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RoboCup sucht den Kontakt zur Industrie

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Mehr Industrienähe versprechen sich die Organisatoren der RoboCup German Open vom neuen Austragungsort auf der Hannover Messe. Bereits vor der offiziellen Eröffnung des Turniers deutete sich an, dass sich die Erwartung erfüllen könnte. Wann immer Roboter zu Testspielen antraten, waren die Spielfelder schnell von interessierten Zuschauern umringt.

Dabei sind die Leistungen der Spieler an den ersten Tagen üblicherweise schwach. Auch die diesjährigen German Open machen da keine Ausnahme. Die Roboter müssen erst auf die spezifischen Platzverhältnisse eingestellt, die Bildverarbeitung muss kalibriert werden. Da ergibt sich so manche Überraschung. Der humanoide Roboter des Bremer Teams "B-Human" etwa konnte nur in einer Richtung gut übers Feld laufen. Auf dem Rückweg hatte er Schwierigkeiten, weil sich die Fasern des Teppichs in eine Richtung legen. Mit den Fingern ist der Unterschied kaum zu spüren, den Programmierern des Laufverhaltens bereitet er dagegen einige Probleme.

Die Leistungen der vierbeinigen Aibos waren ebenfalls noch nicht auf dem Niveau, das von der letzten Weltmeisterschaft in Erinnerung geblieben ist. Die Roboter des mehrfachen Weltmeisters "German Team" konnten da gegen einen Gegner, der sich nicht wehrte und sogar beim Anstoß vor dem Ball davonlief, nur mit Mühe einige Tore erzielen. "Wir haben den Code komplett neu entwickelt", sagt Teamleiter Thomas Röfer von der Universität Bremen zur Erklärung. Zwar galt der German Code in den letzten Jahren als Erfolgsmodell und wurde von vielen anderen Teams übernommen. Aber mit den Jahren hatten sich auch die kleinen Fehler und Unklarheiten in der Software gehäuft. Zudem geht es beim RoboCup nicht nur um den Turniererfolg, sondern vor allem darum, die Technologie weiterzuentwickeln. Beide Ziele sind nicht immer deckungsgleich.

Der Wettbewerb mit den Aibos, so die verbreitete Einschätzung, findet wahrscheinlich in diesem Jahr zum letzten Mal statt. Nachdem Sony die Produktion des Roboters eingestellt hat, wird nach einer Alternative gesucht. Das Besondere an dieser Liga ist ja die Verwendung einer einheitlichen Plattform für alle Teams, bei der nur die Software modifiziert werden darf. Möglicherweise ergibt sich schon bei der nächsten Weltmeisterschaft Anfang Juli in Atlanta eine Lösung. "Es hat eine Ausschreibung gegeben", sagt Röfer. "Acht Firmen haben sich mit Konzepten beworben." Wie viele davon tatsächlich mit funktionsfähigen Robotern nach Atlanta kommen, muss sich erst noch zeigen. Die zweite Hürde besteht darin, das RoboCup-Komitee davon zu überzeugen, dass die Roboter in ausreichender Stückzahl produziert werden können und über mehrere Jahre Support gewährleistet ist. Aber allein die Resonanz auf die Ausschreibung zeigt, dass der RoboCup von der Industrie wahrgenommen und mehr und mehr ernst genommen wird.

Dazu mag auch die Etablierung neuer Ligen wie RoboCup@home beigetragen haben. Bei diesem Wettbewerb geht es um Roboter, die in einer Wohnumgebung mit Menschen interagieren und einfache Aufträge ausführen sollen. In diesem Bereich der Heimanwendungen werden in den kommenden 20 Jahren die größten Marktzuwächse bei der Robotik erwartet, gefolgt von Anwendungen in der Medizin und Pflege. Das verdeutlichte Tandy Trower, Leiter der Microsoft Robotics Group, bei seiner Festansprache zur Eröffnung des Turniers. "Expand the market" war eine mehrfach wiederholte Formulierung Trowers, der beim entstehenden Robotikmarkt deutliche Parallelen zum frühen Stadium der Personalcomputer-Industrie sieht. Um die Erweiterung des Marktes voranzutreiben, hat Microsoft das "Microsoft Robotics Studio"-(MSRS)-Protokoll entwickelt, von dem die Version 1.5 vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde und zum kostenlosen Download zur Verfügung steht (www.microsoft.com/robotics). Ziel ist es, Standards zu entwickeln, die auf unterschiedlichen Plattformen laufen und, so Trower, "die Entwicklung von Robotikanwendungen für alle einfacher machen". Auf kritische Nachfragen, ob Microsoft die offene Software irgendwann wieder kostenpflichtig machen könnte, antwortete Trower, dass das zumindest für den nichtkommerziellen Bereich nicht geplant sei. Für kommerzielle Anwendungen werde schon jetzt eine Gebühr von etwa 400 Dollar genommen.

Das Konzept der RoboCup-Organisatoren könnte aufgehen. Die Austragung der German Open auf der Hannover Messe mögen nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich eine größere Nähe zur Industrie herstellen. Die nächsten Tage werden es zeigen.

Zur Robocup German Open 2007 siehe auch:

(Hans-Arthur Marsiske) / (vbr)