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Roboter: Wirkfunktion vom Militär gewünscht

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Während des Forums Unmanned Vehicles III der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik in Bonn-Bad Godesberg standen die Erfahrungen der Bundeswehr mit dem unbemannten Flugsystem Heron-1 im Vordergrund. Dabei wurde deutlich: Auf Dauer werden die Militärroboter nicht unbewaffnet bleiben.

Das Verteidigungsministerium meidet üblicherweise öffentliche Erörterungen des Waffeneinsatzes von Robotern. Es gilt die Sprachregelung, die Wirkfunktion auszublenden, um nicht das "gesamte Betrachtungsfeld Robotik" zu gefährden. Oberstleutnant Jan Smekal, der in Afghanistan die Aufklärungsdrohne Heron-1 geflogen hat, sagte hingegen auf dem Forum, es sei unbedingt wünschenswert, unbemannte Flugsysteme mit einer "Wirkfunktion" auszustatten. So könne unmittelbar und abgestuft reagiert werden auf das, was man mit Hilfe der Sensoren entdeckt habe.

Die waffentragenden Roboter werden auch zum Einsatz kommen, meinte Brigadegeneral Martin Richard Schelleis. Unbemannte Kampfflugzeuge erwartet er zwar erst nach 2030. Davor werde es aber bewaffnete Aufklärer geben, wie die von der US Air Force und der CIA geflogenen Predator und Reaper. Schelleis wies aber darauf hin, dass man sich in den USA zunehmend frage, ob die Erweiterung der Fähigkeiten durch unbemannte Kampfflugzeuge die hohen Entwicklungskosten letztlich rechtfertigen.

Mehrere Referenten äußerten sich durchweg positiv über die Drohne Heron-1, die seit März 2010 von der Luftwaffe in Afghanistan geflogen wird. Dabei ist sie nur eine "Zwischenlösung" für das Programm SAATEG (System zur abbildenden Aufklärung in der Tiefe des Einsatzgebiets). Da die konkurrierenden Systeme Predator B und Heron TP die geforderten Kriterien nicht ausreichend erfüllt hätten, sei die Beschaffung gestoppt und die Heron-1 geleast worden, bis ein ausreichendes System entwickelt sei. Tatsächlich scheint die Entscheidungsfindung, bei der der Hamburger SPD-Abgeordnete Johannes Kahrs eine unrühmliche Rolle gespielt haben soll, etwas komplizierter abgelaufen zu sein.

Die Besucher des Forums konnten sich am Ausstellungsstand von Rheinmetall eine Präsentation des Waffensystems WABE P ansehen, bei dem mit Hilfe der Heeres-Drohne KZO die kleinere, mit einer 23-Kilo-Sprengladung ausgestattete Drohne HAROP ins Ziel gelenkt wird. Das System wurde mit Mitteln des Bundesverteidigungsministeriums entwickelt und hat erste Tests erfolgreich absolviert. Von der Bundeswehr bereits im September 2009 bestellt wurde die von der israelischen Firma IAI hergestellte HAROP, die auch als "loitering munition" (herumlungernde Munition) bezeichnet wird.

Im Vortragsprogramm war von weiteren Robotersystemen zu erfahren, die Waffen mit sich führen können, tödliche ebenso wie "weniger tödliche", wie es Eyal Ben Zion von der israelischen Firma Rafael ausdrückte. Das gemeinsam mit dem Partner Thales vermarktete Roboterboot Protector könne auch mit einer Wasserkanone ausgerüstet werden. Protector sei seit sieben Jahren im Einsatz und "kampferprobt". Im Kampf gegen Piraten könne es ein wirksames Mittel sein.

Jochen Dehner von MBDA stellte die Minidrohne M3D-XL für die Erkundung des Nahbereiches vor. Dabei erwähnte er das Waffensystem TiGER der US-amerikanischen Tochter MBDA Inc. Diese Minidrohne ist mit zwei 40-Millimeter-Granaten bestückt und kann über mehr als 3 Kilometer Entfernung mit einer Abweichung von maximal 1 Meter ins Ziel gesteuert werden.

Heiko Krogmann, Oberst im Generalstab, meint, dass die Roboter eher neue Fähigkeiten erforderten als welche zu bringen. Es sei eine ganzheitliche Betrachtung nötig, um die Vorteile unbemannter Systeme zur Geltung zu bringen. Krogmann sieht hier eine Analogie zum Kampfpanzer, der bei seinem erstmaligen Einsatz 1917 in der Schlacht von Cambrai die Kriegführung auch nicht schlagartig verändert habe. Erst im Zweiten Weltkrieg sei dieses neue Waffensystem wirklich verstanden worden und habe zur Entwicklung neuer Strategien wie dem "Blitzkrieg" geführt.

Kritische Beobachter der Militärrobotik weisen schon seit geraumer Zeit darauf hin, dass Roboter das Wesen der Kriegführung grundlegend verändern können und fordern Rüstungskontrollen. Anders dürfte die Entwicklung hin zu autonom feuernden Robotern, die Dokumenten des US-Verteidigungsministeriums zufolge bereits in etwa 25 Jahren zum Einsatz kommen könnten, nicht aufzuhalten sein. (Hans-Arthur Marsiske) / (anw)

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