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Russischer Einflußnahmeversuch auf Facebook: Mehr als 300 Seiten gesperrt

Facebook hat 289 Seiten und 75 Accounts gelöscht, die einem Netzwerk falscher Identitäten angehören sollen.

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Facebook

(Bild: dpa, Peter Da Silva/Archiv)

Facebook hat mehr als 300 Seiten und Accounts von seiner Plattform gelöscht, die zwei Netzwerken von falschen Identitäten mit russischem Ursprung angehören sollen. Das teilte der Konzern am Donnerstag mit. Jeweils seien die Seiten durch unangemessenes Verhalten auf Facebook und Instagram aufgefallen: Mithilfe falscher Accounts seien innerhalb der Gruppen, die sich nicht offen als solche ausgegeben hätten, pro-russische Inhalte gepostet worden. Bei Seiten und damit verknüpften Accounts habe es Verbindungen zu Mitarbeitern der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik gegeben.

"Wir möchten nicht, dass unsere Dienste genutzt werden, um andere Menschen zu manipulieren", erklärte der Facebook-Verantwortliche für Cybersicherheit Nathaniel Gleicher. Insgesamt 289 Seiten und 75 Accounts seien aufgrund von Fehlverhalten, nicht aber aufgrund der geposteten Inhalte, gelöscht worden.

Die betroffenen Seitenbetreiber sind demnach seit bereits seit mehreren Jahren auf Facebook aktiv: Bereits 2013 hätten sie erstmals Werbung geschaltet und seitdem rund 135.000 US-Dollar investiert. Insgesamt hätten die betroffenen Seiten rund 790.000 Abonnenten angesammelt. Ob angekündigte Events, für die sich bis zu 1200 Personen interessiert gezeigt hatten, überhaupt stattfanden, könne Facebook bislang nicht bestätigen. Derzeit ist das Unternehmen nach eigenen Angaben dabei den Missbrauch aufzuklären.

Die Seiten-Administratoren und Account-Nutzer hätten sich nach außen hin als unabhängige Nachrichtenseiten präsentiert und verschiedene Interessen wie Essen, Sport und Wirtschaft vertreten – dabei seien mitunter Nato-feindliche Ansichten, Protestbewegungen und Korruptionsbekämpfung beworben worden. Fast alle Seiten der größeren Operation hätten vorrangig Inhalte von Sputnik geteilt, einige sogar ausschließlich, ergänzt das Digital Forensic Research Lab in einer eigenen Mitteilung zu dem Schritt. Das Netzwerk soll in den baltischen Staaten, Zentralasien, dem Kaukasus sowie Zentral- und Osteuropa operiert haben.

Beiträge der von Facebook gesperrten Seiten (12 Bilder)

(Bild: Facebook)

Twitter hatte sich bereits im Oktober 2017 dazu entschieden, Werbung von Russia Today und Sputnik zu verbannen, mit der Begründung die US-Wahl nicht beeinflussen zu wollen. Als Reaktion auf das überhöhte Aufkommen der Seiten von Russia Today und Sputnik bei Suchanfragen, beschloss der Konzern Google wenige Wochen später die News-Seiten im Ranking niedriger einzustufen. Schon im November 2018 blockierte Facebook verdächtige Accounts ausländischer User, mit dem erklärten Ziel die anstehende US-Kongresswahl vor Beeinflussung zu schützen. (jula)

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