser Weltmeisterschaft hat es eine erhitzte Debatte mit den Trustees der RoboCup Federation gegeben, bei der eine der Mitbegründerinnen der RoboCup Initiative sogar gefordert haben soll, das mit dem Jahr 2050 verbundene Ziel der Fußballweltmeisterschaft ganz aufzugeben.

RoboCup 2018 Tag 3: Hochsprung und andere Wettbewerbe (10 Bilder)

Neben Fußball gibt es beim RoboCup auch Wettbewerbe, die stärker auf konkrete Anwendungen bezogen sind. Dazu zählen RoboCup@work, bei dem es um mobile Manipulation geht … (Bild: Hans-Arthur Marsiske)

Je nachdem, mit welchem Teilnehmer dieser Diskussion man spricht, stellt sich der Verlauf etwas anders dar. Die Nervosität scheint zum Teil dadurch begründet zu sein, dass der RoboCup zunehmend die Konkurrenz anderer Wettbewerbe spürt, die mit attraktiven Förderprämien und Preisgeldern Teilnehmer weglocken könnten. Zugleich zeigt sich immer deutlicher, dass die am RoboCup teilnehmenden Teams, die größtenteils von Universitäten kommen, die selbst gestellte, schwierige Aufgabe aus eigener Kraft kaum werden lösen können.

Robocup-WM 2018

So äußerten manche Teilnehmer ihren Unmut darüber, dass zu viel Energie in den Bau eigener Roboter fließe, während große Firmen bereits sehr robuste Plattformen entwickelt hätten. Wenn diese den Teams zur Verfügung stünden, könnten sie sich auf ihre eigentlichen Stärken konzentrieren und die Software für diese Roboter optimieren.

Immer wieder fällt in diesem Zusammenhang der Name Boston Dynamics. Die Firma ist für ihre Videos von zwei- und vierbeinigen Laufmaschinen bekannt geworden, hat über ihre Forschung aber bislang kaum etwas publiziert. Das hat damit zu tun, dass sie bisher überwiegend im Auftrag des US-Militärs gearbeitet hat. Es hat aber letztlich auch die Frage offen gelassen, ob die Boston-Dynamics-Forscher wirklich gute Roboter bauen oder ob sie in erster Linie gute Videoproduzenten sind.

Wahrscheinlich trifft beides zu. Da die Firma mittlerweile durch SoftBank, einen der Hauptsponsoren des RoboCup, erworben wurde und kürzlich angekündigt hat, im kommenden Jahr ihren vierbeinigen Roboter SpotMini als kommerzielles Produkt auf den Markt zu bringen, besteht Hoffnung, dass auch der RoboCup von diesem Know-how profitieren und einen Sprung nach vorne machen könnte – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

RoboCup-WM: Meisterschaft der Maschinen

Viele verbinden mit dem RoboCup fußballspielende Roboter. Dabei beinhaltet der RoboCup unterschiedlichste Disziplinen und Ligen – beispielsweise solche für fleißige Buttler und nimmermüde Lastenesel.

Das löst allerdings ein anderes Problem nicht, über das ebenfalls viel geredet wird: Es wird für neue Teams immer schwieriger, in den Wettbewerb einzusteigen, weil das von den besten Teams erreichte Niveau mittlerweile sehr hoch ist. Die verschiedenen Ligen sind auf unterschiedliche Weise damit konfrontiert, in der Middle Size League etwa schrecken auch die hohen Kosten Neueinsteiger ab. In der Humanoid League soll im kommenden Jahr zunächst bei den RoboCup German Open und danach auch bei der Weltmeisterschaft in Sydney eine neue Wettbewerbskategorie vorgestellt werden, die mit einer weitgehend offenen Aufgabenstellung den Einstieg erleichtern soll.

Auf jeden Fall sollten die Organisatoren und Teilnehmer des RoboCup nicht vergessen, dass sie mit ihrer Orientierung auf die Fußball-WM 2050 den nach wie vor einzigen Roboterwettbewerb weltweit geschaffen haben, der sich ein langfristiges Ziel gesetzt hat. Damit bietet der RoboCup einen einzigartigen Rahmen nicht nur für die technische Entwicklung, sondern auch für eine sozial verträgliche Gestaltung von Robotik und Künstlicher Intelligenz sowie wunderbare Anknüpfungspunkte für die gesellschaftliche Debatte über ethische Aspekte der Technologie. Ohne Not sollte sich der RoboCup von diesem Ziel nicht verabschieden, sondern lieber schon mal anfangen, darüber nachzudenken, was für eine Vision er eigentlich nach 2050 verfolgen will. Dafür ist es keinesfalls zu früh. (olb)

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