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RoboCup-WM: Virtuelles Feuer

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Der Freiburger Roboter NimBro nimmt Anlauf für den Strafstoß [Klicken für vergrößerte Ansicht]

Nachdem 17 hochrangige Vertreter aus Wissenschaft, Industrie und Politik gleichzeitig das rote Band zerschnitten hatten, konnten heute die Vorrundenspiele der neunten RoboCup-Weltmeisterschaft beginnen. Zugleich wurde die Ausstellung Robotrex 2005 (Robot Trade & Research Exhibition) eröffnet, die anwendungsbezogene Robotikprodukte zeigt. Die in der internationalen RoboCup Federation organisierten Robokicker wollen nicht nur spannende Spiele zeigen, sondern verfolgen immer noch auch ein langfristiges Ziel, das die besondere Faszination des Vorhabens ausmacht: Bis zum Jahr 2050, so die ehrgeizige Vorgabe, sollen menschenähnliche Roboter gegen Menschen um die Fußballweltmeisterschaft spielen -- und gewinnen, nach den dann gültigen offiziellen Fifa-Regeln selbstverständlich.

Der Start der diesjährigen Wettkämpfe allerdings war eher verhalten. Die meisten Teams haben noch damit zu tun, sich auf die hiesigen Bedingungen einzustellen und die Software entsprechend zu kalibrieren. So gab es in der Middle-Size-League Probleme mit dem WLAN, die dazu führten, dass die Spiele immer wieder unterbrochen werden mussten. Der vom Team Philips neu entwickelte hohe Schuss kam daher bislang nur ausnahmsweise zum Einsatz.

Die humanoiden Roboter präsentieren sich der Öffentlichkeit [Klicken für vergrößerte Ansicht]

Bei den humanoiden Robotern wurden die ersten Strafstöße gekickt. Wie beim menschlichen Fußball hat jedes Team fünf Mal die Gelegenheit aufs Tor des Gegners zu schießen. Dem Team NimbRo von der Universität Freiburg gelangen dabei gegen Sharif Cedra aus Teheran vier Treffer ohne Gegentor. Bemerkenswert daran ist, dass die Freiburger sich erst seit Anfang 2004 mit der Konstruktion humanoider Roboter beschäftigen. Jetzt verfügen sie bereits über zwei Modelle, mit denen sie auch am Team-Wettbewerb teilnehmen wollen.

In der Liga der vierbeinigen Roboter gab es bisher keine Überraschungen. "Alle als Favoriten gehandelten Teams haben in ihren Gruppen die ersten Plätze belegt", sagt Thomas Röfer, Leiter des German Team. Das wurde seinem Ruf als amtierender Weltmeister zwar ebenfalls gerecht, indem es alle Spiele gewann. Dennoch wirkte Röfer nicht ganz zufrieden. Vieles müsse noch verfeinert werden. "Das Material für das Spielfeld ist viel härter als das von uns verwendete", meint Röfer. "Dadurch rollt der Ball viel besser. Darauf müssen wir unsere Schuss- und Dribbeltechniken noch genauer abstimmen."

Der Roboter des Teams Osaka ist Favorit in der Humanoids League [Klicken für vergrößerte Ansicht]

Anders als bei früheren Weltmeisterschaften stehen die Hallen den Teams jedoch nicht rund um die Uhr zur Verfügung, sondern werden um 21 Uhr geschlossen. Für RoboCup-Teilnehmer, die es gewohnt sind, die Nächte durch zu programmieren, bedeutet das eine erhebliche Einschränkung. Immerhin ist das German Team mit 36 Mitgliedern personell am besten ausgestattet. Mit so viel Manpower müsste sich bis zu den Viertelfinalen am Samstag noch einiges machen lassen.

Das Team ResQ Freiburg, das in der Rescue Simulation League antritt, wird ebenfalls noch einige Zeit an den Rechnern verbringen müssen. In diesem Wettbewerb geht es darum, Softwareagenten so zu programmieren, dass sie in einer von einem Erdbeben verwüsteten Stadt möglichst viele Menschenleben retten und den Schaden minimieren. Agenten mit unterschiedlichen Funktionen (Feuerwehr, Polizei, Sanitäter) müssen ihre Aktionen effektiv koordinieren, um dieses Ziel zu erreichen. Davon konnte beim ersten Durchlauf des ResQ-Teams keine Rede sein: Das Feuer konnte sich in der virtuellen Stadt praktisch ungehindert ausbreiten, während die Feuerwehr-Agenten ohne klar erkennbares Ziel herumirrten.

Davon ließen sich die Teammitglieder indessen nicht beirren. Als erfahrene RoboCupper wissen sie, dass am ersten Tag selten alles glatt läuft. Morgen ist die virtuelle Stadt wieder aufgebaut. Dann sehen wir weiter.

Zur RoboCup-WM 2005 siehe auch:

Zur letztjährigen RoboCup-WM siehe:

(Hans-Arthur Marsiske) / (jk)

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