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Routenportal: GPSies geht über in AllTrails

Das hierzulande beliebte Tourenportal GPSies geht über in das US-amerikanische Portal AllTrails. Damit sind einige bittere Pillen verbunden.

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Aus GPSies wird jetzt Alltrails. Damit sind etliche Änderungen verbunden.

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Das im deutschsprachigem Raum und auch in anderen europäischen Ländern beliebte Tourenportal GPSies geht ab Mitte August über ins US-Portal AllTrails. Darüber informierte der bisherige Betreiber des Portals, Klaus Bechtold, in einem Newsletter an registrierte Benutzer. Die auf www.gpsies.com gesammelten Touren, privat oder öffentlich geteilt sollen spätestens Mitte August über die Seite www.alltrails.com abrufbar sein.

Die GPSies-Website wird sich bis Mitte August weiterhin wie bisher nutzen lassen – laut Newsletter soll das auch danach noch der Fall sein. Ein Umzug von GPSies-Benutzern zu AllTrails soll mit wenig Aufwand verbunden sein. Tatsächlich aber auch mit weniger Funktionen. So startete das Einloggen beim neuen Dienst zwar sofort den Import der GPSies-Daten – die bisher unter "Meine Strecken" gespeicherten Routen finden sich bei AllTrails nun unter "Karten" – allerdings mit dem Datum der Datenübernahme, ein Bug, der mittlerweile aber behoben wurde. Außerdem fehlen gespeicherte Suchen, also Suchaufträge für Touren, die man immer wieder anhand der feingranular einstellbaren Filterkriterien konservieren konnte.

Am ärgerlichsten ist aber dies: Eine bei GPSies kostenlos verfügbare Kernfunktion, der Download von GPX-Dateien fürs Navi, ist bei AllTrails nur mit einem kostenpflichtigen Pro-Abo (30 Euro/Jahr oder 60 Euro/3 Jahre) zu bekommen. Zunächst sah es so aus, als ob das auch bei eigenen Tracks nötig sei, doch dieser Bug wurde mittlerweile behoben. Dennoch: Die unkomplizierte Weitergabe von Routen - etwa für RTF-Ausfahrten von Rennradfahrern oder Wandertouren für Gruppen ist damit aber nicht mehr möglich. Bei GPSies musste man sich für den GPS-Download nicht einmal anmelden – für viele Nutzer ein wichtiger Punkt. Selbst ein Ausdruck einer Tour als PDF ist bei Alltrails abopflichtig.

Klaus Bechtold erläuterte gegenüber Heise: "Mein Businessmodel war nicht mehr tragbar und wurde oft von Bots/Datensammlern aus Asien ausgenutzt. Ich hätte sowieso demnächst etwas unternehmen müssen. Die 15 dedizierten Server mussten ja auch finanziert werden."

Die Routenberechnung bei AllTrails arbeitete beim ersten Test unzuverlässig. Sie schlug zwischendurch Routenabschnitte vor, wo keine Wege waren.

Zwar fehen die bei GPSies vielfältigen Konvertierungsfunktionen, mit deren Hilfe Routen und Tracks auch für exotischere Wandernavis zu bekommen waren. Aber: Er wird wohl laut Bechtold in AllTrails integriert und sogar auf Wunsch von AllTrails allen Nutzern ohne Anmeldung auf GPSies zur Verfügung gestellt.

Ein erster Test zeigte auf AllTrails Schwächen beim Erstellen eigener Routen. Sie hielten sich nicht immer an existierende Wege, auch dann nicht, wenn es angebracht ist, etwa beim Rennrad. Hier nutzte GPSies das Routing mit Graphhopper. Klaus Bechtold: Das Routing beziehungsweise das Planungswerkzeug wird von AllTrails gerade komplett neu entwickelt und geht in den nächsten Wochen online. Holprig war anfangs auch die Spracheneinstellung der AllTrails-Seite, denn auf Deutsch zunächst erschien die Alltrails-Seite bis dato nur, wenn man www.alltrails.com/de/ als URL verwendet, auch das ist behoben.

Das Portal Alltrails wurde 2010 gegründet und ist in den Händen der Kapitalgesellschaft Spectrum Equity (weitere Investments unter anderem: Prezi, Jimdo, Bitly). Bislang soll Alltrails rund 75.000 von Hand kuratierte Touren enthalten, insgesamt mehr als 90 Millionen Kilometer erfasster Routen und mehr als 10 Millionen registrierte Benutzer haben. Offenbar ist AllTrails auf Einkaufstour. Erst am 18. Juli gab AllTrails bekannt, dass sie ebenfalls das Portal trails.com aquiriert haben wie zuvor das britische Portal iFootpath im April.

Der Datenübernahme beim Umzug kann man widersprechen – schließlich liegen die Server von AllTrails in den USA, einem Drittstaat, für den die Europäische Kommission keinen Beschluss gefasst hat, der bestätigt, dass dort ein angemessenes Datenschutzniveau gewährleistet wird. Bechtold nutzt daher nach eigenem Bekunden Standardvertragsklauseln (EU-Verantwortlicher an Nicht-EU-Verantwortlichen, Set II), die von der Europäischen Kommission genehmigt wurden.

Klaus Bechtold betrieb GPSies als Hobbyprojekt seit 2006. Finanziert wurde das Portal zunächst aus eigener Tasche, aktuell durch Spenden und Kooperationen beziehungsweise Werbung. Die Website ist in mehr als 20 Sprachen übersetzt, wofür Mitglieder gesorgt haben. Unklar ist, ob auch AllTrails weiterhin Daten für Open StreetMap zur Verfügung stellen wird – hier zählte GPSies in der Vergangenheit zu den Top-Förderern. Was durchaus in OSM-Kreisen auch kritisch gesehen wurde.

Bechtold will den Übergang auf AllTrails noch mindestens sechs Monate begleiten, um die "besten GPSies-Funktionen" noch zu integrieren – welche dann fehlen, wurde noch nicht kommuniziert. Gegenüber Heise äußerte sich Bechtold so: "AllTrails wird in weitere Sprachen übersetzt und um weitere Funktionen erweitert, die bei GPSies beliebt sind, wie die Konvertierung, der Streckenplaner, die Ordnerstruktur und vieles andere." Im Newsletter bedankte er sich abschließend bei seinen vielen Unterstützern und seiner Familie, die laut Bechtold öfter hat zurückstecken müssen.

Wer nicht zu Alltrails wechseln will: Als Alternativen drängen sich unter anderem Outdooractive und Komoot auf, für den GPX-Download sind beide Portale anmeldepflichtig, einige Funktionen sind ebenfalls kostenpflichtig. (mil)