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Roboter-Journalismus: Associated Press automatisiert Meldungen zu Geschäftsberichten

Programme schreiben fortan bei AP die Meldungen zu den Geschäftszahlen von US-Unternehmen. Dadurch soll die Zahl derartiger Nachrichten verzehnfacht werden. Mitarbeiter werden dafür nicht entlassen, sie sollen stärker recherchieren.

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Die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) will noch im Juli damit beginnen, Meldungen zu den Geschäftsberichten US-amerikanischer Firmen automatisiert zu erstellen. Dann sollen Algorithmen der Firma Automated Insights mithilfe der Daten von Zacks Investment Research kurze Zusammenfassungen (150 bis 300 Wörter) schreiben, teilte AP mit. Während die eigenen Reporter bislang pro Quartal für 300 solche Meldungen Zahlen wälzten und Informationen verständlicher machten, soll Technik das nun für rund 4400 Unternehmen schaffen. Vorerst werde das nur für US-Unternehmen gemacht, aber man prüfe, wie man auch ausländische Unternehmen einbeziehen könne.

Maschinen schreiben Nachrichten.

(Bild: c't)

Mit diesem Schritt ist AP aber nicht das erste Medium, das auf automatisch erstellte Nachrichten setzt. So sorgte im März eine Software namens Quakebot für Aufsehen, als sie die erste Meldung der Los Angeles Time zu einem Erdbeben verfasste. Auch für automatisierte Meldungen zu Morden kommen bei der Zeitung Programme als Autoren zum Einsatz. Die beruhen auf stark standardisiertem Ausgangsmaterial – von der Polizei oder eben des U.S. Geological Survey – und setzen darin vorkommende Werte in Textbausteine ein. Da auch US-Geschäftsberichte einem starren Muster folgen, eignen sie sich gut für die automatische Texterstellung. Anfangs will AP aber alle so erstellten Meldungen noch einmal prüfen, später nur noch stichprobenartig.

APs Vizepräsident Lou Ferrara versichert nun, dass mit dem Schritt kein Arbeitsplatzabbau verbunden sei. Stattdessen wolle man den eigenen Journalisten damit mehr Freiraum für Journalismus geben und von der bloßen Datenverarbeitung befreien. Die meisten Mitarbeiter würden die Einbindung solcher Automatisierungsprozesse deshalb auch begrüßen. Die eigenen Redakteure könnten sich in Zukunft etwa vermehrt schreiben, was die Geschäftszahlen bedeuten. Sie würden sich auf die begleitenden Aussagen aus den Konzernen konzentrieren und etwa nach Trends oder exklusiven Geschichten suchen.

Siehe dazu auch in c't:

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