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RoboCup-WM: Der Nachwuchs hat den ersten Anstoß

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Bei der 11. RoboCup-Weltmeisterschaft haben die Jüngsten den ersten Anstoß: Auf dem Campus des Georgia Institute of Technology in Atlanta eröffnen Schülerteams aus 23 Ländern morgen mit den Vorrunden im Rahmen des RoboCup Junior die diesjährigen Wettbewerbe um die agilsten Roboter. Das ist nur konsequent. Schließlich haben diejenigen, die heute als Schülerinnen und Schüler ihre ersten Roboter montieren und programmieren, realistische Chancen, auch an der Verwirklichung des Fernziels der RoboCup-Initiative mitwirken zu können: Bis zum Jahr 2050, so die Vorgabe der International RoboCup Federation, soll ein Team autonomer humanoider Roboter in der Lage sein, den menschlichen Fußballweltmeister nach Fifa-Regeln zu schlagen.

Nicht ganz so konsequent ist es, dass dieser Auftakt unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Zuschauer haben erst ab Dienstag Zutritt zu den vier Veranstaltungsorten auf dem weitläufigen Campusgelände. Dennoch zeigt die Bevorzugung der Junioren im Veranstaltungsplan die gewachsene Bedeutung der Nachwuchsförderung im Rahmen des RoboCup, der 1997 ursprünglich als Wettbewerb für Universitätsteams begonnen hat. Hiroaki Kitano, Hauptinitiator und heutiger Gründungspräsident des RoboCup, ist selbst überrascht über die große Resonanz bei Jugendlichen. Bis zu 40.000 Schülerinnen und Schüler weltweit seien in die RoboCup-Aktivitäten einbezogen. In manchen Ländern, etwa Australien, gehöre der RoboCup mittlerweile zum Lehrplan. Die Zahl der erwachsenen RoboCup-Teilnehmer schätzt Kitano dagegen auf etwa 4000.

Auch Tucker Balch, Cheforganisator der diesjährigen RoboCup-WM, liegt der Nachwuchs am Herzen. "Meistens finden die Turniere in großen Messehallen statt", sagt er. "Ich wollte den RoboCup aber unbedingt auf den GeorgiaTech-Campus holen, um den Teilnehmern und Zuschauern diese wunderbare Universität zu zeigen und sie vielleicht für ein Studium hier zu interessieren." Für etwa 1000 der insgesamt 1500 Teilnehmer konnte Balch sogar Unterkünfte auf dem Campus organisieren.

Bei den Wettkämpfen steht nach wie vor der Fußball im Mittelpunkt. In der Middle Size League für radgetriebene autonome Roboter müssen sich die Kickmaschinen erstmals bei einer Weltmeisterschaft auf einem Spielfeld behaupten, das mit 12 mal 18 Metern doppelt so groß ist wie bisher. Bei den RoboCup German Open in Hannover hatte sich im April bereits gezeigt, dass selbst erfahrene Teams dabei ganz schön ins Stolpern kommen können. Ab Dienstag werden die beiden Finalisten Brainstormers Tribots (Universität Osnabrück) und CoPS (Universität Stuttgart) zeigen, wie sie diese Erfahrungen umgesetzt haben.

Mit großer Dynamik entwickeln sich weiterhin die zweibeinigen humanoiden Roboter. "Auf deren Fortschritte bin ich besonders gespannt", sagt Hans-Dieter Burkhard, Professor für Künstliche Intelligenz an der Humboldt-Universität zu Berlin und RoboCup-Vizepräsident. 24 Teams aus 13 Ländern treten in der Kid-Size-Klasse (bis 60 Zentimeter) an, 7 Teams aus 6 Ländern sind mit Robotern der größeren Teen-Klasse nach Atlanta gekommen.

Neben den traditionellen Wettbewerben gibt es auch einige Sonderveranstaltungen. Mit besonderem Interesse dürfen die Nachfolgemodelle für den vierbeinigen Aibo rechnen, die mehrere Teams, darunter auch eines der Technischen Universität Darmstadt, in Atlanta präsentieren wollen. Nachdem Sony die Produktion des Aibo eingestellt hat, wünschen sich viele RoboCup-Teilnehmer einen neuen Standardroboter, bei dem sie sich ausschließlich aufs Programmieren konzentrieren können. Die möglichen Nachfolger müssen dabei nicht nur technisch was drauf haben. Die Auswahlkommission muss auch überzeugt sein, dass die neuen Roboter zu einem erschwinglichen Preis und ausreichend lange zur Verfügung stehen werden, um diese Liga weiterhin am Leben zu erhalten.

Einen Standard möchte wohl auch Microsoft mit der Software Robotics Studio setzen. In der Microsoft Challenge geht es darum, mit Hilfe dieser Software ein Spiel dreidimensionaler Roboter in einer physikalischen Umgebung zu simulieren. Das überschneidet sich mit Bestrebungen der RoboCup-Gemeinde, die Simulationen immer realistischer zu gestalten. Es wird sich zeigen, ob Initiativen wie die von Microsoft solche Entwicklungen bereichern oder eher stören können. Auf den Einfluss von Sponsoren geht auch der Wettbewerb Physical Visualization zurück, bei dem reale Citizen-Miniroboter in einer simulierten Umgebung agieren müssen.

Allgemein wird zunehmend Skepsis geäußert, ob es der RoboCup-Initiative dienlich ist, sie um immer mehr neue Wettbewerbe zu erweitern. Weitere Demonstrationen, die bei dieser WM erfolgen sollen, sind die Nanogram Competition für Mikroroboter sowie RoboCup@Space. Gerade bei letzterem Wettbewerb wird aber eingewandt, dass die Anforderungen an Weltraumroboter denen in der bereits etablierten Rescue League sehr ähnlich sind. Viele Teilnehmer befürchten eine Verwässerung der bislang so klaren RoboCup-Zielsetzungen. Auch in dieser Hinsicht dürfte die diesjährige WM spannend werden. (Hans-Arthur Marsiske) / (anw)

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