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Roboter-Olympiade in der Heimat des Terminators

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Der vielleicht bekannteste Roboter der Welt wurde gar nicht weit von hier geboren. Der vom gebürtigen Österreicher Arnold Schwarzenegger verkörperte Terminator ist reine Fiktion. Die Roboter, die seit dem heutigen Montag die Stadthalle Graz bevölkern, keine zehn Kilometer von Schwarzeneggers Geburtsort Thal entfernt, sind dagegen echt: Sie sollen ab Mittwoch im Rahmen der 13. RoboCup-Weltmeisterschaft um Titelehren kämpfen.

Roboter-Olympiade in der Heimat des Terminators (4 Bilder)

Die Nao-Liga

Mit großer Spannung werden die Spiele der Nao-Roboter in der Standard Platform League erwartet. (Bild: Hans-Arthur Marsiske)

Über 2300 Teilnehmer aus 44 Ländern werden zu der Veranstaltung erwartet, die sich mittlerweile zum größten und vielseitigsten Roboterwettbewerb der Welt entwickelt hat. Im Jahr 1997 als reines Fußballturnier gestartet, kamen im Lauf der Jahre ständig neue Disziplinen hinzu, sodass der RoboCup heute eher einer Roboter-Olympiade gleicht. Die verschiedenen Spielklassen mit ihren Unterkategorien und Spezialwettbewerben sind nur noch schwer überschaubar. Neben den Fußballspielen für laufende, fahrende und simulierte Roboter gibt es insbesondere Wettkämpfe für Rettungs- und Haushaltsroboter sowie den Nachwuchswettbewerb RoboCup Junior, der wiederum in mehrere Ligen unterteilt ist.

Das Fußballspiel wurde ursprünglich als einheitliche Testumgebung für mobile, kooperierende autonome Roboter etabliert. Dem liegt die Idee zugrunde, dass die Technologien, die für die Orientierung in der hochdynamischen Umgebung eines Fußballspiels erforderlich sind, sich auch in ganz anderen Situationen als brauchbar erweisen dürften. Die für alle gleichen Spielbedingungen ermöglichen zudem einen Vergleich der verschiedenen Lösungsansätze. Um die Entwicklung voranzutreiben, wurde ein ehrgeiziges Ziel formuliert: Bis zum Jahr 2050 soll ein Team humanoider Roboter den amtierenden menschlichen Fußballweltmeister schlagen.

Fußball steht weiterhin im Mittelpunkt des RoboCup und ist auch für die Zuschauer am attraktivsten. Insbesondere die Middle Size League mit radgetriebenen, komplett autonomen Robotern, die fünf gegen fünf auf einem 12 mal 18 Meter großen Spielfeld gegeneinander antreten, sorgt immer wieder für rasante, packende Begegnungen. Bei den humanoiden, zweibeinigen Robotern geht es etwas langsamer zu, aber kaum weniger spannend. In der Größenklasse bis 60 Zentimeter (kid-size) wird drei gegen drei gespielt, bei den größeren Robotern gibt es Spezialwettbewerbe wie Strafstöße oder Hindernisläufe. Zu beobachten ist hier insbesondere, wie sich die Fähigkeiten der Roboter von Jahr zu Jahr sichtbar verbessern.

Besonderer Aufmerksamkeit wird sich in diesem Jahr die Standard Platform League erfreuen. Hier verwenden alle Teams den gleichen Roboter, den zweibeinigen Nao der französischen Firma Aldebaran Robotics. Im Wettbewerb geht es ausschließlich um dessen Programmierung, an der Hardware darf nichts verändert werden. Die ersten Wettkämpfe mit dem Nao wurden bereits bei der letzten RoboCup-WM in Suzhou ausgetragen, brachten aber in erster Linie die Kinderkrankheiten des Roboters zum Vorschein. Seit Februar/März steht den Teams nun ein neues, verbessertes Modell zur Verfügung, sodass flüssigere Spiele zu erwarten sind. Interessant auch die internationalen Kooperationen, die sich in dieser Liga gebildet haben: Im Team ZaDeAt etwa arbeiten Universitäten aus Südafrika, Deutschland und Österreich zusammen, für das Team CMWrEagle haben sich die US-amerikanische Carnegie Mellon University, Pittsburgh, und die chinesische University of Science and Technology, Hefei, zusammengetan.

Viel Zuspruch findet auch der Wettbewerb RoboCup@home, bei dem sich Roboter in einer Wohnumgebung bewähren müssen. Sie sollen die Standorte verschiedener Gegenstände wie Kühlschrank, Fernseher oder Esstisch lernen, sollen ihre Bediener erkennen und ihnen auf Verlangen bestimmte Gegenstände bringen können. Für die teilnehmenden Teams ist diese Liga besonders attraktiv, weil sie lediglich einen Roboter benötigen. Der stärkere Anwendungsbezug mag auch die Einwerbung finanzieller Unterstützung erleichtern.

Der Wettkampf selbst wird aber auch in dieser Liga nicht leicht. Dafür haben der lokale Organisator Sven Olufs und seine Mitarbeiter gesorgt. "Wir haben hier eine komplette Wohnung errichtet, mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Flur, Küche und Bad", erläutert der Informatiker von der TU Wien beim Rundgang durch die Räume. Es gibt Türen, die von den Robotern geöffnet werden müssen, und enge Durchgänge. Besonders stolz ist Olufs auf den Spiegel im Schlafzimmer. Wie werden die Roboter der 19 teilnehmenden Teams wohl mit diesem Hindernis umgehen? Werden sie von ihrem eigenen Spiegelbild so fasziniert sein, dass sie alles andere um sich herum vergessen? Werden sie vor Schreck erstarren und einen Computerabsturz erleiden? Oder werden sie mit Höchstgeschwindigkeit davon eilen? (Hans-Arthur Marsiske) / (vbr)

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