Rückkehr der Vinyl-LP: Umweltschützer kritisieren Herstellung und Plastikmüll

Mittlerweile werden in manchen Ländern mehr Vinylscheiben verkauft als CDs. Ökologisch ist das nicht.

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Klingt hübsch analog, ist aber schlecht für Mutter Natur.

(Bild: Photo by Patrick Perkins on Unsplash)

Von
  • Ben Schwan

Der hippe Retrotrend zur Langspielplatte hat negative Auswirkungen auf die Umwelt. Der bekannte Musikologe Kyle Devine, Forschungsleiter am Institut für Musikwissenschaften an der Universität Oslo, der zuvor schon die Auswirkungen des Streaming auf den Klimawandel untersucht hatte, kritisiert in einem Buch Herstellung und Entsorgung von LPs, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe ("Vinyl, ein Ökoalbtraum").

In manchen Weltregionen, darunter den USA, haben die Vinylverkäufe die der Compactdisc eingeholt. Einen lokalen Markt für das Rohmaterial von LPs, PVC, gebe es in dem Land kaum mehr, seitdem das Albengeschäft in den Neunzigerjahren einbrach. Mehr als die Hälfte des für die Schallplatten verwendeten PVCs muss auf langen Transportwegen aus Bangkok angeliefert werden, wo der wichtigste Produzent seinen Sitz hat, so Devine. PVC enthält (auch) krebserregende Bestandteile und Greenpeace hat den Herstellern in Thailand mehrfach vorgeworfen, Abwässer in umliegende Flüsse einzuleiten.

Als in den USA noch eine nennenswerte Vinylproduktion im Land war, gab es ebenfalls regelmäßig Kritik. Die US-Umweltschutzbehörde EPA ging zusammen mit der Bundespolizei FBI gegen einen der größten Hersteller in Kalifornien vor – bereits seit Ende der Siebziger Jahre. Er soll Giftstoffe in die Luft entlassen haben – die auch Mitarbeiter erreichten – und auch bei der Abwasserbehandlung soll es Defizite gegeben haben. Hinzu kommt das Müllproblem bei PVC – der Stoff zerlegt sich in Mikroplastik, das persistente organische Schadstoffe (POPs) wie ein Schwamm aufsaugt und sich dann in Organismen anreichern kann.

Musik sei damit – früher wie heute – Teil des "Petrokapitalismus", wie Devine schreibt. PVC besteht aus Erdölbestandteilen, wie viele andere Kunststoffe. Eine Lösung könnte sein, LPs aus Recyclingmaterial herzustellen.

Mehr dazu bei Technology Review Online:

(bsc)