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SCO sagt der Open Source den Existenzkampf an

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Der Kampf um die Rechtmäßigkeit von Linux entwickelt sich mehr und mehr zum Schaustück: Noch vor zwei Wochen auf der Linuxworld hatte sich Red-Hat-Chef Mathew Szulik zum Retter der freien Welt erklärt und alle Linux-Anhänger zum Kampf gegen die Fesseln der kommerziellen Softwareindustrie aufgerufen. Jetzt geriert sich sein Gegner Darl McBride von SCO noch martialischer: ein James Bond im Ringen mit der finsteren Macht -- der Open-Source-Bewegung.

Zwei volle Stunden verwandte SCO-Vorstand Darl McBride zum Auftakt des SCO Forum, um die Rechtsposition seiner Firma darzustellen. Mit Bildern und Titelmusik aus James-Bond-Filmen suchte sich der Manager die Getreuen der einstigen Kultfirma aus Santa Cruz auf Kampf für das Gute einzustimmen. Die SCO Group führt einen Rechtsstreit mit IBM wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen und Missbrauch von SCOs geschütztem Unix-Programmcode in Linux. Staranwalt David Boies, der als Klagevertreter der US-Regierung gegen Microsoft Berühmtheit erlangt hat, vertritt SCO gegen IBM.Über 1500 Linux-Großanwender haben Mahnschreiben von SCO erhalten und wurden aufgefordert, Lizenzgebühren nachzuzahlen.

SCO vergleicht Kommentare im eigenen und im Linux-Code

Unterstützt von seinem Vizepräsidenten Chris Sontag zeigte McBride Beispiele aus dem Code der Linux-Kernelversionen 2.5 und 2.6, die beweisen sollen, dass Programmteile unverändert aus Unix übernommen wurden -- ein von SCO gezeigtes Beispiel zu Code-Kommentaren im Bild links (vergrößerte Fassung). Identische Tippfehler in den Kommentaren sowie ungewöhnliche Schreibweisen hätten verräterische Spuren hinterlassen, behauptete Sontag. Um dies nachzuweisen hatte McBride ein Team für Mustererkennung angeheuert, um zehntausende von Programmzeilen zu durchforsten. Die wenigen neben den Kommentaren gezeigten Code-Sequenzen waren größtenteils unleserlich gemacht, angeblich, um SCOs Urheberechte zu schützen. Sie stünden jedoch vertretend für tausende von Programmzeilen, betonte Sontag. Von mehreren Personen oder Gruppen seien zu unterschiedlichen Zeitpunkten Teile illegal in Linux übernommen und quelloffen an Anwender und Entwickler verteilt worden. Bei der strittigen Software geht es zudem nicht um simple oder triviale Funktionen, sondern wichtige Betriebssystem-Eigenschaften für die Tauglichkeit bei anspruchsvollen Aufgaben und in extrem sicheren Betriebsbedingungen in Unternehmen. Dazu gehören die Multiprozessor-Mechanismen NUMA und SMP, die unter Unix-Lizenzbedingungen nur mit teurer Hardware im Wert von zehntausenden von US-Dollar zu haben waren.

SCO zeigt angeblich geklauten Linux-Code

Rund 700 entscheidende Code-Zeilen der SMP-Technik sollen von Unix in die Linux-Releases 2.4 und 2.5 gewandert sein. Insgesamt hätten SCOs Tester über 800.000 Zeilen duplizierten Programmtext gefunden -- ein Beispiel von SCO zeigt das Bild rechts (vergrößerte Fassung). Rechtsanwalt Mark Heise aus der Boies-Kanzlei kam zur Unterstützung der SCO-Manager mit auf das Podium in Las Vegas. Er machte deutlich, dass eine GPL-Lizenz nicht vor dem Urheberschaftsanspruch von SCO schütze. Die Unix-Lizenz, die SCO 1994 vom ursprünglichen Unix-Erfinder AT&T gekauft hat, garantiere SCO Eigentum an Unix-System-V-Urheberrechten und allen At&T-Software- und Sublizenzrechten. Die ursprünglich von AT&T-Anwälten definierte Lizenzvereinbarung, die durch Kauf auf SCO übergegangen ist, sei außerdem eindeutig in Bezug auf die Reichweite und Tragweite der Lizenz, betonte der Jurist. Danach gewährt die Lizenz dem Lizenznehmer (beispielsweise IBM) das "Recht die Software-Produkte zu eigenen Geschäftszwecken intern zu verwenden", zitierte Mark Heise aus dem Vertragstext. "Modifikationen und derivative Resultate sind zu behandeln wie die ursprünglichen Software-Produkte", heißt es dort weiter. Und sie "können nicht für Andere oder durch Andere genutzt" werden.

