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Technology Review

RoboCup-WM: Rückblick und Vorgriff

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"Ich zeige Ihnen im Laufe dieses Vortrages ein paar Videoclips von 1997. Da viele von Ihnen 1997 noch sehr jung waren, haben sie diese Bilder wahrscheinlich noch nie gesehen." Mit dieser Vorbemerkung gab Minoru Asada, Professor an der Universität von Osaka und Mitbegründer der Robocup Federation, am Abend des ersten RoboCup-Tages (siehe dazu die Bilderstrecke mit Impressionen von den Vorrunden) seinen ganz persönlichen Rückblick auf zehn Jahre Weltmeisterschaft der Fußball-Roboter – und einen Ausblick auf die kommenden zehn Jahre.

Die Idee des fußballspielenden Roboters hatte der Kanadier Alan K. Mackworth in seinem 1992 publizierten Aufsatz "On seeing Robots" in die Welt gesetzt. Unabhängig davon gab es in diesem Jahr jedoch auch unter jungen japanischen Wissenschaftlern erste Diskussionen über Roboter-Fußball als Treiber für eine schnellere Hard- und Softwarentwicklung. Im Oktober 1993 legten die Mitglieder der Mailingliste Robot J-league auf einem ersten Treffen die Regeln für den neuen Wettbewerb fest – 1995 wurde im Zuge der Internationalisierung des Wettbewerbs der Name "RoboCup" gewählt. Unglücklicherweise klinge das Wort "Robocup" sehr ähnlich zu "Robocop" – "Das war kein Witz", fügte Asada gleich hinzu: "Wir wären beinahe von Orion Pictures verklagt worden." Seine Kollegen Hiroaki Kitano and Shu Ishiguro hätten den Konflikt jedoch beilegen können.

Die erste Weltmeisterschaft der Fußball-Roboter fand dann im August 1997 im Zusammenhang mit der IJCAI-97 (International Joint Conference on Artificial Intelligence) im japanischen Nagoya statt: Mit über 40 Mannschaften aus zehn Ländern, 38 davon allerdings in der Simulationsliga. Seitdem habe sich viel getan, meint Asada. "Am Anfang waren die Bewegungen noch sehr langsam, und manchmal völlig zufällig. Das ist jetzt ganz anders." Ein Blick auf seine 1998 vorgeschlagenen Benchmarks offenbart allerdings, dass bis zum "Grand Goal" – dem für 2050 angesetzten Spiel zwischen humanoiden Robotern und menschlichen Spielern – noch viel zu tun ist: Zwar können auch die humanoiden Roboter mittlerweile Pässe spielen, aber das ganze ist noch eine recht statische Angelegenheit. Von Rennen und Springen als Grundvoraussetzung für ein wirklich dynamisches Spiel kann noch nicht die Rede sein.

Asada bleibt dennoch optimistisch. In den vergangenen zehn Jahren habe sich die Community sehr dynamisch entwickelt und ein weites Spektrum möglicher Anwendungen inspiriert. Mit RoboCup@home stoße man nun in den Bereich der Service-Robotik vor; zwei Vorschläge für neue Ligen, die zurzeit diskutiert würden – RoboCup@space, RoboCup-NanoLeague – würden das Feld potenzieller Anwendungen dann noch einmal erweitern. Richtig glänzende Augen bekam der Roboterpionier jedoch, als er der andächtig lauschenden Gemeinde vom neuesten japanischen Robotik-Großprojekt berichtete: In Osaka entsteht bis 2011 auf insgesamt 24 Hektar Fläche das Projekt RoboCity CoRE (Center of Robot Technology Experiments) mit permanenter Ausstellung der neuesten Robot-Technologie, einem Campus für Entwickler und Wissenschaftler und Modellwohnungen, in denen beispielsweise die Sicherheitszertifizierung von Haushaltsrobotern vorgenommen werden soll.

Zu den RoboCup-Wettbewerben und der zugehörigen Forschung siehe:

  • Mehr als nur Fußball, RoboCup-WM wird erstmals in Deutschland ausgetragen, c't 13/06, S. 98
  • KI auf dem Fußballfeld, Praktische Forschung bei der RoboCup-Weltmeisterschaft, c't 13/06, S. 102

Zur diesjährigen RoboCup-WM und den begleitenden Veranstaltungen:

Zur RoboCup-WM 2005:

Zur RoboCup-WM 2004:

Siehe zu dem Thema Robotik auch das c't-Roboterprojekt: (wst)

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