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Russische Behörden wollen Chatdienst Telegram einschränken

Der Messenger Telegram ist in Russland ins Visier der Medienaufsicht und des russischen Inlandsgeheimdienstes geraten. Beide vermuten, dass Terroristen den Dienst benutzen.

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Russische Behörden wollen Chatdienst Telegram einschränken

(Bild: Pixabay / CC0)

In einem Streit um Datenverschlüsselungen wollen die russischen Behörden den internationalen Chatdienst Telegram einschränken. Die Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor teilte am Freitag mit, sie habe bei einem Moskauer Gericht einen Antrag eingereicht, den Zugang zu Telegram zu beschränken. Das Gericht bestätigte dies der Agentur Interfax. Die Richter wollten in den kommenden Tagen entscheiden, wie sie mit dem Fall verfahren.

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB verlangt Zugriff auf die Verschlüsselung des Chatdienstes. Die Behörden vermuten, dass Telegram auch von Terroristen genutzt wird. Konkret gehen russische Ermittler davon aus, dass sich die Drahtzieher des Bombenanschlags auf die Metro in St. Petersburg vor einem Jahr über den Dienst abgesprochen haben. Damals kamen 16 Menschen ums Leben.

Telegram verweigert Zusammenarbeit

Der russische Telegram-Mitgründer Pawel Durow weigert sich, die Verschlüsselung herauszugeben. Der Chatdienst hält die Forderung für verfassungswidrig. Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass die beliebte App Telegram im Iran verboten werden soll. Sie sollen bei regimekritischen Unruhen zum Jahreswechsel genutzt worden sein. Reformer im iranischen Parlament sind allerdings gegen einen solchen Schritt.

Mit Telegram kann ähnlich wie mit WhatsApp oder dem Facebook Messenger gechattet, Fotos und Videos ausgetauscht oder telefoniert werden. Einzelne Nachrichten können so eingestellt werden, dass sie sich nach dem Lesen automatisch löschen. Die App ermöglicht zudem, ähnlich wie bei Twitter bestimmte Kanäle zu abonnieren.

Apple hatte die Telegram-App im Februar zeitweise aus seinem App Store verbannt, weil darüber Kinderpornografie verbreitet worden sein soll. Die App war wenige Tage später aber wieder verfügbar. Der Chatdienst war außerdem dazu genutzt worden, um als Bilder getarnte Trojaner an Nutzer zu versenden. Die Angreifer sollen die Möglichkeit gehabt haben, gekaperte Computer über einen Telegram-Bot zu kontrollieren und sie etwa zum Schürfen von Bitcoins zu benutzen. (mit Material der dpa) / (olb)

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