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RoboCup-WM: Ein Titel und gute Platzierungen für deutsche Teams

Team Hector von der TU Darmstadt ist Weltmeister im Wettbewerb für Rettungsroboter. In anderen Ligen erreichten deutsche Teams bei der diesjährigen RoboCup-Weltmeisterschaft in João Pessoa mehrere zweite und dritte Plätze.

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Das war knapp. Im Finale der Middle Size League beim RoboCup in Brasilien konnte das Team Tech United aus Eindhoven sich den Titel mit 3:2 zurückholen, musste aber fast bis zur letzten Sekunde bangen. Denn das Team Water von der Beijing Information Science & Technology University hatte den Ausgleich ständig vor Augen, traf aber auch kurz vor dem Schlusspfiff nur den Torwart. Die schöneren Spielzüge gelangen indessen den Robotern von Tech United: Das 2:0 etwa folgte auf einen Bilderbuchpass quer über das Spielfeld, der von dem dort stehenden Spieler sicher angenommen wurde. Es folgte eine kurze Drehung, dann ein harter, gut gezielter Schuss und der Ball war im Netz.

Ganz schön was los beim RoboCup in Brasilien

(Bild: Valdecir Becker/RoboCup/UFPB)

Das Middle-Size-Finale wurde in einem Live-Stream übertragen, der erst am abschließenden Tag eingerichtet worden war. Ansonsten erwies es sich als schwierig, das Turnier aus der Ferne zu verfolgen. So wurden beim Finale der Humanoid Kid Size, das im Anschluss an die Middle Size ausgetragen wurde, weder der Spielstand noch die Namen der gegeneinander spielenden Teams eingeblendet. Die Aufdrucke auf den T- Shirts der am Ende jubelnden Teammitglieder ließen aber bereits vermuten, dass offenbar die CIT Brains aus Japan in diesem Jahr Weltmeister geworden sind.

Ein Blick auf die – durchaus verbesserungswürdige – Ergebnisanzeige verriet, gegen wen sie sich durchgesetzt haben: die Bold Hearts von der University of Hertfordshire. Das Ergebnis wiederum erfuhren wir vom Teamgründer Daniel Polani: 3:2. "CIT waren sehr klare Favoriten", schreibt er. "Also ist das Ergebnis besser als zu erwarten war." Hinzu kommt, dass die Bold Hearts, die zunächst in der 3-D Soccer Simulation League angetreten waren, erst vor drei Jahren begonnen hatten, ihre dort gewonnen Erkenntnisse auf reale Roboter zu übertragen. In so kurzer Zeit in dieser hart umkämpften Liga bis ins Finale zu kommen, ist schon eine enorme Leistung.

In der 3-D Simulation hat es das Team Magma Offenburg diesmal auf Platz drei geschafft. Sieger wurden UT Austin Villa (USA), die die RoboCanes mit 4:0 bezwangen. Klaus Dorer, Teamleiter von Magma Offenburg, hob hervor, dass mittlerweile "die meisten guten Teams Pässe spielen. Letztes Jahr waren das ja praktisch nur wir und vielleicht Portugal. Besonders erfreulich ist, dass das Ganze ohne Zwang durch Regeln entstanden ist. Sobald man kicken kann, ist es einfach effizienter, es auch zu tun."

In der 2-D Simulation hatten es die Gliders (Australien) tatsächlich ins Finale geschafft, wo sie sich dem mehrfachen Weltmeister Wright Eagle (China) mit 3:2 nur knapp geschlagen geben mussten. Beide Teams zeigten ein brillantes Kurzpass-Spiel und Dribblingqualitäten, die auch menschlichen Spielern alle Ehre gemacht hätten. Die Gliders wirkten sogar einen Tick wendiger als ihre Gegner. Aber die chinesischen Softwareagenten trafen halt einmal mehr.

In der Standard Platform League unterlag HTWK Leipzig gegen ruNSWift (Australien) mit 1:5 und wurde damit erneut Vizeweltmeister und bestes deutsches Team in dieser Liga.

Bemerkenswert ist das Ergebnis in der Humanoid Teen Size. Hier gewann ein Neuling gegen den mehrfachen, bislang unschlagbar scheinenden Weltmeister NimbRo. Das iranische Team Baset von der Baset Pazhuh Tehran Cooperation gewann das Finale deutlich mit 8:4. In der Kid Size erreichten die Iraner auf Anhieb den dritten Platz. Das dürfte einige Bewegung in die humanoiden Fußball-Ligen bringen.

Die Wettbewerbe in den anwendungsorientierten Ligen lassen sich aufgrund der komplizierten Aufgabenstellungen und der schwer nachvollziehbaren Bewertungssysteme schon vor Ort nur mit Mühe verfolgen. Über unkommentierte Livestreams, die es zeitweise gab, lässt sich der Leistungsstand überhaupt nicht einschätzen. Gleichwohl ist es bemerkenswert, dass mit dem Team Hector (TU Darmstadt) in der Rescue Robot League erstmals ein deutsches Team Gesamtsieger wurde. Den Titel "Best in Class: Autonomy" hatten die Darmstädter auch vorher schon gewonnen, aber in der Gesamtwertung hatten sie sich bislang immer den in dieser Disziplin sehr starken Thailändern geschlagen geben müssen, die diesmal mit nur einem Team angereist waren.

RoboCup-WM 2014 (7 Bilder)

Der Sieger Hector auf seinem Parcour...
(Bild: Stefan Kohlbrecher)

Den Wettbewerb RoboCup@home für Haushaltsroboter gewann Wright Eagle (China) mit großem Vorsprung vor Tech United (Niederlande) und dem mehrfachen Weltmeister NimbRo (Uni Bonn). Bei RoboCup@work (mobile Industrieroboter) machte smARTLab@work (Großbritannien) das Rennen und verwies die b-it-bots (Hochschule Bonn-Rhein-Sieg) auf den zweiten Platz.

[Update 29.7., 14.28 Uhr:]

In der industriell orientierten RoboCup Logistics League kam es zu einem rein deutschen Finale. Das Spiel zwischen Carologistics der RWTH Aachen und BavarianBendingUnits der TU München endete 165:124. (Hans-Arthur Marsiske ) / (mho)

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