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RoboCup-WM: Deutschland ist Doppel-Weltmeister im Fußball

Ungewöhnlich ruhig verlief der letzte Tag der RoboCup-WM. Die Roboter spielten teilweise vor fast leeren Zuschauertribünen – trotz spannender Finalpartien.

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RoboCup-WM: Deutschland ist Doppel-Weltmeister im Fußball

(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

Was auch immer die genauen Gründe waren: Der RoboCup 2018 zählt sicherlich nicht zu den Glanzstücken der Eventorganisation. Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Notwendigkeit, das Geschehen in die eigenen Hände zu nehmen, scheint die Gemeinschaft der Teilnehmer noch mehr zusammengeschweißt zu haben. Insofern hat der RoboCup in Montréal gezeigt, dass er auch nach 22 Jahren immer noch eine lebendige Initiative voller Energie und Kreativität ist.

Das kam auch auf den Spielfeldern und in den Arenen zum Ausdruck – und teilweise sogar außerhalb: Als die Roboter der RoboCup@home League in einem richtigen Restaurant, aber mit vorbereiteten Testpersonen, zeigen sollten, wie gut sie die Aufgaben eines Kellners erfüllen können, wurden sie auch von ganz normalen Gästen herangewunken – und bedienten sie.

RoboCup 2018 Tag 4: Finalspiele (10 Bilder)

RoboCupper sind Meister der Improvisation: Die Zuschauertribüne ist fast leer? Wie wunderbar! Da kann … (Bild: Hans-Arthur Marsiske)

In der Logistics League brachte das Finale, das das Team Grips (TU Graz) knapp vor Pyro (Polytech Lille) für sich entscheiden konnte, die ganze Liga ein gutes Stück nach vorn. Hier geht es darum, mit mobilen Robotern Teile zu Produktionsanlagen zu bringen, die daraus gefertigten Teilprodukte wieder abzuholen und zur nächsten Station zu bringen. "Es ist jetzt zum ersten Mal gelungen, drei Elemente zusammenzufügen", sagte Ulrich Karras vom Organisationsteam. "Und das nicht nur einmal, sondern wiederholt. Wir bewegen uns jetzt endlich in Richtung realer Produktion."

Am spektakulärsten war aber wieder einmal der Fußball. In der Humanoid League war insbesondere in der Adult Size bemerkenswert, wie sicher sich die Roboter mittlerweile auf dem Kunstrasen bewegen. Sie brauchen aber immer noch eine Begleitperson, die sie bei Stürzen auffangen kann. Im Finale zwischen Nimbro (Uni Bonn) und Sweaty (Hochschule Offenburg), das 2:0 für Nimbro ausging, konnten sie aber erstaunlich viele Kollisionen ohne menschliches Eingreifen selbst auspendeln. In den nächsten Jahren dürften die Roboter auch das Fallen lernen. Begegnungen mit zwei gegen zwei Spielern sind ebenfalls in Reichweite.

Das Finale in der Kid Size, das der französische Rhoban Football Club mit 1:0 gegen MRL aus dem Iran mit 1:0 für sich entscheiden konnte, war spielerisch weniger spektakulär. Bemerkenswert waren die Side-Kicks der Rhoban-Spieler sowie die lautstarke Unterstützung der französischen Roboter durch die menschlichen Teammitglieder. Da Rhoban in Montréal den Zuschlag für die Ausrichtung des RoboCup 2020 in Bordeaux bekommen hat, darf man ein munteres Turnier erwarten.

In der Standard Platform League standen sich im Finale mal wieder B-Human und Nao-Team HTWK aus Leipzig gegenüber. Es war ein hochkarätiger, bis zum Ende offener Schlagabtausch, bei dem letztlich aber nur ein einziges Tor fiel – für Leipzig. Nach vielen zweiten Plätzen hat HTWK damit in diesem Jahr zum ersten Mal nicht nur die RoboCup German Open, sondern auch die Weltmeisterschaft gewonnen.

Ebenfalls 1:0 stand es am Ende des Finales der Middle Size League, das zwischen Tech United (TU Eindhoven) und Cambada aus Portugal ausgefochten wurde. Cambada hatte sich für diese Begegnung noch einmal deutlich verbessert. Insbesondere die Annahme von Pässen erfolgte sicherer als in den Spielen davor. Cambada hatte mehr Spielanteile, schoss öfter aufs Tor, scheiterte aber immer wieder am Torwart der Niederländer. Die wiederum waren in der Chancenverwertung effizienter und konnten wieder einmal den Weltmeistertitel mit nach Hause nehmen.

Einen richtigen Fußballkrimi hatte zuvor das Halbfinale geboten, in dem Cambada auf den mehrfachen Weltmeister Water aus China getroffen war. Das Spiel stand auch nach der Verlängerung immer noch 0:0, sodass Strafstöße entscheiden mussten. Nach den ersten fünf Strafstößen war immer noch Gleichstand, beide Teams hatten jedes Mal getroffen. Dann war wieder Water dran. Diesmal konnte der portugiesische Torwart den dritten und vierten Schuss abwehren. Das war die Chance für Cambada. Doch bevor der Roboter noch den ersten Strafstoß kicken konnte, brach der Schiedsrichter das Spiel ab: Jemand vom Team Water hatte über das drahtlose Netzwerk Kontakt mit einem Roboter aufgenommen, was zur sofortigen Disqualifikation führte. Da hatten offenbar die Nerven nicht mehr mitgespielt.

Das diesjährige Turnier ist damit zu Ende. Am Freitag wird beim Symposium noch über die wissenschaftlichen und technischen Hintergründe diskutiert. Für die nächsten Turniere, die 2019 in Sydney, 2020 in Bordeaux und 2021 in Bangkok ausgetragen werden, darf auf weitere Fortschritte gehofft werden. (Hans-Arthur Marsiske) / (olb)

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