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Robotik-Konferenz ICRA: Anmutige Autos und ein "aggressives" Kleid

Damit Roboter und Menschen gut miteinander auskommen, muss die Schnittstelle zwischen ihnen sorgfältig gestaltet sein.

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(Bild: Anouk Wipprecht )

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Eine Studie der Universität Hamburg, die auf der Robotik-Konferenz ICRA (International Conference on Robotics and Automation) präsentiert wurde, erinnert ein wenig an den Irony Man, der vergangene Woche ebenfalls in Montréal bei der Konferenz AAMAS seinen Auftritt hatte. Auf ähnliche Weise haben die Hamburger Forscher untersucht, inwieweit sich Humor auf die Interaktion zwischen Mensch und Roboter auswirkt. Es gehe darum, unterschiedliche Roboterpersönlichkeiten zu vergleichen, erläuterte Nikoletta Xirakia: "Die eine Variante ist sozial engagiert, die andere ist stärker wettbewerbsorientiert und konzentriert sich darauf, das Würfelspiel zu gewinnen, das wir für dieses Experiment entwickelt haben."

Die Roboterpersönlichkeiten drücken sich dabei ausschließlich über Sprache und Gesten aus. Die äußerliche Erscheinung des Roboters NICO blieb dagegen in beiden Varianten gleich: Er sollte wie ein zehnjähriges Kind wirken, das sich entweder am Spiel und der Unterhaltung mit dem Partner erfreut oder um jeden Preis gewinnen will. Obwohl die Zahl der Versuchsteilnehmer keine statistisch belastbaren Schlussfolgerungen zulasse, habe sich gezeigt, dass die soziale Version des Roboters bevorzugt wurde, sagte Xirakia. Lediglich Teilnehmer, die selbst wettbewerbsorientiert waren, hätten den anderen Roboter vorgezogen. "Wir halten es daher für erstrebenswert, Roboter zu entwickeln, die sich an das Geselligkeitsbedürfnis des Nutzers anpassen kann", so Xirakia.

(Quelle: Universität Hamburg / Department of Informatics – Knowledge Technology)

Die Koordination von Sprache und Gesten wird normalerweise regelbasiert programmiert, was sehr aufwendig ist und die Ausdrucksmöglichkeiten auf die vorgegebenen Varianten begrenzt. Ein südkoreanisches Forschungsteam von den Instituten KAIST und ETRI hat einen Nao-Roboter stattdessen den Einsatz von Gesten lernen lassen. Die Forscher um Youngwoo Yoon nutzten dafür die online verfügbaren Aufzeichnungen von TED-Präsentationen.

Von menschlichen Versuchsteilnehmern wurden die so gelernten Gesten überwiegend als natürlich und angenehm empfunden, gelegentlich aber auch als übertrieben und nicht genau genug mit der Sprache synchronisiert. Die Verbesserung der Sprachgenerierung soll daher ein nächster Schritt sein. Außerdem denken die Forscher daran, die vom Roboter verwendete Gestik stärker zu personalisieren.

Soziale Kompetenz ist nicht nur für humanoide Roboter von Vorteil. Yi Ren und seine Forschungsgruppe an der Arizona State University wollen etwa autonomen Fahrzeugen "soziale Anmut" (social gracefulness) beibringen: Sie sollen in der Lage sein, die Intentionen eines anderen Fahrzeugs zu erkennen und durch ihr Fahrverhalten die eigenen Intentionen zu signalisieren. Dadurch sollen kritische Manöver wie Spurwechsel, Einfädeln oder das Gewähren von Vorfahrt in unklaren Situationen flüssiger und sicherer ablaufen.

Im Zusammenhang mit Straßenverkehr mag es etwas irritierend sein, von Anmut zu sprechen. Beim Thema Mode passt der Begriff dagegen schon besser. Das Cocktailkleid, das die Modemacherin Anouk Wipprecht bei der ICRA vorstellte, ist auf andere Weise irritierend: Es sieht nicht nur gut aus, sondern serviert auch Cocktails – zum Beispiel beim Konferenzbankett. "Technologie überwältigt uns oft", sagte Wipprecht. "Stattdessen sollte sie sozial, verspielt, emotional sein und sich einfühlsam an unsere Gewohnheiten anpassen." Sie versteht Mode als Interface und lässt sich bei ihren Entwürfen häufig von Tieren inspirieren.

Quelle: Anouk Wipprecht (Vimeo)

Für ein Kleid, das an der Schulter mit sechs beweglichen Armen ausgestattet ist, hat sie sich etwa Spinnen zum Vorbild genommen: Die Arme können sich bei Annäherung einer anderen Person wie Stacheln strecken. Eine Frau habe ihr gesagt, dass sie das Kleid gerne in der New Yorker U-Bahn tragen würde, um sich gegen Zudringlichkeiten wehren zu können. Die Trägerin des Spinnenkleides sollte aber zukünftig noch mehr Kontrollmöglichkeiten bekommen, so Wipprecht, damit nicht jeder, die sich ihr nähert, gleich attackiert wird. Ihr Ideal sei ein symbiotisches Verhältnis zwischen Mensch und Kleidung.

Quelle: Anouk Wipprecht (Vimeo)

Ein anderes Kleid, das Rauch absondern kann, um die Trägerin zu tarnen, wurde durch den Tintenfisch inspiriert. Die Idee gefiel auch der bionischen Künstlerin Viktoria Modesta, die den Rauch aus ihrer Unterschenkelprothese austreten ließ und nicht nur der Symbiose von Mensch und Technologie damit eine weitere Dimension hinzufügte – sondern auch dem Verständnis von Anmut. (olb)