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RoboCup-WM: Explodierende Akkus und abstürzende Roboter [Update]

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Viertelfinale in der Humanoid League: Hier ist FUmanoid-Spieler Bob noch quicklebendig und schaut zu, wie sein Mitspieler gerade eine Chance gegen die aiRobots verdaddelt.

„Was ist mit Bob?“ Immer wieder ist während des Viertelfinalspiels der FUmanoids gegen das taiwanesische Team aiRobot diese aufgeregte Frage zu hören. Und immer wieder die ernüchternde Antwort: „Bob ist tot.“

Halb so schlimm. Bob ist ein Roboter und „tot“ bedeutet in diesem Fall, dass die WLAN-Verbindung zusammengebrochen oder der Computer abgestürzt ist. Das kann passieren, wenn der Roboter hinfällt und den Sturz nicht abfedern kann. Der Neustart braucht nur etwa zehn Sekunden, dann lebt Bob wieder und kann weitere Tore schießen. In diesem Spiel waren es sieben, bei zwei Gegentreffern.

Ernster war dagegen die Nachricht, die Franz Wotawa, einer der beiden Cheforganisatoren der RoboCup-WM, gestern abend beim traditionellen Festbankett verkündete: Der Verdacht einer Infektion eines Turnierteilnehmers mit dem „Schweinegrippevirus“ A/H1N1 hatte sich bestätigt. Das betroffene Team aus Singapur war isoliert und unter medizinische Beobachtung gestellt worden. Den ganzen Tag hatten die Organisatoren gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden über das weitere Vorgehen beraten und sich entschlossen, die Veranstaltung fortzusetzen. Auf Flugblättern, die heute auch überall herumliegen und an Wände geheftet sind, informieren sie sehr sachlich über die Symptome, auf die man achten sollte, die Infektionsrisiken und die Möglichkeiten, sie zu minimieren.

Die RoboCup-Gemeinde hat die Nachricht sehr gelassen aufgenommen. Bislang ist nicht bekannt, dass ein Team abgereist wäre. Einige Teilnehmer, insbesondere aus asiatischen Ländern, haben sich lediglich entschlossen, einen Mundschutz zu tragen.

Wegen eines geplatzten Akkus fahren wir noch lange nicht nach Hause: Mitglieder des iranischen Teams MRL machen den Roboter in wenigen Sekunden wieder fit.

Einen größeren Schreck löste dagegen heute vormittag ein lauter Knall während eines Spiels der Middle Size League aus. Ein Akku auf einem Roboter des iranischen Teams MRL war explodiert. Aber auch hier große Gelassenheit: Der Roboter wurde aus dem Spiel genommen, am Spielfeldrand behandelt, während unterdessen ein anderer Roboter den spielentscheidenden Führungstreffer im Spiel gegen Carpe Noctem aus Kassel erzielte.

Für Carpe Noctem könnte es damit eng werden. Zu den Favoriten in dieser Liga zählen weiterhin die Teams 1. RFC Stuttgart, Sieger der letzten RoboCup German Open, der amtierende Weltmeister Cambada aus Portugal sowie das niederländische Team Tech United, das übrigens auf seiner Homepage Livestreams von den Spielfeldern der Middle Size League bereitstellt.

Blick aufs Spielfeld der Middle Size League. Im Vordergrund der Computer des Schiedsrichters, von dem aus die Start- und Stopp-Befehle bei Anstoß, Freistößen und ähnlichen Situationen gesendet werden.

Das erste Team für das morgige Finalspiel in der Humanoid League steht inzwischen fest: Es sind die Darmstadt Dribblers, die im Halbfinale ihren traditionellen Rivalen NimbRo mit 7:2 bezwingen konnten.

NimbRo ging offensiv ins Spiel und drängte gleich nach dem Anpfiff vors Tor der Dribblers. Doch die zeigten sich sehr verteidigungsstark. Ein weiter Befreiungsschuss überrumpelte den NimbRo-Torwart und brachte das Darmstädter Team in Führung, die kurz darauf wiederum mit einem Fernschuss auf 2:0 ausgebaut werden konnte.

Mit einem schnellen Alleingang nach dem Anstoß gelang NimbRo der Anschlusstreffer. Ein erneuter Angriff blieb jedoch in der Darmstädter Abwehr stecken, die wieder mit einem kräftigen Weitschuss konterte und auf 3:1 erhöhte. Auch das 4:1 verdanken die Dribblers ihrer überlegenen Schusstechnik: Nach mehreren Stürzen von NimbRo-Spielern hämmerte ein Dribbler den Ball von der Mittellinie ins gegnerische Tor.

Ein Abwehrfehler, bei dem sich der Darmstädter Torwart zu weit aus seinem Kasten herausgewagt hatte, ermöglichte NimbRo, auf 4:2 zu verkürzen. Das war dann auch der Halbzeitstand. In der Pause wurden die Motoren der NimbRo-Spieler ausgiebig mit Kältespray gekühlt. Doch es war abzusehen, dass die Partie kaum noch gedreht werden könnte. In der zweiten Spielhälfte gelangen dem NimbRo-Torwart zwar noch einige schöne Paraden. Doch auch ein zweiminütiger Timeout, den NimbRo nahm, konnte die Niederlage nicht mehr abwenden.

Neben den kräftigen Fernschüssen zeichneten sich die Dribblers insbesondere durch ihr sicheres Laufverhalten aus. Sie stürzten deutlich seltener als ihre Gegenspieler und konnten dadurch das Spielgeschehen dominieren. Das Team ist offensichtlich in Topform und hat jetzt den Weltmeistertitel zum Greifen nah. Im Finale werden die Dribblers morgen auf FUmanoid oder die CIT Brains treffen.

Viertelfinale der Nao-Roboter: Schießen können die Bremer sowieso. Dies dürfte ungefähr der neunte Treffer gewesen sein.

Parallel zum Halbfinale der Humanoid League besiegte das Bremer Team B-Human im Viertelfinale der Standard Platform League souverän CMWreagle, ein gemeinsames Team der Carnegie Mellon University und der University of Science and Technology of China, mit 11:1. Das hohe Ergebnis entspricht dabei durchaus der spielerischen Überlegenheit der Bremer. Als ein Bremer Spieler gegen Ende der Begegnung um das ausgestreckte Bein eines Gegenspielers herumlief und den dicht dahinter liegenden Ball trotz des engen Raums ins Tor beförderte, wurde dies vom Publikum mit kräftigem Applaus belohnt.

Zur RoboCup WM 2009 in Graz siehe auch:

(Hans-Arthur Marsiske) / (cm)

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