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RoboCup-WM: Tech United endlich Weltmeister, B-Human entthront, NimbRo verteidigt Titel

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Die Nao-Roboter hatten es bei dieser 16. RoboCup-Weltmeisterschaft in Mexico City nicht leicht: Das Licht in der Halle war eher schwach, die Spielfelder waren uneben und vibrierten und das WLAN, über das die Spieler miteinander kommunizieren, wurde immer wieder gestört. Insbesondere letzteres machte dem Titelverteidiger B-Human von der Universität Bremen zu schaffen. Das zeigte sich am letzten Spieltag bereits im Halbfinale, als die Favoriten vom Nao-Team HTWK aus Leipzig arg in Bedrängnis gebracht wurden und sich nach Ablauf der regulären Spielzeit erst durch Strafstöße knapp behaupten konnten.

Gegen die starke Verteidigung von Austin Villa gab es für B-Human einfach kein Durchkommen.

(Bild: H.-A. Marsiske)

Im Finale trafen die Bremer dann auf das Team Austin Villa aus Texas, das zunächst 1:0 in Führung ging, nachdem alle Feldspieler von B-Human vorübergehend vom Platz gestellt waren. Einen weiteren Angriff konnten die Bremer zunächst abwehren, doch im Nachsetzen erhöhten die Texaner auf 2:0. Ein Weitschuss des Bremer Torwarts erreichte kurz vor Ende der ersten Halbzeit die gegnerische Torlinie und blieb auf ihr liegen. Es sah so aus, als würde der Torwart den Ball versehentlich ins eigene Tor schieben, doch der Halbzeitpfiff rettete ihn. In der zweiten Halbzeit dominierte Austin Villa weiterhin, obwohl der Torwart anfangs desorientiert wirkte. Die Bremer Spieler kamen einfach nicht zum Zuge, immer stand ein Gegner im Weg. Erst zweieinhalb Minuten vor Schluss gelang ein Anschlusstreffer, 13 Sekunden vor Schluss ein zweiter. Aber Austin Villa hatte zwischendurch auch getroffen – Endstand: 4:2.

Spannend war auch das Endspiel in der Teen Size der Humanoid League, die bislang vom Team NimbRo dominiert wurde. Die CIT Brains aus Japan konnten dem amtierenden Weltmeister aber überraschend stark zusetzen, sodass es nach der ersten Halbzeit 2:2 stand. In der zweiten Halbzeit konnte NimbRo aber mehrmals treffen und ging mit 6:3 erneut als Weltmeister vom Platz. Die Zeit der 10:0-Spiele scheint jedoch vorbei zu sein, in die Liga ist Bewegung gekommen.

In der Kid Size der Humanoid League siegte Team DARwin ohne große Mühe ebenfalls gegen CIT Brains. In der Adult Size, in der es allerdings bislang noch keine Teamspiele gibt, sondern lediglich einen Strafstoßwettbewerb, ist die Situation ähnlich wie bisher in der Teen Size: Es gibt bislang keinen Roboter, der Charli annähernd ebenbürtig wäre. Keiner läuft und kickt so sicher wie er.

CHARLI dominiert derzeit den Wettbewerb in der Adult Size der Humanoid League.

(Bild: H.-A. Marsiske)

Je besser die Roboter der Adult Size werden, desto drängender wird die Frage werden, wie komplette Fußballteams mit mehreren Spielern finanziert werden sollen. Vermutlich werden sich dann mehrere Universitäten zusammentun müssen. Das wäre vielleicht auch eine Lösung für die Middle Size League, bei der mehr und mehr Teams aufgeben, weil Wartung, Entwicklung und Transport der Roboter einfach zu teuer werden. Dabei bietet diese Liga immer wieder attraktive Spiele und hat mit Einführung einer neuen Regel, die Dribblings über die Mittellinie verbietet, gerade einen großen Sprung nach vorn gemacht.

Unmittelbar nach diesem Freistoß von Tech United fiel das 1:0 im Endspiel der Middle Size League.

(Bild: H.-A. Marsiske)

Das erwartete Finale Tech United gegen Water blieb allerdings aus, weil Water im Halbfinale mit 2:0 gegen MRL aus dem Iran unterlag. Die Iraner spielten deutlich präzisere Pässe und waren auch im Dribbling sehr stark. Damit machten sie es im Endspiel auch Tech United recht schwer. Beim Halbzeitstand von 2:1 für Tech United schien die Partie durchaus noch offen. Doch in der zweiten Halbzeit trafen die Iraner nicht mehr, die Niederländer dagegen noch zweimal, sodass sie mit 4:1 als neuer Weltmeister vom Platz gingen – nachdem sie viermal hintereinander Zweiter geworden waren. Da platzte ein ganz dicker Knoten.

Neben dem zweiten Platz in der Middle Size League konnte sich MRL auch über den Sieg in der Rescue Robot League freuen. Auf Platz zwei folgte dort das Team Hector von der TU Darmstadt, das erneut mit seinen autonom erstellten Karten beeindrucken konnte. Das ist umso bemerkenswerter, als es in diesem Wettbewerb bislang noch kein autonom fahrender Roboter in der Gesamtwertung unter die ersten drei geschafft hatte.

In der RoboCup@home League konnte NimbRo den Titel erfolgreich verteidigen, gefolgt von den Er@sers aus Japan und Team ToBI aus Bielefeld. (axv)

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