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Robotikwettbewerb MBZIRC: Sympathisches Malheur zur Preisverleihung

Während einer Vorführung des Gewinnerteams des Roboterwettberwerbs MBZIRC, NimbRo aus Bonn, fiel dem Roboter der Schraubenschlüssel herunter. Das machte einiges deutlich.

Robotikwettbewerb MBZIRC: Sympathisches Malheur zur Preisverleihung

Mitglieder des Teams des Korean Advanced Institute of Science and Technology machten die Erfahrung, dass Softwareänderungen in letzter Minute selten zum Erfolg beitragen.

(Bild: heise online / Hans-Arthur Marsiske)

Als das Team NimbRo der Universität Bonn während der Preisverleihung den Ehrengästen auf der Tribüne vorführen wollte, wie ihr Roboter die zweite Kategorie des Wettbewerbs MBZIRC (Mohamed Bin Zayed International Robotics Challenge) in Abu Dhabi gewonnen hatte, fiel dem der Schraubenschlüssel herunter. Erst im zweiten Anlauf klappte die Demonstration reibungslos.

Die Erklärung für den Fehlgriff: "Wir hatten eine neue Bewegung für den Arm programmiert", sagte Teammitglied Max Schwarz. "Der Roboter sollte dem Publikum zum Schluss eigentlich zuwinken. Das führte offenbar dazu, dass der Griff zum Werkzeug nicht fest genug war." Den Griff im richtigen Moment zu lockern war eines der Erfolgsgeheimnisse, das dem Team den Sieg nicht nur in dieser Kategorie, sondern auch in der Grand Challenge des Wettbewerbs brachte: Der Roboter setzte den Schraubenschlüssel auf die Ventilschraube, die damit gedreht werden sollte, lockerte den Griff und drehte den Arm dann vorsichtig, bis das Werkzeug passte und durch die Schwerkraft in die richtige Position gezogen wurde. Nun hatte sich der Griff offensichtlich im falschen Moment gelöst.

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Das Malheur war harmlos und brachte dem Gewinnerteam womöglich sogar zusätzliche Sympathien ein, unterstrich aber auch noch einmal eine der wichtigsten Empfehlungen für Roboterwettbewerbe: Änderungen am Programmcode in letzter Minute sind extrem riskant und können schlimmstenfalls dazu führen, dass sich im entscheidenden Moment überhaupt nichts mehr bewegt. Das war auch David Shim bekannt gewesen, der mit seinem Team vom Korean Advanced Institute of Science and Technology (KAIST) den vierten Platz in den Kategorien zwei und drei und den fünften Platz in der Grand Challenge erreichte.

Er habe großen Erfolgsdruck gespürt, sagte Shim, nachdem ein KAIST-Team die Darpa Robotics Challenge vor knapp zwei Jahren gewonnen hatte. Der damalige Teamleiter habe drei Monate vor dem Wettbewerb einen "code freeze" verordnet, also am Programm nichts mehr geändert, sondern das System nur noch getestet. Es sei dann aber auf kurzfristige Änderungen zurückzuführen gewesen, dass die koreanischen Flugroboter für die Aufgabe "Schatzsuche" Objekte zwar erkannt hätten, aber nicht in der Lage waren, sie zu greifen.

Kritik gab es an den ständigen Veränderungen der Spezifikationen und Regeln des Wettbewerbs. So hatte es in den Regeln ursprünglich geheißen, dass bei einem Reset alle bis dahin erreichten Punkte verlorengingen. Während des Wettbewerbs sprach es sich dann herum, dass das nicht mehr gelte – was natürlich grundlegend andere Strategien zur Folge hatte. Die Landefläche für die fliegenden Roboter auf dem Fahrzeug sollte ursprünglich mit einer einen Zentimeter breiten schwarzen Linien markiert werden, weswegen sich zum Beispiel das Aachener Team entschied, eine höher auflösende und damit schwerere Kamera zu verwenden, als am Ende nötig gewesen wäre – denn letztlich waren die Linien zehn Zentimeter breit. Diese Unklarheiten seien Teil der Herausforderung, verteidigten sich die Organisatoren.

Auch unter den Teilnehmern überwog neben der Detailkritik das Lob für die Organisation und hervorragende Infrastruktur des Wettbewerbs, der sich ohne weiteres mit den Grand Challenges der US-Militärforschungsbehörde Darpa messen kann. Mit dem Aufruf zur Teilnahme an der nächsten MBZIRC dürfte im Sommer zu rechnen sein.

(Hans-Arthur Marsiske) / (anw)

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