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Rote Karte für Provider

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Aus Protest gegen die Sperrungsverfügungen der Bezirksregierung Düsseldorf hat der Chaos Computer Club (CCC) am heutigen Dienstag vier Ausstellern auf der CeBIT eine rote Netzwerkkarte überreicht. Damit protestierten die Hacker gegen ein durch Zensurmaßnahmen "technisch kaputtes Internet", wie CCC-Sprecher Jens Ohlig formulierte.

Mit einem Megaphon bewaffnet zogen an die hundert Hacker durch die Hannoveraner Messehallen, um den so genannten CCCeBIT-Award zu übergeben. Da die Bezirksregierung auf der CeBIT nicht selbst präsent war, wurde der Preis stellvertretend an Provider verliehen, die sich nach Auffassung des CCC voreilig den Anweisungen der Bezirksregierung gefügt hatten.

"Es ist die Pflicht eines Providers sich solchen Drohungen nicht zu beugen", so Ohlig. Der Kölner Provider Vision Consulting nahm den Preis an, verwies aber darauf, dass seine Firmenkundschaft solche Sperrungen wünsche. Weniger gesprächsbereit zeigte sich der Telekommunikations-Anbieter Arcor, der als Mutterfirma des Providers Isis ausgezeichnet werden sollte. "Aus Sicherheitsgründen" verwies man die CCC-Mitglieder sofort des Standes.

Weitere Preise wurden an den Ständen des Forschungslandes Nordrhein-Westfalen und des Wirtschaftsministeriums des Landes übergeben. Dort fühlte man sich allerdings nicht zuständig. Die Proteste solle der CCC doch bei der zuständigen Stelle anmelden.

Inzwischen hat der Düsseldorfer Regierungspräsident Jürgen Büssow Gespächsbereitschaft angemeldet. Am Mittwoch will er sich mit Vertretern des CCC zu einem Gespräch treffen. Die Hacker erwarten allerdings keine gütliche Einigung. Für den 6. April ruft der CCC mit anderen Vereinen zu einer Demonstration gegen Sperrungsverfügungen in Düsseldorf auf. Mitveranstalter ist der Virtuelle Ortsverein der SPD, der auch Büssow angehört. (Torsten Kleinz) / (anw)