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SCO vs. Linux: Die Hoffnung stirbt zuletzt [Update]

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Der Auftritt von Gregory Blepp an der Universität Jena war zuerst nicht in voller Länge ins Internet gestellt worden, teilte der veranstaltende Fachbereich Kommunikationswissenschaft mit. Es gab zwar ein mündliche Zusage des Vizepräsidenten von SCOsources, doch wollte man angesichts der laufenden juristischen Auseinandersetzungen kein Risiko eingehen und bestand auf einer schriftlichen Genehmigung, den kompletten Videostream zu veröffentlichen. So blieb zuerst ein kurzes Feature übrig, das vom Campus-TV der Universität ausgestrahlt wurde. Mittlerweile ist nun der Stream von Blepps Vortrag auf den Seiten des CampusTV Jena verfügbar.

Darin werden einige Zeilen des strittigen Codes von Unix System V gezeigt, der über IBM nach Linux geflossen sein soll. Blepp wurde nach Jena eingeladen, um dort einen Vortrag über die Zukunft des geistigen Eigentums zu halten. Nach diesem Vortrag beantwortete er Fragen, die sich hauptsächlich um die verschiedenen Prozesse drehten, in denen die SCO Group verwickelt ist. In diesem Zusammenhang hieß es laut der Zusammenfassung der Veranstaltung im Heise-Forum durch einen Zuhörer, dass man bei SCO teilweise immer noch darauf hoffe, vielleicht doch noch von IBM aufgekauft zu werden.

Dass der ursprüngliche Business-Plan von SCO-Chef Darl McBride eine Klagedrohung mit einem anschließenden Kauf durch IBM vorsah, versucht ein Artikel der Zeitschrift Wired zu belegen, der sich näher mit der Zusammenarbeit von Darl McBride und Michael Anderer befasst. Dieser hatte mit seiner Firma Silicon Stemcell frühzeitig die Idee entwickelt, wie man aus dem geistigen Eigentum von Firmen Kapital schlagen könnte. Zeitweilig war Darl McBride von Anderer als Consultant beschäftigt worden, wie auch Darl McBride Anderer als Consultant beschäftigte, als er die Stelle bei SCO antrat.

Freilich ist die Idee eines Aufkaufes durch IBM in weite Ferne gerückt. Wie es die von den unermüdlichen Grokkern veröffentlichten Dokumente zeigen, ist IBM weiter denn je von der Idee eines Aufkaufes entfernt und zeigt Bereitschaft, den Prozess um möglichweise unrechtmäßig in die Linux-Entwicklung übertragenen Code, an dem SCO das geistige Eigentum beansprucht, bis zum Ende durchzuführen.

Das Verhalten von IBM wird selbst im IBM-kritischen Linux-Lager positiv gesehen. Im Verlauf dieses Prozesses könnte der Umstand eintreten, dass die GNU General Public License erstmals von einem amerikanischen Gericht bestätigt wird. In Deutschland hat das Landgericht München mit seiner Entscheidung vom 19. Mai in einer mündlichen Verhandlung zwischen dem Open-Source-Projekt iptables/netfilter und der Firma Sitecom die Anwendbarkeit der GNU General Public License nach deutschem Recht bestätigt. Eine schriftliche Begründung dieser Entscheidung, die die Hintergründe erläutert, steht noch aus.

Zu den Entwicklungen im Streit zwischen SCO, IBM und der Open-Source-Gemeinde siehe den Artikel auf c't aktuell (mit chronologischer Linkliste zu Beiträgen auf heise online, aus Technology Review und der c't):

(Detlef Borchers) / (jk)