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SCO vs. Linux: Das rettende Ufer in Sicht?

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Nach der Entscheidung des Konkursgerichtes, einen Konkursverwalter mit der Fortführung der Geschäfte der angeschlagenen SCO Group zu betreuen, wird über die Zukunft der Firma gerätselt. Noch hat Richter Kevin Gross keinen Konkursverwalter eingesetzt, der bei SCO das Sagen haben soll. Noch steht der Vorschlag der amerikanischen Konkursaufsicht (US Trustee) aus, wer diesen Posten einnehmen soll und von allen Seiten akzeptiert wird. Viel Spielraum wird der Verwalter bei allen Freiheiten nicht haben, wenn man die eindeutigen Worte des Richters nimmt:

"It is an understatement to say that since the filing of their bankruptcy the Debtors financial situation has greatly declined. Their own Operations Monthly Operating Report for March 31, 2009, the latest Monthly Operating Report which Debtors have filed, shows that Debtors have lost $8,652,612 since filing, without taking into account reorganization costs. These losses compare to total assets of $8.3 million of which there is $728,537 of unrestricted cash and net accounts receivable of $1.4 million."

Die SCO Group, die sich im September 2007 nach einer schweren Niederlage vor Gericht in den Konkurs nach Chapter 11 des US-amerikanischen Konkursrechtes flüchtete, ist nach Einschätzung des Richters praktisch pleite. Was ein Konkursverwalter in dieser Situation noch ausrichten kann, ist umstritten. Konsens besteht allenfalls, dass die vollständige Einsicht in die Geschäftsunterlagen von SCO und das Auschalten des Managements um CEO Darl McBride einen Neustart ermöglichen. Dabei ist denkbar, dass der Konkursverwalter die Liquidation nach Chapter 7 empfiehlt, die dann der Konkursrichter beschließen muss. In jedem Fall soll er möglichst objektiv die Chancen beurteilen, die SCO noch hat, die Klagen gegen IBM und Novell zu gewinnen – er ist die erste Person außerhalb von SCO, die vollen Einblick in die "geheimen Beweise" hat.

"The 'potential' of the Litigation must, however, be weighed against the reality of the cost. A trustee will be in a better position to make that assessment without the personal and emotional investment of SCO's management."

Emotional haben sich McBride und seine Berater in die Idee verbissen, dass IBM Sourcecode oder allgemeiner Konzepte und Methoden aus der Unix-Entwicklung genommen hat und bei der Arbeit am Projekt Monterey in Linux eingeführt hat. Auch der Ankauf der Distributionsrechte von Unix beim Vorbesitzer Novell wird von ihnen anders als vom Verkäufer gesehen. Insgesamt muss der Konkursverwalter neben dem Blick in die Bücher, neben der Auswertung geheimer Dokumente eine Abschätzung darüber geben, ob Linux in all seinen Varianten mit dem Diebstahl geistigen Eigentums groß geworden ist und verklagt werden kann. Das ist keine leichte Aufgabe.

Zu den Entwicklungen in dem Streit, den SCO mit IBM, Novell und der Open-Source-Gemeinde um SCO-Rechte an Unix und angeblich unrechtmäßig in Linux übernommenen Code angezettelt hat, siehe den Online-Artikel in c't-Hintergrund (mit chronologischer Linkliste zu Beiträgen auf heise online, aus Technology Review und der c't):

(Detlef Borchers) / (jk)