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XCOM-Konkurrent Phantom Doctrine angespielt: Spione wie wir

Im Rundentaktikspiel Phantom Doctrine stürzen sich Hobby-Agenten mitten in den Kalten Krieg, der sie trotz einiger Schwächen nächtelang wach halten wird.

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Rundenstrategiespiel Phantom Doctrine angespielt: Spione wie wir

(Bild: heise online)

Feindliche Agenten meucheln, Geheimdokumente stibitzen und Verschwörungen aufdecken – so ein waschechter Agent hat es in Phantom Doctrine nicht leicht. Noch dazu sind es die wilden 80er: Ost gegen West, Böse gegen Gut. Für die Macher dieser motivierenden Agentenhatz scheint diese Dekade eine echte Fundgrube an Agentenklischees zu sein.

Als Agent der westlichen Geheimdienste schließt sich der Spieler der Organisation "Kabale" an, um die bösen "Beholder" auszuschalten. Also geht es fortan um den ganzen Globus zum fröhlichen Agentenmeucheln. Zugegeben, wer hier ein spannendes, fintenreiches und tiefgründiges Agentenabenteuer im Stile John Le Carrés oder der Fernsehserie The Americans erwartet, ist fehl am Platz. Phantom Doctrine greift tief in die Mottenkiste der Agentenklischees, zeigt eiskalte Spione und fiese Bösewichter. Warum hier ein Selbstmordattentat oder sonstige Terrorakte verübt werden, geht in den spannenden und spielerisch anspruchsvollen Taktikmissionen völlig unter.

Phantom Doctrine angespielt (6 Bilder)

Der Kampfmodus dürfte vielen XCOM-Fans bekannt vorkommen. (Bild:
heise online
)

Die Macher haben sich stark vom Klassiker XCOM inspirieren lassen und schicken ihre Agenten in bewährter Rundentaktikmanier in den Einsatz. Zug um Zug schleicht sich der Spieler durch feindliches Terrain, schlüpft in Verkleidung durch die Sicherheitskontrollen oder stiehlt Geheimdokumente. Im Gegensatz zu XCOM liegt der Fokus auf der lautlosen Infiltration des feindlichen Gebiets: Bevor es zum offenen Kampf kommt, sollten die Agenten erstmal die Sicherheitssysteme ausschalten und bewusstlose Wachen aus dem Weg schaffen.

Fliegt die Tarnung auf, bleibt nur der Griff zur Waffe. Der Kampf ähnelt auf den ersten Blick dem bekannten Vorbild, hat jedoch einen entscheidenden Unterschied: Jeder Schuss trifft. Statt prozentualer Treffgenauigkeit und den bangen Sekunden zwischen Glück und Pech entscheiden Attribute wie Wachsamkeit über die Höhe des Schadens. Das erfordert vom Spieler eine vorsichtige Herangehensweise – in den ersten Anspielrunden ist es uns kaum gelungen, alle Agenten unversehrt in die Basis zurück zu bringen.

Die Agentenzentrale ist das Herzstück des Spiels. Hier beobachtet der Spieler über eine Weltkarte das Treiben feindlicher Agenten, forscht nach neuen Gadgets und trainiert die Agenten. Upgrades schalten neue Räume wie das Labor oder weitere Forschungsplätze frei. Viele Arbeitsabläufe können automatisiert werden: Statt zu kämpfen beordert der Spieler erstmal seine Agenten auf Erkundungsmissionen, die im Hintergrund ablaufen, oder schickt sie ins Training. Eine originelle Idee haben sich die Entwickler für die Spurensuche aufgehoben: Der Spieler durchforstet Geheimdokumente nach Hinweisen und ordnet sie dann auf einer Pinnwand.

Das ganze Spielkonzept könnte perfekt sein, wenn es nicht in der B-Note knirschen würde. Ein vernünftiges Tutorial fehlt nämlich. Zwar wird der Spieler in die grobe Kampftaktik eingeweiht, aber beim Basis-Management muss er sich mit ein paar Info-Texten zufrieden geben. Noch dazu wirkt das User Interface unausgereift. Manchmal irrt man auf der Suche nach der richtigen Option etwas hilflos über den Bildschirm und vermisst die Übersicht, die ein XCOM geboten hat.

Phantom Doctrine ist mehr als nur ein XCOM-Klon. Zwar wirkt auf den ersten Blick alles vertraut, doch die Details machen den Unterschied: Hier ein bisschen mehr Schleicharbeit, da ein bisschen mehr Aktenknobelei und fertig ist ein spannender Rundentaktikhit. Schade, dass es an einer übersichtlichen Menuführung und einer etwas originelleren Story mangelt. Ein bisschen Humor hätte die bierernste 80er Jahre-Agentenjagd enorm aufgelockert. So bleibt es ein jederzeit forderndes Taktikabenteuer, dem nur ein Quentchen Originalität zum absoluten Genrehit fehlt.

Phantom Doctrine ist am 14. August als Download für Windows erschienen und kostet 40 Euro. USK nicht geprüft. Für unser Angespielt haben wir ein paar Stunden die Windows-Version gespielt.

Siehe dazu auch:

(dahe)