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SCO vs. Linux: Die unendliche Geschichte endet

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In der sieben Jahre lang dauernden Auseinandersetzung um Copyright-Rechte an Unix, um Lizenzgebühren für Linux-Installationen und um die Frage, ob Programmiercode oder Programmier-Konzepte von Unix nach Linux wanderten, hat die SCO Group vor Gericht eine schwere und wahrscheinlich finale Niederlage erlitten. Richter Jack Stewart verwarf eine Eingabe von SCO, in der das Unternehmen einen neuen Prozess forderte, und erklärte die Entscheidung der Jury, laut der das Copyright an Unix bei Novell liege, für überzeugend und angemessen. Außerdem erklärte der Richter den Fall für abgeschlossen. Ob die im Konkurs befindliche SCO Group gegen das Urteil klagen wird, ist derzeit noch nicht bekannt.

Laut der von Groklaw veröffentlichten Entscheidung des Bundesrichters Stewart stützt sich das ergangene Urteil auf eine Aussage des ehemaligen SCO-Geschäftsführers Darl McBride. Dieser hatte in dem Verfahren vor dem Geschworenengericht erklärt, dass SCO die Copyrights an Unix nicht unbedingt benötigt habe. Zusammen mit der überzeugenden Entscheidung der Jury, dass das Unix-Copyright bei Novell liege, ergebe sich für das Gericht kein Standpunkt, von dem aus eine Neuansetzung des Verfahrens gerechtfertigt sei.

In einer ersten Stellungnahme erklärte Novell-Sprecher Ian Bruce, Novell sei mit dem Urteil zufrieden und sehe es als maßgeblich für die Entwicklung von Linux und Open-Source-Software an. Eine Stellungnahme von SCO oder vom SCO-Konkursverwalter Edward Cahn steht noch aus. Cahn hatte zuletzt den Fortgang des Verfahrens davon abhängig gemacht, ob das Konkursgericht seinem Reorganisationsplan zustimmt, nach dem SCO seine Niederlassungen weltweit schließt oder verkauft. Die Zustimmung zu dieser Reorganisation steht noch aus.

Von der Entscheidung des Bundesrichters sind einige Verfahren betroffen, die SCO angestrengt hatte. Neben dem Streit um die Copyrights an Unix, den SCO und Novell mit Klage und Gegenklage führten, ist eine Klage von SCO gegen den Linux-Distributor Red Hat hinfällig geworden. Außerdem führt die Niederlage dazu, dass SCO im Verfahren gegen IBM die Voraussetzungen fehlen, die Klage fortzuführen. Technisch bleibt allein die Gegenklage von IBM aus dem Jahre 2004 übrig, doch ist fraglich, ob IBM diese Klage angesichts der Situation von SCO überhaupt aktiviert.

Insgesamt zeichnet sich damit ein Ende der unendlichen Geschichte ab. Ob die gescheiterten Versuche von SCO ausreichen, andere Unternehmen davon abzuhalten, die Entwicklung von Linux juristisch zu bekämpfen, wird die Zukunft zeigen.

Zu den Entwicklungen in dem Streit, den SCO mit IBM, Novell und der Open-Source-Gemeinde um SCO-Rechte an Unix und angeblich unrechtmäßig in Linux übernommenen Code angezettelt hat, siehe den Online-Artikel in c't-Hintergrund (mit chronologischer Linkliste zu Beiträgen auf heise online, aus Technology Review und der c't):

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