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Robotik: Ethik-Debatte über den intelligenten Bankräuber

Auf der CUBE Tech Fair in Berlin müssen sich Robotik-Startups der großen Frage nach den Jobs und der Automatisierung stellen. Diese Debatte muss geführt werden – und wird uns wohl eine Weile beschäftigen.

Robotik: Ethik-Debatte über den intelligenten Bankräuber

Lisa Winter, Yao Zhang, Moderatorin Armgard von Reden, Jade Le Maître und Samantha Payne (vlnr).

Werden Roboter in Zukunft unsere Arbeitsplätze übernehmen? "Die Frage kommt immer", sagt Samantha Payne. Die Gründerin stellt auf der CUBE Tech Fair in Berlin ihr Startup Open Bionics vor, das Prothesen im 3D-Druckverfahren herstellt. Wie viele in der Branche wird sie immer wieder mit den möglichen Folgen des rapiden technischen Fortschritts konfrontiert. Wie sieht eine Gesellschaft aus, in der Roboter die meisten Arbeiten und Dienstleistungen erbringen? Was ist, wenn Roboter irgendwann selbst lernen?

Technik-Enthusiasten reden dann oft lieber über die Chancen. Markus Lorch, der im Watson-Team bei IBM an IoT-Lösungen arbeitet, schwärmt von den kognitiven Kapazitäten, die Technik dank der KI-Forschung bekommt. "Computer können lernen", sagt Lorch in Berlin, "und ermöglichen zum Beispiel, dass alte Menschen länger zu Hause leben können".

Einig sind sich die Experten auf der CUBE Tech Fair, dass sich Robotik und KI gerade so rasend schnell entwickeln, dass langfristige Prognosen unmöglich sind. "Man kan nicht sagen, wie die Robotik in 20 Jahren aussehen wird", betont Yao Zhang von Roboterra. Bei der Geschwindigkeit können die Neuheiten von vor zwei Jahren heute schon wieder Geschichte sein.

Markus Lorch, Alexander Britz und Fredrik Brantner (vlnr.)

"Vielleicht ist das auch zu schnell", meint Fredrik Brantner. Sein Unternehmen Magazino baut Roboter, die zum Beispiel in Logistikzentren Waren zum Versand fertig machen können. Das sind Jobs, die heute noch vorwiegend von Menschen gemacht werden. Wohl nicht mehr lange: "Niedrig bezahlte Jobs werden künftig die Roboter übernehmen", ist Jade Le Maître überzeugt. Die Gründerin des französischen Startups Hease Robotics gibt aber auch zu bedenken, dass "wir diese Debatte vor Jahren auch beim Internet hatten".

Payne hegt zwar die Hoffnung, dass man dem Problem mit Weiterbildungen der Arbeitnehmer beikommen kann. "Doch sollten wir die Diskussion über Automatisierung und Arbeitsplätze jetzt führen". Sie sieht vor allem die Politik aufgerufen, jetzt die Debatte über ethische Fragen zu führen und damit nicht zu warten, bis die Roboter intelligent geworden sind. "Wir müssen darüber reden", meint auch Alexander Britz von Microsoft, "und die Debatte wird uns die nächsten Jahre beschäftigen."

Es ist also noch ein bisschen Zeit, sich mit ethischen Fragen zu beschäftigen. Doch auf die lange Bank schieben sollte man das nicht. Im Moment sind "Roboter vor allem gut darin, Roboter zu sein", sagt Lisa Winter von Mattel. Doch irgendwann wird aus der KI eine allgemeine künstliche Intelligenz. "KI ist 'if this then that'", erklärt Winter den Unterschied. Einen Roboter mit KI kann man programmieren, eine Bank zu überfallen. "Ein Roboter mit allgemeiner Intelligenz entschließt sich irgendwann selbst, eine Bank zu überfallen."

heise online ist Medienpartner der CUBE Tech Fair. (vbr)

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