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Roboterwettbewerb Enrich: "Wir wollen bis 2022 ein Bündel robotischer Systeme haben"

Nach dem Roboterwettbewerb Enrich in Zwentendorf stellt sich General Michael Janisch vom österreichischen Amt für Rüstung und Wehrtechnik den Fragen von heise online.

Roboterwettbewerb Enrich: "Wir wollen bis 2022 ein Bündel robotischer Systeme haben"

Beim Roboterwettbewerb Enrich mussten sich die Maschinen bei der Suche nach radioaktiven Proben in einer unübersichtlichen Umgebung orientieren. Das Bild zeigt den Roboter des Teams Taut.

(Bild: Bundesheer)

Der Roboterwettbewerb Enrich in Zwentendorf wurde maßgeblich vom österreichischen Amt für Rüstung und Wehrtechnik finanziert, das auch die radioaktiven Strahlungsquellen zur Verfügung stellte. Dessen Leiter, General Michael Janisch, stellte sich unseren Fragen.

heise online: Herr Janisch, vielleicht können Sie sich und das Amt, das Sie vertreten, zunächst einmal vorstellen?

General Michael Janisch: Seit 2011 bin ich Leiter des Amtes für Rüstung und Wehrtechnik des österreichischen Bundesheeres. Wir sind das Technologie-Kompetenzzentrum des österreichischen Verteidigungsministeriums und haben im Wesentlichen vier große Aufgaben.

Das ist erstens Forschung und Entwicklung im Technologiebereich, wobei wir zuständig sind für technische Wissenschaften, Naturwissenschaften, Waffen und Munition. Der zweite große Aufgabenbereich umfasst die Betreuung von Rüstungsgütern über den gesamten Systemlebenslauf, von der Leistungsbeschreibung in der Planung, Güteprüfung, Abnahme, Einführung, Herstellung der Versorgungsreife und die Betreuung über Update, Upgrade – also auf Deutsch: Modifizierungen – bis hin zum Ausscheiden und der weiteren Nutzung von Teilen. Der dritte Aufgabenbereich ist die Verfahrenstechnik. Das heißt, wir schreiben Bedienvorschriften für die Techniker, für das Materialerhaltungspersonal. Die vierte Aufgabe sind einsatzbezogene Dienstleistungen.

Wir sind zum Beispiel, um auf die gegenwärtige Übung zu kommen, verantwortlich für Einsatzdienstleistungen mit "nicht-eingeführtem Gerät". Damit ist Gerät gemeint, das im Systemlebenslauf noch nicht die Stufe "Feldverwendbarkeit" erreicht hat und ausschließlich von unserem Personal bedient wird. Von Spezialtauchern bis zu Kampfmittelbeseitigern, Pioniertechnikern und speziellem Sprengpersonal ist das eine schöne Bandbreite. Etwa 25 Prozent der Mitarbeiter müssen auch Einsatzdienstleistungen im In- und Ausland erbringen – und das auf Abruf.

heise online: Wie ordnet sich da der Wettbewerb Enrich ein?

General Michael Janisch ist Leiter des österreichischen Amts für Rüstung und Wehrtechnik.

(Bild: Österreichisches Bundesheer )

Janisch: Unser großes neues Schwergewicht seit 2013 ist die Militärrobotik. Wir haben die Absicht und den Auftrag, bis 2022 ein Bündel von robotischen Systemen im Makro-, Mikro- und Nanobereich beschaffungsreif zur Verfügung zu stellen. Die sollen im Wesentlichen natürlich über die heute bereits eingeführten teleoperierten Systeme, wie zum Beispiel im Kampfmittelbereich den tEODor oder auch unsere Drohnen, hinausgehen und alle Bereiche der Land- und teilweise auch der Luftstreitkräfte erfassen.

Dabei ist natürlich auch radionukleares oder chemisches Spüren und Probenentnahme eine wichtige Aufgabe. Wir sind gerade dabei, zusammen mit einer österreichischen Hochschule und einer österreichischen Firma ein Produkt zu entwickeln. Wenn alles glatt geht, soll dieses Gerät bereits im nächsten Jahr einen Technologie-Reifegrad erreicht haben, der es gestattet, es in einem operativen Szenario zu erproben.

heise online: Geht es um einen mobilen Roboter zur Strahlungsmessung und Probenentnahme?

Janisch: Ja. Wobei wir auch eine autonome Fahrfähigkeit dabei haben müssen, genau genommen, eine semi-autonome Fähigkeit. Es geht um das sogenannte Click-and-Drive Model: Der Roboter erstellt selbst eine dreidimensionale Karte, in der ihn der Bediener verortet und per Klick die Position übermittelt, die der Roboter selbstständig ansteuern soll.

heise online: Zählt dazu auch das selbstständige Umfahren von Hindernissen?

Janisch: Genau, aber nur auf der vorgegebenen Strecke, daher semi-autonom. Wir brauchen dadurch kein permanentes Steuersignal und reduzieren damit auch den Leistungsverbrauch. Bei Szenarien wie hier im Kernkraftwerk besteht eine riesengroße Schwierigkeit darin, die permanente Funkverbindung sicherzustellen. Daher ist jede Form einer zumindest teilautonomen Aufgabenerfüllung sehr wünschenswert, weil sie die Notwendigkeit einer stehenden Funkverbindung deutlich reduziert. Zudem ist ein permanent sendendes und damit strahlendes Objekt natürlich sehr leicht detektierbar und damit auch bekämpfbar, was in vielen militärischen Einsatzszenarien nachteilig ist.

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