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Röhren-Synthesizer für Saxophonisten

MIDI-Blasinstrumente mit Sample-Libraries gibt es schon lange, doch dem Tschechen Petr Venkrbec genügte das nicht. Also baute der Saxophonist seinen eigenen Röhrensynthesizer als Open-Source-Projekt.

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Musikmesse: Röhren-Synthesizer für Saxophonisten

(Bild: heise)

Echte Hardware-Synthesizer sind in den vergangenen Jahren wieder verstärkt in Mode gekommen. Auf den meisten von ihnen prangen unzählige Drehknöpfe, mit denen der Klang verändert wird. Um die Bedienung zu erlernen, braucht es manchmal monatelanges Studium der Handbücher – Zeit, die Instrumentalisten oft fehlt, weil sie ja auf ihrem Instrument üben müssen.

Der in Prag lebende Saxophonist Petr Venkrbec wollte auch gerne elektronische Synthesizerklänge erzeugen, aber nicht auf Keyboards umsatteln. Weil er keinen geeigneten Synthesizer fand, baute er schließlich seinen eigenen. Der CHRT Synthesizer basiert auf der guten alten Röhrentechnik. Eine Röhre erzeugt den Ton des Oszillators, zwei weitere dienen als Resonator und Filter. Sie reichern den Sound mit Obertönen an und filtern andere aus. Die vierte Röhre sorgt schließlich für die Verstärkung am Ausgang. Die Steuerung übernehmen digitale Chips, die unter anderem die Stimmstabilität sicherstellen.

Venkrbec bietet den Synthesizer in diesem 19-Zoll-Rackgehäuse an. Auf Wunsch sind aber auch andere Gehäuse möglich.

(Bild: heise)

Venkrbec steuert den Synsthesizer per MIDI mit einem Breath-Controller an, der sich wie eine Mischung aus Klarinette und Saxophon spielen lässt. Am Synthesizer selbst befinden sich nur wenige Knöpfe, mit denen sich der Sound beeinflussen lässt. Der Grundsound klingt dabei stets wie eine elektronische Mischung aus Saxophon und Klarinette. Es lässt sich lediglich einstellen, ob sie etwas heller oder dumpfer, voller oder dünner klingt. Radikale Sound-Änderungen wie bei anderen Synthesizern sind hier nicht möglich.

Venkrbec hat das komplette Schaltungsdesign unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht. Er selbst bietet passende Bausätze für umgerechnet 800 Euro an. Wer nicht selbst zum Lötkolben greifen will, kann den Synthesizer auch bei Venkrbec in Auftrag geben. Dabei können Interessenten ein 19-Zoll-Edelstahl-Gehäuse wählen oder eigene Gehäuseformen mit ihm absprechen. Er selbst setzte seinen ersten Prototyp etwa in das Gehäuse eines alten Bandlaufwerks aus den 50er Jahren ein. Rund 1500 Euro soll eine Anfertigung kosten.

Auf der Musikmesse in Frankfurt führte Venkrbec den Röhrensynthesizer vor. Der Sound war überaus eigenständig und warm. Dank des Blas-Controllers konnte er verschiedene typische Saxophon-Spielweisen auf den Synthesizer übertragen. Der CHRT Synthesizer ist ein "One-Trick-Pony", das seinen einen "Trick" jedoch exzellent beherrscht. Sound-Demos sind auf der Webseite des Herstellers zu hören. (hag)

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