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SAP-Gründer stellt Firmensitz Walldorf infrage

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Zwei Tage, bevor am Donnerstag bei SAP eine Betriebsversammlung mit dem Ziel, einen Betriebsrat zu wählen, stattfindet, verstärkt Firmengründer Dietmar Hopp seine Warnungen: Die Installation eines Betriebsrates sei ein "Einfallstor für die IG Metall", sagte Hopp, der die rigiden Vorstellungen der Gewerkschafter zur Arbeitszeit ablehnt: "Wenn einer die Gewerkschaft fragen muss, darf ich heute abend um elf Uhr mit Kalifornien telefonieren, dann gute Nacht schöne SAP", illustrierte Hopp seine Befürchtungen gegenüber Handelsblatt.com – "schlimmstenfalls" sei Walldorf als Standort der Konzernzentrale in Gefahr, sagte der langjährige Aufsichtsratschef, der sich vor knapp einem Jahr aus dem Gremium ganz zurückgezogen hatte.

Einen SAP-Sprecher zitiert der Bericht mit der Ankündigung: "Sollte die Mehrheit der Mitarbeiter eine Wahl wünschen, wird das Unternehmen diese unterstützen." Wenn bei der Betriebsversammlung Anfang März die Mehrheit der anwesenden Mitarbeiter dafür stimmen, wird zunächst ein so genannter Wahlvorstand gewählt. Dieser aus fünf bis neun Mitgliedern bestehende Vorstand organisiert dann die eigentliche Betriebsratswahl. Der Betriebsrat wäre dann zunächst einmal für rund 10.000 Mitarbeiter der SAP AG zuständig, nicht jedoch für die Mitarbeiter in der deutschen Landesgesellschaft, heißt es weiter.

Die "überwältigende Mehrheit der SAP-Mitarbeiter" fühle sich durch die jetzige Form der Mitarbeiterbeteiligung über den Aufsichtsrat "gut repräsentiert", findet Stefan Schulz, einer der SAP-Mitarbeitervertreter im Aufsichtsrat. Die Mehrheit der SAP-Mitarbeiter wolle über die Arbeitnehmervertretung die eigenen Interessen und nicht von außen gesteuerte Gewerkschaftspositionen unterstützen: "Wird jedoch Anfang März die Wahl eines Betriebsrates beschlossen, werden sich auch aus den Reihen der Mitarbeiter unabhängige Kandidaten für eine Betriebsratswahl finden", kündigte Schulz an. Komme es tatsächlich zu einem Betriebsrat, könnten die Mitarbeiter dafür sorgen, dass das Gremium mit ihren eigenen und nicht mit Interessenvertretern der Gewerkschaft besetzt werde, hofft auch SAP-Gründer Hopp. (ssu)