"Jetzt wissen wir endlich, wie Linux sich in ganz kurzer Zeit von einem Hobby-Betriebssystem zur Plattform für Unternehmens-IT mausern konnte", stichelte Sontag. "Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es in der Regel auch nicht wahr, legte McBride noch einen drauf. Ausgereifte Technik sei eben nicht zum Nulltarif zu haben. "Freie Software -- das ist nicht unser Ding." In Unix steckten 20 Jahre Entwicklungsarbeit: Mit dieser Basis will SCO auch in den nächsten 20 Jahren Geld verdienen. Er rief Entwickler und Partner aus dem Unix-Umfeld zur Unterstützung auf, denn "sonst werden die Zeiten der guten Geschäfte bald vorbei sein". GPL und die Open-Source-Kultur zerstörten legale Geschäftsgrundlagen -- Wiedergutmachung für entstandenen Schaden und eine legale Geschäftsordnung für die Zukunft seien daher unerlässlich. Hier sekundierte erneut Jurist Mark Heise: Dass SCO einst als Linux-Distributor den gleichen Quellcode verteilt hat, bedeute nicht, dass Linux-Anwender mit der GPL-Lizenz vor allen Ansprüchen geschützt seien. Copyright für den Code sei nur durch einen unterschriebenen Vertrag mit dem Lizenzgeber zu erlangen, lautet seine Position.

"Wir kämpfen für das Recht, mit Software Geld zu verdienen. Und wir kämpfen für Euch mit!" rief McBride dem SCO-Publikum zu. Seit seinem Einstand als SCO-Chef vor einem Jahr habe er ununterbrochen Schlachten schlagen müssen, tönte der Ersatz-James-Bond. Drohungen und Nötigungen von IBMs Rechtsabteilung habe er bisher ebenso überstanden wie Demonstranten vor dem SCO-Hauptquartier in Lindon/Utah. Von Novell berichtete er, die Firma habe in einer gerichtlichen Klage erst behauptet, die Unix-Lizenz nie an SCO verkauft zu haben. Nach vier Tagen habe die Lizenzabteilung Novells dann festgestellt, dass der Kauf vor einigen Jahren doch rechtmäßig stattgefunden habe und die Klage zurückgezogen.

Die Hauptziele von SCO sind klar: Von IBM will der frühere Linux-Distributor eine Anerkennung seiner Urheberrechte auf Unix sowie entsprechende Lizenzvereinbarungen in Bezug auf alle Produkte, die Unix-Code enthalten. Dazu verlangen die Utaher Schadenersatz für entgangenen Umsatz und Geschäftsschädigung durch die Verbreitung des Quellcodes in Linux. Linux-Kunden haben laut SCO drei Alternativen zur Wahl: Entweder sie stellen ihre Linux-Installationen auf das Linux-Kernel-Release 2.2 zurück. Für diese Software würde SCO die rechtmäßige Nutzung anerkennen. Zweite Möglichkeit wäre die Wahl eines anderen Betriebssystems. Die letzte Alternative wäre SCO am liebsten: Die Kunden erwerben Lizenzen, die SCO zum Preis von knapp 700 Dollar pro Prozessor anbietet. Bisher hat angeblich ein einziges der von SCO angeschriebenen Fortune500-Unternehmen davon Gebrauch gemacht.

Außerhalb des rechtlichen Wirrwarrs soll aber tatsächlich auch die Produktentwicklung bei SCO weitergehen. Vorstand McBride überließ es seinem Entwicklungschef, die Produkt-Roadmap der Software-Firma vorzustellen. Die wichtigste Neuheit steht mit einer neuen Version des SCO Openserver mit dem Codenamen 'Legend" an. Legend soll insbesondere Java unterstützen. Für bessere Windows-Anbindung sorgt eine Schnittstelle zu Samba Version 3. Neue Security-Eigenschaften bietet die Version in Form von VPN, IPSec. Dazu kommen Hardware-Schnittstellen für USB-Geräte und ACPI. Web-Services werden mit Hilfe von SCOs hauseigener SCOx-Umgebung unterstützt. Die erste Beta-Version von Legend erscheint Mitte nächsten Jahres, das endgültige Release ist für Ende 2004 geplant. Einen Office-Mailserver unter UnixWare für Messaging-, Kalender- und andere Teamwork-Funktionen ließ SCO bereits am Montag vom Stapel. Er soll Microsofts Exchange-Server Paroli bieten. Für die Benutzerverwaltung in gemischten Umgebungen bietet SCO ab sofort Authentication 2.1 an. Durch Anbindung an Microsofts Active Directory können damit Benutzeridentitäten (jedoch kein Single Sign-on) aus beiden Umgebungen gemeinsam genutzt werden. (Erich Bonnert) / (Erich Bonnert) / (jk)

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