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RoboCup-WM: Serviceroboter auf dem Vormarsch

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Bei der Eröffnungsveranstaltung des RoboCups haben Serviceroboter bereits eine tragende Rolle gespielt: Ein humanoider Roboter überreichte dem Bremer Bürgermeister sein Redemanuskript; der Roboterhund Uschi apportierte die Schere, mit der Jörg Kastendiek, Senator für Wirtschaft und Häfen, das symbolische rote Band zur Eröffnung zerschnitt.

Der Weg zu wirklich autonomen Robotern ist aber noch weit: Auch wenn die Auftritte viel Beifall hervorriefen, so bangen die zugehörigen Menschen noch wie bei einem Auftritt des eigenen Kindes, dem man auch möglichst viele Klippen aus dem Weg räumt. So schaffte es der Humanoide zwar, das Manuskript ohne Unfall abzugeben, wurde aber beim Rückweg doch vorsichtshalber von einem RoboCupper abgefangen, als er zu stürzen drohte. Auch mit der Fußballdemonstration zum Abschluss der Eröffnung, bei der ein Middle-Size-Roboter als Torhüter vier der sechs Schüsse von Kastendiek hielt, punkteten die Roboter beim Publikum. Bis ein Roboter die Elfmeterschüsse eines menschlichen Fußballprofis auf ein normal großes Tor unter freiem Himmel auf einem realen Platz sicher hält, bleibt aber noch viel Forschungsarbeit zu erledigen: Bei der Demonstration reichte noch ein Plakat, das im Orange des Balls gehalten war, um den Roboter irrezuführen, sodass er aus dem Tor auf die gegenüberliegende Seite des Platzes fuhr.

Hans-Dieter Burkhard, Sprecher für die Four-Legged-Liga im deutschen Nationalkomitee, betonte denn auch noch einmal, dass der für das Jahr 2050 anvisierte Sieg der Roboter bei einem Fußballspiel Mensch gegen Roboter kein Ziel sei, sondern eine Vision. Das eigentliche Ziel sei es, mit Hilfe des Fußballspielens das Verständnis von Intelligenz zu vertiefen. Allerdings sei es nicht unmöglich, dass dabei auch die Vision wahr wird – vorausgesetzt, dass es in den kommenden Jahrzehnten genügend finanzielle Mittel und ausreichend motivierten Nachwuchs gibt, um die Technik weit genug entwickeln zu können.

Während das Interesse des Nachwuchses inzwischen sehr hoch ist – mehr als 1000 der 2500 Teilnehmer sind Jugendliche aus aller Welt –, ist die Frage der Finanzierung für die meisten Teams ein Dauerbrenner, wenn auch je nach Herkunftsland in unterschiedlicher Ausprägung. Viele sind auf Sponsoren und Kooperationen wie beim Telemax angewiesen. Angesichts der hohen Kosten der Entwicklungen und der begrenzten Budgets im zivilen Bereich erscheinen manchen Robotikentwicklern Angebote zur Zusammenarbeit mit dem Militär durchaus attraktiv. Für den von ihm ins Leben gerufenen RoboCup distanzierte sich Minoru Asada, Präsident der RoboCup Federation, auf Nachfrage aber ebenso klar von einer solchen Kooperation und der gezielten Entwicklung militärischer Anwendungen wie der ebenfalls anwesende Hans-Dieter Burkhard.

Die Ausweitung des RoboCup über den Fußball hinaus in zivile Anwendungen soll dagegen ausdrücklich weiter vorangetrieben werden: Wenn man versucht, Roboter Fußball spielen zu lassen, könne man viele Erkenntnisse zur dynamischen Bewegung, zur Wahrnehmung und zur Kooperation der Roboter untereinander sammeln. Um Serviceroboter zu unserer Unterstützung zu bauen, müssen diese aber auch in einer häuslichen Umgebung zurechtkommen und direkt mit Menschen umgehen können. Hier setzt die neue Liga RoboCup@Home an, von der die Initiatoren hoffen, dass sie sich ähnlich dynamisch entwickelt wie die anderen Ligen. Das Veranstaltungskonzept unterstützt dies auf seine Weise: Interessierte, die sich bei einem Besuch des RoboCups von der Atmosphäre in dieser Community angesprochen fühlen, könnten in der begleitenden Ausstellung zur Servicerobotik gleich die ersten Anregungen mitnehmen.

Zu den RoboCup-Wettbewerben und der zugehörigen Forschung siehe:

  • Mehr als nur Fußball, RoboCup-WM wird erstmals in Deutschland ausgetragen, c't 13/06, S. 98
  • KI auf dem Fußballfeld, Praktische Forschung bei der RoboCup-Weltmeisterschaft, c't 13/06, S. 102

Zur diesjährigen Robocup-WM und den begleitenden Veranstaltungen:

Zur RoboCup-WM 2005:

Zur RoboCup-WM 2004:

Siehe zu dem Thema Robotik auch das c't-Roboterprojekt:

(anm/c't) / (jk)

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