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Roboter brauchen eine "Ethik per Voreinstellung"

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Angesichts fortschreitenden Entwicklung von Maschinenwesen hat die Wiener Wirtschaftsinformatikerin Sarah Spiekermann für ethische Schranken in der Technik plädiert. Ähnlich dem Prinzip "Privacy by Design" müsse in der Robotik die "Ethik per Voreinstellung" eingeführt werden, betonte die Wissenschaftlerin am Freitag auf der von der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung und dem Branchenverband Bitkom organisierten Konferenz "Omnipräsenz ­ Leben und Handeln in der vernetzten Welt" in Berlin.

Sarah Spiekermann will Robotern eine Ethik per Voreinstellung verordnen.

(Bild: heise online/Stefan Krempl)

Roboter lernten, sich emotional zu verhalten oder sich sehr schnell zu bewegen, führte Leiterin des Instituts für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Wirtschaftsuniversität Wien aus. Forscher versuchten den Maschinen, menschenähnliche Intelligenz beizubringen,und das Pentagon arbeite an Kampfrobotern. Wenn so eine "neue Rasse" entstehe, sei es ihr relativ egal, ob Facebook ihr auf Basis der Datenschutzeinstellungen "rote oder gelbe Schuhe zeigt". Viel mehr liege ihr daran, "wie Roboter mit meiner informierten Einwilligung umgehen". Als erstes sei daran zu arbeiten, Datenschutz in Drohnen einzubauen.

Generell plädierte die Forscherin dafür, dass das "letzte Wort" über jegliche Maschinenhandlung standardmäßig der Mensch haben sollte. Wer auf Basis automatischer Abläufe Urteile fälle, müsse die eingesetzten Verfahren vollständig offenlegen. Dies fange bereits beim Scoring für das Prüfen einer Kreditwürdigkeit an. Maschinen machten schließlich viele Fehler, was durch Big Data nicht besser werde. Sie müssten so gebaut werden, "dass sie uns dienen". Spiekermann bezeichnete sich hier als klare Verfechterin einer "modernen Sklaverei", wonach Roboter allein für den Menschen da zu sein hätten. Sie glaube nicht wie Japaner daran, dass "in jeder Form von physischer Materie ein Geist steckt".

Die Informatikerin forderte auch eine gesetzliche Regulierung tragbarer Mini-Computertechnik wie Google Glass. Es sei zu fragen, ob zum Beispiel mit "smarten Brillen" aufgezeichnete Videos in sozialen Netzwerken als "Bloßstellung" strafrechtlich geahndet werden sollten. Als Reaktion auf global agierende Netzkonzerne hält sie es zudem für erforderlich, das etwa mit der EU-Datenschutzverordnung geplante Prinzip der Portabilität personenbezogener Informationen "rigoros" durchzusetzen. Nutzer müssten die eigenen Daten etwa "mit zwei Klicks von Facebook in ein anderes Portal übertragen können". (vbr)

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