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RoboCup-WM: Spannende Finalrunde

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Der Roboter vom Team Philips nimmt Anlauf und schießt -- daneben

Das war knapp! Im Halbfinale der Middle Size League hatte das Team Philips gegen den Weltmeister Eigen von der japanischen Keio University über die reguläre Spielzeit ein 2:2 halten können. Bei den anschließenden Strafstößen musste Eigen zuerst kicken und verwandelte lediglich zwei. Die Stimmung hob sich im Philips-Team, denn wenn deren Roboter eins drauf haben, dann sind es hammerharte Schüsse.

Die Entscheidung verzögerte sich allerdings noch etwas, weil Eigen Probleme mit dem Torwart hatte: Er fuhr immer zu früh aus dem Tor heraus. Schließlich wurden dem Team fünf Minuten zugestanden, um ihn zu reparieren. Mitglieder des Philips-Teams hatten inzwischen einen Papierausdruck der Middle-Size-Regeln geholt, es gab erste Diskussionen, ob so etwas überhaupt zulässig ist. Dann begann endlich die zweite Kickrunde. Wieder fuhr der Eigen-Torwart aus dem Tor, diesmal aber korrekterweise erst, nachdem der Philips-Spieler den Ball berührt hatte: Gehalten!

Beim zweiten Versuch setzte der würfelförmige Philips-Roboter den gefürchteten hohen Schuss ein und hob den Ball über den Torwart hinweg. Großer Jubel bei den Niederländern. Mit Versuch drei und vier scheiterten sie wieder, sodass jetzt alles vom letzten Strafstoß abhing. Tatsächlich landete der Ball wieder hinter der Linie, aber erst nachdem der Torwart ihn berührt hatte -- und das bedeutet nach den aktuellen RoboCup-Regeln: kein Tor. Natürlich gab es wieder Diskussionen, aber dann durften sich die erleichterten Japaner als Sieger feiern lassen und dem japanischen Fernsehen Interviews geben.

Knapp wurde es auch für die FU-Fighters aus Berlin, die sowohl in der Small Size als auch in der Middle Size League antreten. Im Middle-Size-Viertelfinale hatten sie bereits das portugiesische Team Minho mit einer ungewöhnlichen Verteidigungstaktik auflaufen lassen: Die Minho-Roboter verfügen über einen starken Kickmechanismus und schießen daher häufig direkt aufs Tor, auch bei Einwürfen oder Freistößen. Solche Tore werden aber nicht gewertet, wenn vorher kein anderer Spieler den Ball berührt hat. Also zogen sich die Spieler der FU-Fighters bei portugiesischen Einwürfen immer so weit zurück, dass keine Gefahr der Ballberührung bestand. Manche Beobachter fanden das unfair. Die FU-Fighters dagegen betrachten das wiederum als ihre Antwort auf eine unfaire Spielweise. Gegen Minho brachte ihnen das ein 2:1 und den Einzug ins Halbfinale.

Hier trafen sie auf die Trackies aus Osaka, die zuvor die Stuttgarter CoPS aus dem Turnier gekickt hatten. Zunächst lief es recht gut, die FU-Fighters gingen 2:0 in Führung, doch das Laufpensum zehrte an den Akkus. In den letzten vier Minuten der zweiten Halbzeit schleppten sich die Roboter nur noch mühsam übers Feld. Den Trackies gelang es jedoch nicht, die Konditionsschwäche ihrer Gegner für sich zu nutzen. Mehr als einen Anschlusstreffer konnten sie nicht erzielen. Damit sind die FU-Fighters im Finale.

Auch die Middle Size League bietet also noch spannende Spiele, das hat sich heute mit den Finalrunden erwartungsgemäß gezeigt. Dennoch scheinen die Möglichkeiten dieser Liga weitgehend ausgereizt, ähnlich wie bei der Small Size League und der 2-D-Simulation. Um hier noch kleine Fortschritte zu erzielen, muss ein unverhältnismäßig hoher Aufwand betrieben werden. Durch eine Veränderung der Spielbedingungen könnte hier wieder mehr Dynamik hineingebracht werden. Vorschläge, die diskutiert werden, sind etwa, im Freien auf richtigem Rasen zu spielen (was allerdings völlig neue Roboterkonstruktionen erfordern würde), in Turnhallen zu gehen und den dort vorhandenen Boden mit den aufgemalten Markierungen zu nutzen, oder die Größe des Spielfelds zu verdoppeln. Ein größeres Spielfeld würde die Teams auf jeden Fall zwingen, Techniken für ein gezieltes Pass-Spiel zu entwickeln.

In der Liga der Vierbeiner hat das German Team im Viertelfinale gegen Jolly Pochie aus Japan sicher mit 4:0 gewonnen und trifft morgen auf CMDash von der Carnegie Mellon University, Pittsburgh. Die Pittsburgher werden gewiss eine nächtliche Programmierschicht einlegen, um es ihrem Halbfinalgegner möglichst schwer zu machen, schließlich haben sie noch eine Rechnung offen: Bei der letzten Weltmeisterschaft wurden sie vom German Team mit 9:0 vom Platz gefegt. Das andere Halbfinalspiel wird von den beiden australischen Teams NUBots und ruNSWift bestritten. Beide sind sehr stark und zeigten in den bisherigen Spielen sichere Ballerkennung, große Sprintstärke und exzellente Ballkontrolle.

In der 3-D-Simulationsliga werden die Brainstormers von der Universität Osnabrück als sicherer Endspielteilnehmer gehandelt -- was allerdings an sich noch keine Sensation ist. Im WM-Endspiel waren die Brainstormers schon oft, nur gewonnen haben sie es noch nie. Morgen wird sich zeigen, ob dieses Trauma des Ewigen Zweiten endlich beendet werden kann.

Zur RoboCup-WM 2005 siehe auch:

Zur letztjährigen RoboCup-WM siehe:

(Hans-Arthur Marsiske) / (se)

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