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Ryzen 3000: Niedrigere Spannungen im Idle-Modus zulasten der Schnelligkeit

Ein neuer Chipsatztreiber ändert das Taktverhalten der Ryzen-3000-Prozessoren im Idle. Neue BIOS-Updates sollen bald weitere Probleme beheben.

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AMD stellt einen neuen Chipsatztreiber für die Ryzen-3000-Prozessoren wie dem Ryzen 9 3900X zur Verfügung.

(Bild: Christian Hirsch/c't)

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AMD hat den neuen Chipsatztreiber 1.07.29 für die Ryzen-3000-Prozessoren veröffentlicht, der einen aktualisierten Ryzen-Balanced-Energiesparplan einführt. Dieser soll sich um die augenscheinlich hohen Spannungen und Kerntaktraten im Leerlauf kümmern, die Auslese-Tools melden.

Bisher konnten die Ryzen-3000-Prozessoren mit dem Ryzen-Balanced-Energiesparplan ihren Kerntakt im Intervall von einer Millisekunde verändern. Zum Beispiel durch Browser, Hintergrundprogramme, Treiber und Steuer-Software für RGB-LEDs wurden so viele Anfragen an die CPUs gestellt, dass einzelne Rechenkerne immer wieder in den Boost-Modus gewechselt sind.

Weil die Prozessoren ihren Takt deutlich schneller anheben und wieder senken, als die Auslese-Tools messen, wurde häufig ein konstant hoher Boost-Modus mit über 4,0 GHz und bis zu 1,5 Volt angezeigt.

Der neue Ryzen-Balanced-Energiesparplan im Chipsatztreiber 1.07.29 vergrößert das Intervall zur Taktauswahl von 1 auf 15 ms, sodass die Prozessoren die meisten Anfragen auf eine Takterhöhung ignorieren.

Gleichzeitig erhöht AMD den "Minimalen Leistungszustand des Prozessors" auf 99 Prozent. Dadurch arbeiten die Rechenkerne in den Ryzen-3000-Prozessoren immer mit mindestens 99 Prozent des Basistakts. CPU-Z liest beim Ryzen 9 3900X entsprechend Idle-Taktraten von gut 3,5 GHz aus. Vorher lag der Wert für den minimalen Leistungszustand bei theoretischen 0 Prozent, womit sich die CPU im 2-GHz-Bereich aufhalten konnte – in der Praxis liefen die aktiven Kerne schon dort häufig mit 3,4 GHz und mehr.

Das Ryzen-Master-Tool meldet 200 bis 400 MHz, weil es die Frequenzen über einen kurzen Zeitraum mittelt, die Schlafzustände miteinbezieht und diese mit 0 MHz wertet. Die angezeigte Spannung sollte sich zwischen 0,9 und 1,2 Volt einpendeln.

Die Idee dahinter: CPU-Kerne können ausgehend vom Schlafzustand CC6 nicht sofort in den Boost-Modus wechseln, der für Programmstarts vorgesehen ist. Die Anhebung der minimalen Frequenz soll das langsamere Taktverhalten durch das längere 15-ms-Intervall ausgleichen, indem die Rechenkerne nicht die komplette Taktkurve "hochklettern" müssen.

Trotzdem arbeiten die Ryzen-3000-Prozessoren im Leerlauf durch die Änderung träger, weil sich Rechenkerne nicht mehr so schnell aufwecken lassen und der Boost-Modus nicht sofort aktiv ist. Erst bei hoher Last, zum Beispiel in 3D-Spielen, wechselt AMD das Intervall zurück zu 1 ms, da die CPUs dort ihre maximale Leistung abrufen sollen.

Das Ryzen-Master-Tool meldet ab der Version 2.0.0.1225 nicht mehr die höchste anliegende Temperatur und Spannung innerhalb eines Ryzen-3000-Prozessors. Stattdessen werden die Werte zwischen allen Sensoren innerhalb der Chips gemittelt, um die Nutzer durch kurzfristige Spitzen nicht zu verunsichern. Die angezeigte Spannung gibt jetzt grob das wieder, was der Prozessor von den Wandlern bekommt. AMD möchte seine Dokumentation für Drittentwickler aktualisieren, damit Tool-Anbieter ihre Messmethoden anpassen können.

AMD hat die AGESA-Version 1.0.0.3ABB an die Mainboard-Hersteller verteilt, die einen Fix für die fehlerhafte RDRAND-Instruktion enthält. Programme und Betriebssysteme, die von der Instruktion Gebrauch machen, starten bisher nicht. Eine Übergangslösung gibt es bisher lediglich für das 3D-Spiel Destiny 2, die auch im Chipsatztreiber 1.07.29 enthalten ist.

Mit der neuen AGESA möchte AMD auch die WHEA-Fehlermeldungen in Bezug auf PCI-Express 4.0 im Windows-Log beheben, die im Ernstfall zu Bluescreens führen können.

Bevor die Mainboard-Hersteller die Updates veröffentlichen, müssen sie allerdings noch getestet werden. Laut AMD kann das mehrere Wochen dauern. (mma)