SCO: Linux-Anwender haften für Rechtsverstöße in Linux

SCO stellt den Vertrieb der eigenen Linux-Distribution ein, bis die Frage geklärt ist, ob Linux eigene Rechte an Unix verletzt.

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Von
  • Oliver Diedrich

SCO stellt den Vertrieb der eigenen Linux-Distribution ein, bis die Frage geklärt ist, ob Linux eigene Rechte an Unix verletzt. Der für die Durchsetzung der Rechte an Unix zuständige Chef der SCOsource-Abteilung, Chris Sontag, erklärte dazu, sein Unternehmen fühle sich "verpflichtet, kommerzielle Anwender im Falle eines Linux-Einsatzes über die möglichen Risiken zu informieren." Auch Linux-Anwender könnten "für die Nutzung von Linux haftbar gemacht werden", so SCO in einer Pressemitteilung -- eigene Kunden selbstverständlich ausgenommen. Ein offener Brief auf der SCO-Website, unterschrieben von SCO-Chef Darl McBride, erläutert die Position von SCO: Das Unternehmen nimmt für sich in Anspruch, alle Rechte an Unix zu besitzen, und behauptet, Beweise zu haben, dass Codeteile aus Unix System V in die Linux-Quellen kopiert wurden.

Damit erreicht der Streit um mögliche, wenn auch bislang von SCO nicht näher spezifizierte, Verstöße gegen "Intellectual Property Rights" durch Linux eine neue Dimension: Bislang hatte SCO lediglich unmittelbare Konkurrenten im Visier. Den Anfang der SCOsource-Initiative machte eine Milliarden-Dollar-Klage gegen IBM, anschließend hatte SCO rechtliche Schritte gegen andere Linux-Distributoren wie Red Hat oder SuSE angedroht. IBM hat die SCO-Vorwürfe zurückgewiesen. Der deutsche Linux-Distributor SuSE, der mit SCO in der UnitedLinux-Initiative zusammenarbeitet, erklärte, man prüfe jeden Code in der eigenen Linux-Distribution auf mögliche Rechtsverstöße. SCO sei bislang nicht mit irgendwelchen Vorwürfen an SuSE herangetreten und habe eine Bitte um Klarstellung der eigenen Ansprüche nicht beantwortet.

Eine Fragen- und Antwort-Liste macht deutlich, dass seitens SCO wohl keine Zugeständnisse zu erwarten sind: Auf die Frage, warum SCO den strittigen Code nicht einfach zur Open Source beiträgt, heißt es: "SCO hat Millionen Dollar in die Entwicklung seines geistigen Eigentums an Unix investiert. [...] Software-Firmen [...] sollten nicht damit rechnen, dass andere ihren Code verwenden, ohne dafür zu bezahlen." -- eine interessante Position für ein Unternehmen, das bis vor kurzem unter dem Namen Caldera als Linux-Distributor aufgetreten ist und dessen Produkte auch heute noch eine beträchtliche Menge Open-Source-Software enthalten. (odi)