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SCO vs. Linux: ELFenkönig gesucht

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Mit der Niederlage in der Klage gegen den Autombilkonzern DaimlerChrysler und der Vertagung der Klage im Fall des Autoteile-Händlers AutoZone sind die Versuche der SCO Group gescheitert, über juristische Auseinandersetzungen mit prominenten Linux-Endanwendern das Geschäft mit ihrer Antidot-Lizenz voranzutreiben. Als Resultat beider Auseinandersetzungen bleibt das Fazit, dass Linux-Anwender beruhigter denn je auf den Kauf des Antidots verzichten können. SCO hatte im Dezember 2003 etwa 3000 Unternehmen angeschrieben, die als Kunden des Unternehmens Varianten von Unix System V im Einsatz hatten. Von diesen antworteten nach Auskunft von SCO etwa 1500 innerhalb der eingeforderten Zeitspanne von 30 Tagen. Sie gaben Auskunft zum Stand und Einsatz der Lizenzen, ohne jedoch Antidot-Lizenzen zu bestellen. DaimlerChrysler gehörte zu den Unternehmen, die nicht antworteten.

Damit werden für SCO die Prozesse umso wichtiger, die mit IBM und Novell (und Red Hat) geführt werden. In der Auseinandersetzung mit IBM um den angeblich aus Unix System V unrechtmäßig nach Linux transferierten Code hat die SCO Group daher mit einem neuen Anwalt wie bereits berichtet das so genannte Executable and Linking Format (ELF) als neuen Aspekt entdeckt. ELF wurde im Jahre 1993 von einem Industriegremium namens Tool Interface Standard Committee (TIS) ins Leben gerufen, an dem neben IBM, Lotus, Microsoft und Watcom auch die damalige SCO beteiligt war, die nicht identisch mit der heutigen SCO Group ist. Diese heute als Rechtsnachfolger existierende Firma macht nun geltend, dass ELF zwar in mehreren Versionen mit einer "freien Lizenz" vertrieben wurde, diese Lizenz jedoch "über Gebühr" (overstepped) ausgelegt wurde. ELF als Standard, die Softwareentwicklung zu vereinfachen, wurde damals mit diesem Passus versehen:

"The TIS Committee grants you a non-exclusive, worldwide, royalty-free license to use the information disclosed in this Specification to make your software TIS-compliant; no other license, express or implied, is granted or intended hereby."

Dass diese Lizenz zwei Jahre später, als ELF bei den Linux-Entwicklern diskutiert und eingeführt wurde, über Gebühr ausgenutzt wurde, soll nach Ansicht von SCO jeder Experte nachvollziehen können. Ob die nachgeschobene Argumentation mit ELF ausreicht, zumindest (wie von SCO gewünscht) die Beweisaufnahme zu verlängern, erscheint zweifelhaft. Unermüdliche Grokker haben sich an die Spur von ELF geheftet und die Protokolle der Linux Standard Base (LSB) ausgegraben, aus denen hervorgeht, dass SCO mindestens bis zum Februar 2001 aktiv an der Implementierung von ELF in Linux mitarbeitete und keine Proteste einlegte, was die Verwendung von ELF betraf.

Zu den Entwicklungen im Streit zwischen SCO, IBM und der Open-Source-Gemeinde siehe den Artikel auf c't aktuell (mit chronologischer Linkliste zu Beiträgen auf heise online, aus Technology Review und der c't):

(Detlef Borchers) / (jk)

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