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SCO verklagt IBM wegen Linux

Die SCO Group -- vormals Caldera -- verklagt IBM auf eine Milliarde US-Dollar Schadensersatz, weil IBM im Rahmen seiner Linux-Initiative geistiges Eigentum von SCO gestohlen haben soll. Zudem argumentiert SCO, selbst noch Anbieter von Linux-Versionen und Mitglied der United-Linux-Initiative, Linux sei keine ernsthafte Konkurrenz für die eigene kommerzielle Unix-Plattform auf der Basis von Intel-Hardware gewesen, bevor IBM Linux massiv gefördert habe. In einem Brief an IBM droht SCO zudem damit, man werde die Lizenz zurückziehen, unter der IBM AIX vertreiben darf, wenn nicht innerhalb von 100 Tagen bestimmte Forderungen erfüllt würden.

Bei dem Verfahren, das SCO vor dem 3rd District Court of Salt Lake County eingereicht hat, wird die Firma vertreten von Boies, Schiller & Flexner. David Boies hatte auch die Kläger im Anti-Trust-Verfahren gegen Microsoft vertreten.

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Die Santa Cruz Operation (SCO) kann zwar auf eine ruhmreiche Vergangenheit als wichtiger Anbieter von kommerziellen Unix-Varianten für Intel-Rechner zurückblicken, hatte jedoch in den vergangenen Jahren überwiegend geschäftliche Misserfolge zu verzeichnen. Im August 2000 schluckte der Linux-Distributor Caldera die Reste von SCO und benannte die fusionierte Firma zwei Jahre später in SCO Group um.

Für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2002/2003, das am 31. Januar endete, meldete das Unternehmen einen Nettoverlust von 724.000 US-Dollar bei einem Umsatz von 13,5 Millionen US-Dollar. Vor einem Jahr betrug der Fehlbetrag im Vergleichsquartal noch 10,4 Millionen US-Dollar bei einem Umsatz 17,9 Millionen US-Dollar.

Bei der Vorstellung der aktuellen Geschäftszahlen kündigte SCO bereits an, verstärkt nach Einnahmen aus den eigenen geistigen Besitztümern suchen zu wollen. Einige Patente, Urheberrechte und Kerntechnologien im Besitz von SCO datiert das Unternehmen auf das Jahr 1969 zurück, als in den Bell Laboratories der erste Unix-Quellcode programmiert wurde. Das berühmt-berüchtigte geistige Eigentum von AT&T an Unix, das wegen der seit 1983 von AT&T erhobenen teuren Unix-Lizenzen unter anderem dazu führte, dass die freien BSD-Derivate auf Basis von 4.4BSDlite einen eigenen, von AT&T-Lizenzen freien Sourcecode entwickelten, wurde später an Novell Networks verkauft. Die Netzwerk-Spezialisten wollten einst mit einem eigenen Unix reüssieren. Novell wiederum verscherbelte die Besitztümer an SCO. Mit der Übernahme von OpenServer und UnixWare durch Caldera ging das geistige Eigentum an den AT&T-Unixentwicklungen dann an Caldera über und landete durch deren Umbenennung wieder bei der SCO Group. Einige der Vorwürfe, die SCO gegenüber IBM erhebt, resultieren zudem aus dem Monterey-Projekt, bei dem beide Firmen an einem 64-Bit-Unix für Intel-Prozessoren arbeiteten. (wst)

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