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RoboCup-WM: Mehrere Titelgewinne für Teams aus Deutschland

Zum Ende der RoboCup-WM gab es Titel für deutsche Teams, eine Entscheidung durch Strafstöße – und einen echten, mit den Armen ausgeführten Einwurf.

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Die Bremer Stadtmusikanten beschützten B-Human (schwarz) beim Halbfinale gegen ruNSWift (gelb).

(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

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Die RoboCup-Weltmeisterschaft in Sydney ist am Sonntag mit einigen Erfolgen für deutsche Teams zu Ende gegangen. Es gab unterhaltsame Begegnungen mit spektakulären Einzelaktionen. So gelang dem Team Rhoban im Finale der Humanoid Kid Size ein echter, mit den Armen ausgeführter Einwurf, der vom Publikum fast noch stärker beklatscht wurde, als ein Tor. Davon erzielte Rhoban gegen ZJUDancer allerdings auch eine ganze Menge: Mit 5:1 wurden die Franzosen in dieser Kategorie erneut Weltmeister.

Den Titel zurückerobern konnte B-Human in der Standard Platform League, machte es aber spannend: Erst zweieinhalb Minuten vor dem Schlusspfiff konnten die Bremer gegen das Nao-Team HTWK aus Leipzig zum 1:1 ausgleichen, legten dann aber eine Minute später mit einem weiteren Treffer nach, sodass es keine Verlängerung gab. Zuvor hatten die Bremer im Halbfinale des australische Team ruNSWift mit 3:0 geschlagen, wobei alle Tore in der zweiten Halbzeit fielen. Der Grund dafür war das Tageslicht: In der ersten Halbzeit spielte B-Human gegen das durch die Fensterfront einfallende Licht, in der zweiten fiel die Orientierung mit Licht im Rücken deutlich leichter.

RoboCup-WM 2019 (64 Bilder)

Der letzte Tag: Die Bremer Stadtmusikanten beschützten B-Human (schwarz) im Halbfinale gegen ruNSWift (gelb).
(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

In der 3D Soccer Simulation League war das Halbfinale spannender als das Finale. Hier traf Magma Offenburg auf das neue Team WrightOcean von der chinesischen Ludong University. Zwei große Chancen der Chinesen wurden nur durchs Ende der Halbzeit verhindert, eine in der Verlängerung sogar in der Sekunde, in der der Spieler zum Schuss ansetzte. Es folgte eine Entscheidung durch Strafstöße, bei der ein Spieler jeweils 40 Sekunden Zeit hat, um von der Mittellinie aus den Torwart zu überwinden. Hier waren die Offenburger stärker und gewannen am Ende mit 4:3. Im Finale gegen den „ewigen“ Weltmeister UT Austin Villa unterlagen sie dann aber deutlich mit 1:4.

In der Small Size League kämpfte sich ER-Force aus Erlangen mit einem 1:0 über MRL (Iran) ins Finale und hielt sich dort gegen den Weltmeister ZJUNlict aus China sehr wacker. Die Erlanger Roboter waren stark in der Verteidigung, mehrmals wehrte der Torwart starke, direkte Schüsse mit guten Paraden ab. Knapp drei Minuten vor Schluss fanden die Chinesen dann aber doch eine Lücke. Das eine Tor reichte ihnen zur Titelverteidigung.

In der Middle Size League war dagegen eine Verlängerung nötig, um den Weltmeister zu küren. In einem rasanten Spiel stand es nach der normalen Spielzeit zwischen Tech United und Water 4:4. In der zusätzlichen Spielzeit konnte Tech United dann zweimal das Tor des Gegners treffen. Ein Tor von Water wurde nicht gewertet, weil der Spieler nach einem Freistoß direkt geschossen hatte, statt, wie von den Regeln gefordert, vorher zu einem andern Spieler zu passen.

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Weniger spektakulär war das Finale in der Humanoid Adult Size, wo die angeschlagenen Roboter des Teams Sweaty sich gegen NimbRo nicht behaupten konnte. Es war mehr oder weniger ein Spiel auf ein Tor, aus dem NimbRo als klarer Sieger hervorging. Das genaue Ergebnis wurde beim Schreiben dieser Zeilen aber noch diskutiert.

Erfolgreich waren Teams aus Deutschland auch in der Logistics League, wo Carologistics den Weltmeister GRIPS schlagen konnte. In der RoboCup@work League gewann b-it-bots vor robOTTO und Robo Erectus. In der RoboCup@home League machte im Wettbewerb der Open Platform Homer das Rennen vor den Pumas. Für weitere Ergebnisse, auch in den zahlreichen Spezialwettbewerben, sei hier auf die Homepages der RoboCup-WM und der einzelnen Ligen verwiesen.

Insgesamt fiel diese Weltmeisterschaft kleiner aus als vorangegangene, was sicherlich an der weiten Anreise insbesondere für Teams aus Europa und Amerika und den damit verbundenen Kosten gelegen haben dürfte. Auch die Zuschauerzahlen waren eher gering, obwohl kein Eintritt verlangt wurde. Das ist schade, weil gerade die zuschauerfreundlichen Fußballwettbewerbe deutliche Fortschritte gemacht haben. Nach wie vor gibt es keinen anderen Wettbewerb, der es auf vergleichbar anschauliche Weise ermöglicht, die Entwicklung Künstlicher Intelligenz praktisch live mitzuverfolgen.

Zwar werden die Spielbedingungen regelmäßig erschwert, was in der Regel die Attraktivität der Spiele vorübergehend mindert. Aber die gestellte Aufgabe bleibt im Prinzip immer gleich, was – anders als bei etwa den medial stärker präsenten Wettbewerben der US-Militärforschungsbehörde Darpa – den direkten Vergleich der Leistungen von Jahr zu Jahr ermöglicht. Die Institutionen der öffentlichen Forschungsförderung in Deutschland und Europa wären gerade angesichts der breiten gesellschaftlichen Debatten über Künstliche Intelligenz gut beraten, den Roboterfußball ernster zu nehmen.

Das diesjährige WM-Turnier ist zu Ende, aber nicht der RoboCup: Am Montag wird beim RoboCup-Symposium Gelegenheit sein, intensiver über die wissenschaftlichen Hintergründe und die zukünftige Entwicklung zu diskutieren.

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(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

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(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

(tiw)