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RoboCup-WM: Wettkampf der Ligen

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Martin Böhnert präsentiert den neuen Roboter "Robotina" des Vizeweltmeisters NimbRo (Universität Freiburg). Der 122 Zentimeter große Roboter tritt in der TeenSize-Klasse an.

Dor Hevrony (li.) und Chen Givaty von der Ort Shomron Group in Benyamina, Israel, nehmen zum ersten Mal am RoboCup teil. Sie treten mit ihrem Roboter in der Junior Soccer League an.

Mit den Vorrundenwettbewerben in der Juniorliga beginnt heute in Atlanta die 11. RoboCup-Weltmeisterschaft. Über 300 Teams aus mehr als 30 Ländern sind zum Georgia Institute of Technology gekommen, um hier ihre Roboter gegeneinander antreten zu lassen. Im Mittelpunkt steht dabei immer noch das Fußballspiel. Daneben hat sich aber mittlerweile eine kaum noch überschaubare Vielzahl weiterer Ligen und Spezialwettbewerbe etabliert.

Als der RoboCup 1997 erstmals ausgetragen wurde, gab es lediglich drei Fußball-Spielklassen: die Simulationsliga sowie die Wettbewerbe für radgetriebene kleine und mittelgroße Roboter. Das Fußballspiel dient dabei als einheitliche Testumgebung, um die Leistungen der autonom agierenden Roboterteams vergleichen zu können. Von Anfang an war aber vorgesehen, weitere Wettbewerbe hinzuzufügen. Denn die Orientierung auf dem Fußballfeld erfordert zwar grundlegende Fähigkeiten, etwa bei der Selbstlokalisierung, Pfadplanung oder Verhaltensauswahl, die für viele Alltagsaufgaben erforderlich sind.

Im Wettbewerb der Physical Visualization geht es um das Zusammenspiel von physischer und virtueller Realität.

Gleichwohl müssen bei konkreten Anwendungen zumeist noch spezifische Fertigkeiten hinzukommen. So gibt es seit 2001 beim RoboCup auch einen Wettbewerb für Rettungsroboter, bei dem im Unterschied zum Fußball auch Fernsteuerung zugelassen ist. Im vergangenen Jahr wurde die Liga "RoboCup@Home" ins Leben gerufen, bei der die Roboter Aufgaben in einer häuslichen Umgebung bewältigen müssen. Der Fußballwettbewerb selbst hat sich zudem um neue Ligen für vierbeinige und zweibeinige Roboter erweitert, die wiederum teilweise in verschiedene Unterklassen aufgeteilt sind.

Andreas Tanke vom Team CoPS (Universität Stuttgart) bereitet einen Middle-Size-Roboter vor.

Auf diese Weise hat sich ein Wettstreit der Ligen untereinander um die Aufmerksamkeit des Publikums entwickelt. So konnte die Simulationsliga anfangs deutlich schnellere Spiele mit koordinierteren Spielzügen bieten als die realen Roboter. Die zogen jedoch bald nach, verloren immer weniger Zeit mit der Suche nach dem Ball und begeisterten die Zuschauer mit spektakulären Dribblings in der Middle Size League oder präzisen Pässen in der Small Size League. Nachdem die vierbeinigen und zweibeinigen Roboter ihre Kinderkrankheiten überwunden hatten, konnten auch sie mit spannenden Begegnungen punkten.

In der 3-D Simulation League kommen erstmals Spieler mit Armen und Beinen zum Einsatz.

So steht bei jedem RoboCup-Turnier anfangs auch immer die Frage im Raum, welche Liga wohl diesmal die interessantesten Begegnungen bieten wird. Von der Anzahl der Teams und den Beobachtungen am ersten Tag der Vorbereitungen spricht vieles für die Humanoid League. Kaum ausgepackt und montiert, zeigten viele Zweibeiner bereits bei den ersten Tests bemerkenswert sichere Bewegungen. Ob neue Teams wie etwa Fumanoid von der Freien Universität Berlin auch im Spiel gegen erfahrene Gegner bestehen können, wird sich ab morgen zeigen, wenn auch für die Seniorenteams das Turnier beginnt.

Auch die Simulationsliga kann mit gesteigerter Aufmerksamkeit rechnen, denn hier werden erstmals richtige Spieler mit Körper und Gliedmaßen zu sehen sein, die mit Schwerkraft und Reibung kämpfen müssen. Zwar stimmen die Proportionen noch nicht ganz: So sind die simulierten Spieler derzeit noch über vier Meter groß, wiegen aber nur etwa fünf Kilo – weswegen sie beim Kicken des Balls Mühe haben, das Gleichgewicht zu halten. Auch sind mit den verfügbaren Rechenleistungen vorerst nur Spiele mit drei gegen drei Spielern möglich. Aber für den Gewinn an Realismus lässt sich die Einbuße an Spieldynamik verkraften – zumal sie aller Erfahrung nach nur vorübergehend sein wird.

Jinping Yu hat den Torwart des Teams Fumanoid (Freie Universität Berlin) programmiert, das erstmals in der Humanoid League antritt.

Zur RoboCup-WM 2007 siehe auch:

Zur RoboCup German Open 2007 siehe auch:

Siehe zu dem Thema Robotik auch das c't-Roboterprojekt:

Zu den Roboterfußball-Wettbewerben und der Robotik-Forschung siehe auch:

RoboCup-WM 2006:

RoboCup-WM 2005:

RoboCup-WM 2004:

(Hans-Arthur Marsiske) / (anw)

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