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Russland will beim Abbau von Bodenschätzen auf Asteroiden mitmischen

Schon in fünf Jahren könnte die Technik stehen, um Bergbau auf außerirdischen Himmelskörpern zu betreiben, meinte ein führender russischer Weltraumforscher bei einer Debatte über einen neuen Wettlauf ins All und zum Mars.

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Russland will beim Abbau von Bodenschätzen auf Asteroiden mitmischen

(Bild: Space Resources)

Nachdem die USA und Luxemburg den Aufschlag machten für Initiativen, um Bodenschätze auf Asteroiden, Kometen und anderen Himmelskörpern abzubauen, will Russland in diesem möglichen neuen Wettlauf zur Eroberung des Alls nicht länger zurückstehen. Die Basistechnologien zu diesem Zweck existierten, erklärte Oleg Gorshkow, Generaldirektor des Zentralen Forschungsinstituts für Maschinenbau der russischen Weltraumagentur, am Dienstag auf dem "Open Innovations-Forum" im Technologiepark Skolkowo bei Moskau. Diese müssten noch verfeinert, finanziert und eingesetzt werden, was aber nicht mehr sehr zeitaufwändig sei: "In fünf Jahren könnten wir damit im Orbit sein."

"Wir werden die Technik gemeinsam mit Startups entwickeln", kündigte Gorshkow an. Mit "sehr spezifischen Schritten" in diese Richtung sei in den nächsten 15 Monaten zu rechnen. Er könne sich dann vorstellen, dass beteiligte Firmen nach dem Vorbild der Regeln in den beiden westlichen Ländern Lizenzen erhalten könnten, um Bodenschätze auf erdnahen Gesteinsformationen abzubauen. Dies werde sicherlich auch von der Größe der entsprechenden Materialien ankommen. Pläne, Wasser etwa von Asteroiden zu gewinnen, hielt der Experte dagegen noch nicht für spruchreif, da die Verfahren dazu sehr teuer seien.

Zugleich erinnerte der Institutsleiter daran, dass es laut dem Weltraumvertrag der Uno verboten sei, sich Objekte aus dem All anzueignen. 120 Länder hätten dieses Abkommen von 1967 unterzeichnet. Wichtig sei es daher, einen Dialog über die außerirdischen Bergbauvorhaben ebenfalls auf UN-Ebene zu starten. Es müsse verhindert werden, dass sich einzelne Nationen hier Vorrechte sicherten.

An technischen Möglichkeiten, um Wertvorkommen auf Asteroiden zu analysieren, werde international spätestens seit 2003 gearbeitet, führte Gorshkow aus. Mehrere einschlägige Missionen seien erfolgreich absolviert worden. Nun gehe es darum, Fähigkeiten zur Navigation auf solchen Himmelskörpern, Roboter zum Schürfen von Bodenschätzen und für deren Abtransport hervorzubringen. Der Wissenschaftler unterstrich: "Wir sind gut vorbereitet für diese zweite Phase."

Schon ein kleiner Asteroid mit 1,5 Kilometer Durchmesser könnte Mineralien im Wert von 20 Billionen US-Dollar bergen, schätzen Experten. Kein Wunder also, dass der neue Wettlauf an Fahrt gewinnt. "Wir brauchen Asteroiden, um den Weltraum zu erobern", warb der US-Gründer der Firma Deep Space Industries, Rick Tumlinson, für einschlägige Operationen. Er selbst will deren Machbarkeit in Kooperation vor allem mit Luxemburg demonstrieren. Von einem Rennen der Nationen will der Weltraumaktivist anders als beim Spurt zum Mond aber diesmal nichts wissen. Seiner Ansicht nach seien private Firmen nun die Treiber, "hoffentlich in einer aufgeklärten Partnerschaft mit ihren Regierungen".

Staaten dürften Unternehmungen, zu denen Tumlinson vor allem auch das Projekt "Big Fucking Rocket" (BFR) von Elon Musk zählt, zumindest nicht bremsen, meinte der Vordenker. Dies sei wichtig für "das öffentliche Wohl". Er versprach Russland etwa eine "wirtschaftliche Wiedergeburt", sollte es sich hinter entsprechende privat geführte Operationen stellen. "Wir haben großartige Partnerschaften mit Russland", meinte er. So stünden hinter BFR etwa nicht nur der Microsoft-Mitgründer Paul Allen oder der Ex-Blackberry-Manager Jim Balsillie, sondern auch "vier große russische Investoren".

Tumlinson will mit Deep Space und Partnern nun nach eigenen Angaben 2020 auf einem ersten Asteroiden landen und die Lage vor Ort begutachten. Künftig könnten Länder oder Einzelpersonen dann voraussichtlich für unter 20 Millionen US-Dollar Missionen für Bodenproben aus dem Weltall starten. Dies entspreche dem Preis für eine Luxusjacht oder einem Privatjet. Die derzeit zwischen den USA und Russland auf der politischen Ebene wieder vorherrschende Mentalität des Kalten Krieges müsse dafür aber begraben werden. Bei solchen Flügen gehe es nicht darum, territoriale Imperien auf der Erde auszudehnen. Vielmehr sollte die "Kultur des Internets" mit ihren Komponenten wie Konnektivität und Ermächtigung von Individuen darauf übertragen werden. Öffentlich-Private-Partnerschaften seien dafür das beste Modell.

Der luxemburgische Wirtschaftsminister Etienne Schneider betonte, dass das Großherzogtum Asteroiden nicht zu nationalem Territorium erklären, aber Möglichkeiten zum Wertstoffabbau schaffen und nutzen wolle. Beteiligten müssten dabei sicher sein können, das geschürfte Material auch nutzen zu dürfen. Der Weltraumvertrag besage zwar, dass aus dem All bezogene Dinge "der Menschheit" allgemein gehörten. Damit lasse sich aber kein gutes Geschäftsmodell begründen. Als Parallele zog er daher die Regeln für internationale Gewässer heran, in denen es erlaubt sei zu fischen. Luxemburg habe mit mehreren internationalen Universitäten zusammengearbeitet, um den rechtlichen Rahmen für den Bergbau im Weltraum in diesem Sinne abzustecken. (Stefan Krempl) / (kbe)

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