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RoboCup-WM: B-Human und NimbRo erneut Weltmeister

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Es war eigentlich anders geplant: Bei der RoboCup-Weltmeisterschaft in Istanbul sollte zuerst das Finalspiel der Middle Size League stattfinden, danach das in der Kid Size der Humanoid League. Die Reihenfolge ist nicht belanglos, drückt sie doch eine veränderte Gewichtung aus: Bislang galt die Middle Size mit ihren rollenden, autonomen Robotern und dem größten Spielfeld als die Königsklasse des RoboCup, die folglich auch stets das letzte Endspiel bestritt. Nun soll sie den Thron für die humanoiden Roboter räumen.

Doch die Roboter wehren sich. Der Anpfiff in der Middle Size League verzögerte sich um fast eine Stunde. So lange mochten die Teams der Humanoid League nicht warten und spielten dann doch zuerst ihr Finale. Es wurde ein wenig aufregendes 8:1 für Team DARwin gegen CIT Brains aus Japan.

Die Middle Size dagegen wartete mit einer Wiederholung der Finalbegegnung vom vergangenen Jahr auf. Damals unterlag das niederländische Team Tech United gegen Water aus China mit 5:4, wobei der Siegtreffer wenige Sekunden vor dem Schlusspfiff fiel und mit einem Schlag die Hoffnungen auf die Verlängerung zerschlug. Es war das dritte Mal in Folge, dass die Niederländer sich mit dem zweiten Platz begnügen mussten. Aber so dicht am Titel waren sie nie zuvor gewesen.

Finaltag der RoboCup-WM 2011 (4 Bilder)

Die Roboter von Tech United (blau) führen einen Freistoß aus. (Bild: Hans-Arthur Marsiske)

Diesmal sah es gleich nach einem klaren Sieg für Water aus. Die chinesischen Roboter erzielten rasch drei Treffer, zum Teil aus Freistoßsituationen heraus, einmal aber auch nach einem schnellen Sturmlauf. Die Niederländer kamen dagegen nicht ins Spiel.

Dann gelang der Anschlusstreffer zum 3:1 mit einem flachen Weitschuss genau ins Eck. Bei Tech United keimte Hoffnung. Doch bald darauf steht ein niederländischer Roboter dicht vorm gegnerischen Tor, kann die Situation aber nicht nutzen. Die Chinesen dagegen schon: Mit einem schnellen Konter erhöhen sie auf 4:1. Tech United bleibt dran, schießt das 4:2, doch Water antwortet sofort danach mit dem 5:2.

So ging es in die zweite Halbzeit und blieb auch eine Weile dabei – bis die Niederländer kurz hintereinander zwei Treffer erzielten. Die Zeit wurde allmählich knapp, aber beim Stand von 5:4 schien auf einmal wieder alles möglich. Dann fuhr ein Water-Roboter im weiten Bogen einen schönen Angriff und traf zum 6:4. Mit einem harten, flachen Schuss kam Tech United noch einmal auf 6:5 heran, dann verwies sie der Schlusspfiff erneut auf den zweiten Platz.

Das war ein eindrucksvoller Abschluss für ein Turnier, das ansonsten als eher mittelmäßig gelten muss. In keiner Liga gab es bemerkenswerte Fortschritte zu verzeichnen, aufregende Begegnungen wie das Middle-Size-Finale waren die Ausnahme. Das ist nicht notwendigerweise Ausdruck einer Krise des RoboCup, sondern hat zum Teil damit zu tun, dass sich Entwicklungen der letzten Jahre konsolidieren, zum Teil auch damit, dass bislang erfolgreiche Teams jetzt mit Ermüdungserscheinungen ihrer Hardware zu kämpfen haben.

Letzteres war unter anderem ein Grund dafür, dass die Nao Devils im Finalspiel der Standard Platform League gegen B-Human keine Chance hatten. Auch die Darmstadt Dribblers machten Hardwareprobleme ihrer mitterlweile mehrere Jahre alten Roboter für die Niederlage gegen Team DARwin im Halbfinale verantwortlich. Der Spielverlauf spricht dafür: Nach der ersten Halbzeit führten sie 4:2, gingen mit 5:5 in die Verlängerung und unterlagen schließlich mit 6:12. Bei Menschen würde man sagen: Da hat die Kondition nicht gereicht. Hier waren es dann eher die Servomotoren oder die Getriebe.

In der RoboCup@home League zeigten die Roboter des Teams NimbRo dagegen gutes Stehvermögen und wurden hoch verdient Weltmeister, gefolgt von Wright Eagle aus China und den b-it-bots aus Bonn.

Alle weiteren Ergebnisse werden sicherlich bald auf der Homepage des Turniers erscheinen. Entschieden wurde auch über den Austragungsort der RoboCup-WM 2013: Sie wird im japanischen Osaka stattfinden. Im kommenden Jahr treffen sich die RoboCup-Teams in Mexiko City. (Hans-Arthur Marsiske) / (hos)

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