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RoboCup-Weltmeisterschaft: Nichts ist unmöglich im Roboterfußball

Das Roboterturnier ist nach Nagoya zurückgekehrt, dort wurde es vor 20 Jahren aus der Taufe gehoben. Zum Comeback erinnern sich viele an die bescheidenen Anfänge und machen damit gleichzeitig die großen Fortschritte deutlich.

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RoboCup: Nichts ist unmöglich im Roboterfußball

(Bild: heise online / Hans-Arthur Marsiske)

In Nagoya ist am heutigen Mittwoch die 21. RoboCup-Weltmeisterschaft eröffnet worden. Damit kehrt das Roboterturnier, das sich zum Ziel gesetzt hat, bis zum Jahr 2050 mit einem Team autonomer humanoider Roboter den menschlichen Fußballweltmeister zu schlagen, an den Ort zurück, an dem es vor 20 Jahren begonnen hat. Während der RoboCup sich im Jahr 1997 allerdings noch mit einem Drittel der 1250 Quadratmeter großen Shiratori-Halle im Nagoya Congress Center begnügte, wie sich RoboCup-Initiator Hiroaki Kitano im Interview erinnert, ist inzwischen erheblich mehr Platz erforderlich.

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Tatsächlich kann man sich in den Gängen der Port Messe Nagoya und der benachbarten Takeda Teva Ocean Arena regelrecht verlaufen, zumal neben den Spielfeldern und Arbeitsbereichen der teilnehmenden Teams auch zahlreiche Firmen mit Messeständen vertreten sind. Wenn ab Donnerstag auch Zuschauer kommen, könnte es recht eng werden. Die Organisatoren rechnen bis zu den Finalspielen am Sonntag mit mehreren zigtausend Besuchern.

Die können auf jeden Fall erheblich mehr Action erwarten als vor 20 Jahren. Damals, erzählte Minoru Asada (Osaka University), einer der Mitbegründer des RoboCup, hätten Zuschauer immer wieder gefragt, wann das Spiel endlich losginge. Dabei war es schon seit fünf Minuten im Gange, allerdings ohne dass sich ein Roboter bewegt hätte. So etwas gebe es heute nicht mehr, die Technik habe sich viel schneller entwickelt als ursprünglich erwartet. Den technischen Fortschritt machte Asada auch daran fest, dass mehr und mehr mit Standardplattformen gearbeitet werde. Im Fußball waren das zunächst der vierbeinige Aibo-Roboter, später der zweibeinige Nao. Beim Wettbewerb RoboCup@home für Haushaltsroboter sind das seit diesem Jahr die Roboter Pepper von der Firma Softbank und der Human Support Robot von Toyota..

Der größte Autohersteller der Welt, dessen Hauptquartier etwa 30 Kilometer von Nagoya entfernt liegt, ist einer der Gründe, warum dessen Bürgermeister Takashi Kawamura in seiner launischen Begrüßungsrede über das "hochnäsige" und "konsumorientierte" Tokio herzog und demgegenüber die Produktivität Nagoyas hervorhob – bevor er eine gesungene Liebeserklärung an den RoboCup abgab: "can‘t help falling in love with RoboCup".

Manuela Veloso (Carnegie Mellon University), eine weitere Mitbegründerin dieser Veranstaltung, bedankte sich dafür und versicherte: "Wir sind sehr gerne in Nagoya. Nicht Tokio, nicht Osaka." Auch sie hatte eine Erinnerung an das erste hier ausgetragene Turnier beizusteuern, das die seitdem erfolgte technische Entwicklung verdeutlicht: "Als ich zuhause einem Reporter unsere Small-Size-Roboter vorführte, konnte der einfach nicht glauben, dass sie autonom agierten. Er hat sogar in die Nebenräume geschaut, weil er dort eine Kontrollstation vermutete, von der aus sie gesteuert wurden."

Eröffnung der 21. RoboCup-WM in Nagoya (10 Bilder)

Der diesjährige RoboCup wurde nicht eingeläutet, …
(Bild: heise online / Hans-Arthur Marsiske)

Trotz aller bisherigen Errungenschaften sind auf dem Weg zum großen Finale im Jahr 2050 aber noch etliche schwierige Hürden zu nehmen. Der gegenwärtige Präsident der RoboCup Federation, Itsuki Noda (National Institute of Advanced Industrial Science and Technology), verwies in seiner Rede auf die drei Reichseiniger Japans. Die drei Kriegsherren Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu hätten dabei jeweils auf die Leistungen ihres Vorgängers aufbauen müssen und fast fünfzig Jahre gebraucht, bis das Werk vollendet war – das den Japanern einen mehrere Jahrhunderte währenden Frieden, Wohlstand und kulturellen Aufschwung beschert habe. (Hans-Arthur Marsiske) / (anw)

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