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"Rote Hacker": Cyber-Attacken aus China

Die "roten Hacker" aus China gelten als die findigsten in den Schattenreichen des Internets. Der Internetriese Google und 33 andere US-Unternehmen wurden Opfer einer besonders raffinierten Attacke. Experten schlagen Alarm, dass Cracker-Angriffe aus China und anderen Ländern im vergangenen Jahr dramatisch zugenommen haben. Allein die USA gehen innerhalb eines Jahres von einer Verdoppelung auf 90.000 Angriffe aus. Die Spionage über das weltweite Netz und die Gefahr eines Cyber-Krieges zur Ausschaltung wichtiger Computernetze betrachtet die US-Regierung heute "als eine der größten Bedrohungen für die Wirtschaft und nationale Sicherheit".

Auch deutsche Unternehmen und Regierungsstellen werden immer wieder Opfer von Angriffen, deren Urheber vor allem in China und Russland vermutet werden. US-Experten gehen allerdings weiter und beschuldigen offen staatliche Stellen in China und Teile der Volksbefreiungsarmee. "Eine große Menge an Indizien und kriminaltechnischen Beweisen weisen deutlich auf eine staatliche Verwicklung in solche Aktivitäten hin – entweder durch direktes staatliches Handeln oder durch andere Gruppen, die vom Staat unterstützt werden", heißt es in einem jüngsten Kongressbericht zu Chinas Cyber-Aktivitäten.

Die Spuren der Cracker hätten US-Ermittlern manchmal ermöglicht, "die chinesische Regierung direkt oder manchmal sogar spezielle Teile der Regierung wie die Volksbefreiungsarmee damit in Verbindung zu bringen", heißt es weiter. Die Ziele der Angreifer enthüllten auch ihre politischen Motive – eben nicht übliche kriminelle Absichten wie etwa das Herausfinden von Kreditkarten-Informationen oder Konten. Hinzu kämen noch "patriotische Hacker": Sie seien nationalistisch und antiwestlich eingestellt, wollten ihre Fähigkeiten beweisen, indem sie in Krisenzeiten ausländische Webseiten angreifen. Wie weit staatliche Stellen dahinter stünden, sei unklar, aber es gebe klare Hinweise für solche Verbindungen, heißt es in dem Bericht weiter.

Im vergangenen Frühjahr entdeckten kanadische Forscher sogar ein großes, international operierendes Spionagenetz, das 1295 Rechner in 103 Ländern mit seiner Software angezapft hatte. Bis zu 30 Prozent der Ziele waren "hochrangige Ziele" wie Regierungsstellen, Außenministerien, Medien, internationale Organisationen und Botschaften, darunter auch deutsche Vertretungen. Selbst das Nato-Hauptquartier in Brüssel oder die Büros des von Peking als Separatist verteufelten Dalai Lama wurde ausspioniert. Die Forscher sprachen von einem "Geisternetz" (GhostNet). Das Programm hatte eine Bedieneroberfläche in chinesischer Sprache und wurde fast ausschließlich von Rechnern in China kontrolliert.

Im Sommer flog ein groß angelegter Angriff auf rund 100 US-Technologiefirmen auf. Die schädlichen Programme damals bekamen ihre Instruktionen von ähnlichen Servern wie jetzt auch bei dem Angriff auf Google. Dass diese Attacke auf den Internetkonzern allerdings einen Streit über Meinungsfreiheit und Zensur in China auslösen würde, hätten die Cracker aus China sicher nicht gedacht. Doch für Google war damit das Maß voll – nach vier Jahren zähneknirschender Selbstzensur in China kündigte Google den chinesischen Behörden die ohnehin brüchige Freundschaft auf.

Auf ihre Drohung, sich aus China zurückzuziehen, wenn sie sich weiter zensieren müssen, wird aber wohl tatsächlich der Abzug folgen. Chinas Regierung zeigte sich am Donnerstag unbeeindruckt und verkündete, jedes ausländische Internetunternehmen müsse sich an die gesetzlichen Bestimmungen halten, wozu auch die Zensur zählt. Die harte Haltung verwunderte niemanden, denn die Meinungshoheit im Internet und seine Kontrolle sind für die Kommunistische Partei schlicht Überlebensfragen. Schon vor zwei Jahren hatte Staats- und Parteichef Hu Jintao im Politbüro gewarnt: "Ob wir das Internet im Griff haben, hat Auswirkungen auf die Entwickelung der sozialistischen Kultur ... und die Stabilität des Staates." (Andreas Landwehr, dpa) / (vbr)

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