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RoboCup-WM: Entscheidend ist auf'm Platz

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Scheiterten an der Infrarot-Kommunikation: die Cisco Dogs aus Berlin.

Nachdem die Junioren gestern bereits mit ihren Vorrunden begonnen haben, wird die 11. RoboCup-Weltmeisterschaft heute nun auch ganz offiziell eröffnet. Nach der Einstimmung durch einen Gospelchor wird eine wichtige Nachricht verkündet werden: Die Technische Universität Graz hat den Auftrag bekommen, die RoboCup-WM 2009 zu organisieren. Gerald Steinbauer von der TU Graz, der mit seinem Middle-Size-Team "Mostly Harmless" auch in Atlanta wieder dabei ist und den Vorschlag maßgeblich mit formuliert hat, wirkte recht zufrieden über diesen ersten Erfolg. Ob es "auf'm Platz" ab heute nachmittag auch so gut klappt, wird sich zeigen.

Hielt trotz Pannen wacker durch: Katsuya Nagamura aus Fukuoka.

Für manche Juniorteams hat es gestern jedenfalls nicht so gut geklappt wie erhofft. Die Cisco Dogs von der Berliner Hugo-Gaudig-Schule etwa hatten eine technisch sehr anspruchsvolle Performance vorbereitet: Die Roboter wie auch die Musik sollten von einem zentralen Sender auf der Bühne über Infrarotsignale gesteuert werden. Leider aber versagte diese Steuerung, sodass der Auftritt abgebrochen werden musste. Auch ein späterer zweiter Versuch gelang nicht. Gut möglich, dass die zahlreichen Kameras, die auf die Bühne gerichtet waren, die Roboter irritiert haben. Autofokusobjektive arbeiten üblicherweise mit Infrarotsignalen.

Die Rettung naht: Bei einem Trainingslauf in der Junior Rescue Competition kämpft sich ein Roboter die Steigung hoch.

Die Cisco Dogs waren nicht die einzigen, die mit solchen Problemen zu kämpfen hatten. Der japanische Schüler Katsuya Nagamura aus Fukuoka, der nach ihnen die Bühne betrat, hatte sehr aufwendig und liebevoll gestaltete Roboter dabei, die sich zu den Klängen von Count Basies "In The Mood" bewegen sollten. Aber nicht alle taten ihrem Schöpfer den Gefallen. Anders als die Cisco Dogs hielt Nagamura jedoch wacker durch, animierte das Publikum zum Mitklatschen und brachte seine Performance trotz der technischen Panne zu Ende.

Kommt so eine Haltung bei der Jury besser an? "Das kann man so nicht sagen", sagt Martin Bader, der in Deutschland den RoboCup Junior maßgeblich mit organisiert und bei diesem Auftritt in der Jury saß. "Wenn ein Roboter sich nicht bewegt, gibt das ebenso einen Punktabzug, als wenn ein Neustart erforderlich ist." Auch Nagamura bekam übrigens eine zweite Chance, die aber zu keinem besseren Ergebnis führte.

Der Teen-Size-Roboter des Teams Osaka bei Geh- und Kickversuchen.

Trotz solcher Pannen ist der Tanzwettbewerb für die Zuschauer der attraktivste Teil des RoboCup Junior und eines der Highlights des RoboCup insgesamt. Zwar spielen die Roboter manchmal eine untergeordnete Rolle, etwa bei der Aufführung eines chinesischen Teams, bei dem die menschlichen Akteure akrobatische Bewegungen wie in der Pekingoper zeigten, während ein kleiner Roboter vor ihnen nur hin und her fuhr. Aber die Spielfreude der Schülerinnen und Schüler und die Kreativität, die sie entfalten, wirkt ansteckend und immer wieder begeisternd.

Der Fußballwettbewerb ist dagegen schwerer zugänglich. Die kleinen Spielfelder bieten einfach zu wenig Raum für Zuschauer. Meistens sind die besten Plätze rasch für die Teammitglieder und ihre Angehörigen und Freunde vergeben. Hier konnten die MagdeBots an ihren Anfangserfolg zunächst nicht anknüpfen. Das zweite und dritte Spiel ging verloren, die Chance, in die nächste Runde zu kommen, besteht aber weiterhin.

Davide Faconti vom Team Icarus arbeitet an seinem Teen-Size-Roboter.

Ein Schattendasein führt leider die Rescue Competition, bei der die von den Jugendlichen konstruierten Roboter ein vereinfachtes Rettungsszenario absolvieren müssen. Entlang einer schwarzen Linie müssen sie Hindernisse umfahren, Steigungen überwinden, mit Unterbrechungen der Linie zurechtkommen und durch Strichmännchen symbolisierte Opfer finden. Durch ein akustisches Signal geben sie zu erkennen, wenn sie ein solches Opfer identifiziert haben.

Bei den Senioren verdichten sich unterdessen die Anzeichen, dass die humanoiden Roboter diesmal für Höhepunkte sorgen könnten. Auf den Spielfeldern herrscht dichtes Gedränge. Teammitglieder hocken über ihre Laptops gebeugt, beobachten ihre Roboter bei Gehversuchen, kalibrieren sie neu. Die meisten Roboter treten in der Kid-Size-Kategorie bis 60 Zentimeter an. Aber auch einige beeindruckende Teen-Size-Roboter sind schon zu sehen. Gehversuche des amtierenden Weltmeisters Team Osaka sahen sehr vielversprechend aus.

Aber die Konkurrenz schläft nicht. "Wir haben unseren Roboter mit einem neuen, leistungsfähigen Computer ausgestattet", sagt Sven Behnke vom Freiburger Team NimbRo. "Der Prozessor läuft mit 1,3 Gigahertz." Auch sonst wurden Hardware und Software an zahlreichen Stellen verbessert. Ab heute wird sich zeigen, ob es die richtigen Stellen waren.

Zur RoboCup-WM 2007 siehe auch:

Zur RoboCup German Open 2007 siehe auch:

Siehe zu dem Thema Robotik auch das c't-Roboterprojekt:

Zu den Roboterfußball-Wettbewerben und der Robotik-Forschung siehe auch:

RoboCup-WM 2006:

RoboCup-WM 2005:

RoboCup-WM 2004:

(Hans-Arthur Marsiske) / (anw)

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