SCO vs. Linux: IBM fordert FUD-Verbot vom FUD-Preisträger

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In dem Streit zwischen der SCO Group und IBM um angeblich aus Unix System V entwendeten Quellcode hat IBM eine Niederschrift vor Gericht eingereicht, die von SCO beantragten Verlängerungen bestimmter Termine und Aussetzungen bestimmter Teile des Prozesses abzulehnen. Drastisch klagen die IBM-Rechtsanwälte dabei die unsägliche Verschleppungstaktik ihres Gegners an, mit der der Prozess von Mai 2005 auf September 2005 verschoben werden soll. Alle bisher aufgetretenen Verzögerungen seien durch Fehler von SCO entstanden, die das Verfahren systematisch ausbremsten.

Als Beleg führen die Anwälte ein Interview an, das Gregory Blepp als Verantwortlicher für das weltweite Lizenzgeschäft mit Spiegel Online geführt hatte. Aus dem Artikel, der unter dem Titel Linux-Jäger SCO geht aufs Ganze veröffentlicht wurde, zitieren die IBM-Anwälte eine Aussage von Blepp, die ihrer Ansicht nach klar die betrügerische Taktik enthüllt, für die sie das starke Wort "Rechtsbeugung" (Malfeasance) finden. Blepp erklärte die besondere Strategie so: "Dort legt man nicht von Anfang an alles auf den Tisch, sondern bringt Argumente und Beweise nach und nach." Gegen diese eigenwillige Interpretation des amerikanischen Rechtssystems setzt IBM die Forderung: "SCO soll es nicht gestattet sein, weitere Verzögerungen in diesem Prozess zu verursachen, die dazu angetan sind, Angst, Unsicherheit und Zweifel über Linux und über IBMs Produkte und Dienstleistungen zu verbreiten." In diesem Sinne ist SCO aufgefordert, alle Beweise unverzüglich auf den Tisch zu legen.

Es entbehrt nicht der Ironie, dass die Taktik, "Angst, Unsicherheit und Zweifel" zu verbreiten, einstmals ein Vorwurf war, der gegen IBM gerichtet wurde. Mit Fear, Uncertainty and Doubt (FUD) charakterisierte Gene Amdahl die Taktik von IBM, die Konkurrenz mit Gerüchten und halben Ankündigungen zu verunsichern.

Der Einsatz von FUD als strategisches Mittel der Prozessführung bei SCO wurde allerdings dieser Tage erst durch das Magazin Software Development Times gewürdigt. Die Publikation verlieh SCO den Titel der einflussreichsten Firma 2004 und begründete die Auszeichnung wie folgt: "Die juristischen Attacken der Firma gegen IBM und Linux-Anwender dominierten die IT-Schlagzeilen des Jahres 2003 und erschütterten die Open-Source-Community. Kein anderes IT-Thema löste so hitzige Debatten, Angst, Unsicherheit und Zweifel aus." Bei SCO selbst freute man sich über die Auszeichnung als FUD-Spezialist. In einer eilends ausgeschickten Pressemeldung heißt es, dass man sich geehrt fühle, für den Einfluss ausgezeichnet zu werden, den man als Eigner des Betriebssystems Unix habe.

Die Firma hat bis zum 28. Mai Zeit, auf die Vorwürfe von IBM einzugehen und die Darstellung der Verzögerungstaktik zu widerlegen.

Zu den Entwicklungen im Streit zwischen SCO, IBM und der Open-Source-Gemeinde siehe Bericht auf c't aktuell (mit chronologischer Linkliste zu Beiträgen auf heise online, c't und Technology Review):

(Detlef Borchers) / (jk)