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Studie: Roboter bedrohen Jobs in Deutschland stärker als in anderen Industrienationen

Die Entwicklung von Robotern und Software kann in etwa 20 Jahren jeden fünften Arbeitnehmer in Deutschland ersetzen, besagt eine OECD-Studie. Deutschland ist stärker betroffen als die meisten anderen Mitgliedsstaaten.

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Ein Roboter transportiert im VW-Werk in Wolfsburg einen Motorblock mit Radaufhängung.

(Bild: dpa, Sebastian Gollnow/Archiv)

In Deutschland könnten in 15 bis 20 Jahren 18,4 Prozent der Arbeitsplätze durch Roboter oder eine Software übernommen werden, weitere 35,8 Prozent der Arbeitsplätze werden sich möglicherweise grundlegend ändern. Davor warnen Forscher der Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) in einem Bericht der Welt. Deutschland ist Anhand der Zahlen stärker betroffen als andere Industriestaaten und liegt mit 54 Prozent bedrohter Arbeitsplätze über dem Durchschnitt der 32 OECD-Mitgliedstaaten.

Mit einer Wahrscheinlichkeit von über 50 Prozent können Roboter in Zukunft die Arbeit von Arbeitern in der Industrie und im Maschinenbau, Bergarbeitern, Bauarbeitern, Berufskraftfahrern, Verkäufern, Gebäudereinigern, Personalsachbearbeitern und Hilfsarbeitern übernehmen. Die Behauptung, dass auch anspruchsvolle Jobs bedroht sind, ist nach Angaben der Forschern nicht haltbar. In Volkswirtschaften mit großen Industrien liegt das Risiko für Automatisierungen laut Forschungsleiterin Glenda Quinti zwar höher, allerdings sind die Tätigkeitsprofile weitaus entscheidender, heißt es in dem Bericht der Welt.

Die Forscher stellten unter Einbeziehung der PIAAC-Untersuchung, in der 5.000 Menschen in jedem OECD-Land zu ihrer Tätigkeit im Beruf gefragt wurden, fest, dass die deutschen Arbeitsinhalte sich erheblich von denen anderer Länder unterscheiden. "Die deutschen Jobs erfordern tendenziell weniger soziale Intelligenz als ähnliche Berufe in anderen Ländern", sagt Quintini. Dazu zählen beispielsweise die in deutschen Jobs weniger präsenten Beratungen, Verhandlungen oder Erklärungen, die durch Roboter kaum zu ersetzen sind. Auch gleiche Berufsbezeichnungen haben im In- und Ausland unterschiedliche Profile und können nicht pauschal als gefährdet bezeichnet werden. Ein Automechaniker in einer Fabrik kann zum Beispiel eher ersetzt werden als sein Kollege in einer Autowerkstatt.

Jugendliche sind in den kommenden Jahren stärker bedroht, da Routine- und Einsteiger-Jobs durch die Digitalisierung wegfallen könnten. Positionen, die mit Führungs- und Entscheidungsverantwortung einhergehen, werden in der Regel mit erfahrenen, meist älteren, Mitarbeitern besetzt. Irgendwann wird es diese aber dann vielleicht nicht mehr geben, da ein Einstieg zum Sammeln von Erfahrungen für junge Mitarbeiter schlichtweg fehlen könnte.
Inwieweit die Prognosen der Forscher tatsächlich eintreffen bleibt abzuwarten. (bme)