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SCO vs. Linux: Klagen bis zum Ende, doch ohne Darl McBride

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Nach der gestrigen Adhoc-Ankündigung sind die Details zu einer möglichen Neustrukturierung der SCO Group durch ein 100-Millionen-Dollar-Investment der Norris Capital Partners bekannt geworden. Akzeptiert das Konkursgericht in Delaware das Investment-Angebot, so muss SCO-Chef Darl McBride die Firma verlassen. Im Gegenzug sichern sich die Investoren mindestens 51 Prozent der Firma und vier Sitze in einem neu zu formenden Aufsichtsrat, der sieben Personen umfassen soll. Außerdem stehen 5 Millionen Dollar in bar für Sofortmaßnahmen zur Verfügung. Weitere 95 Millionen Dollar sollen als Kredit über einen Zeitraum von fünf Jahren zur Verfügung gestellt werden, der gegen die Forderungen aus den Prozessen mit Novell, IBM, Red Hat, Autozone und anderen Firmen verrechnet wird. Die Zinsen für diesen Millionen-Kredit sollen 17 Prozent über der jeweils gültigen Interbank-Kreditrate liegen. Gegenwärtig würden die Zinsen etwa 21 Prozent betragen.

Die Details finden sich in einem Memorandum of Understanding (PDF-Datei), das die Prozessbeobachter von Groklaw veröffentlicht haben. In diesem Memorandum werden explizit die Prozesse gegen Novell, IBM und Red Hat, aber auch "Autozone und andere" genannt, die bis zu einem "final, non-appealable judgment", einem abschließenden Urteil in letzter Instanz, geführt werden sollen. Die Weiterentwicklung von SCO Openserver oder die Neuentwicklung von Software werden hingegen nicht erwähnt. Auch eine Begründung, warum auf Darl McBride verzichtet werden muss, ist nicht im Text zu finden. Der CEO der SCO Group gilt allgemein als der strategische Kopf der Firma, der die Strategie entwickelt hat, die Software-Branche mit einer Serie von Prozessen zu überziehen. Das Memorandum erweckt insgesamt den Eindruck, als ob die SCO Group zu einer effizienten Klagemaschine umgebaut werden soll, wie dies einstmals die Baystar Capital gefordert hatte, ein anderer, inzwischen wieder abgesprungener Investor.

Die bisher in den USA bekannt gewordenen Reaktionen auf das Investment "aus heiterem Himmel" reichen von humorigen Kommentaren bis zur überschwenglichen Freude. So wird der Blog von Jim Zemlin von der Linux Foundation zitiert, der einigen Wert in einer Firma wie SCO sieht, so diese sich mit anderen Dingen abseits der Klagen beschäftige. "Die Klagen von SCO sind wie ein schlechter Horrorstreifen und ungefähr genauso glaubhaft wie ein solcher. Der Fall ist lange vor den Gerichten und die Fakten haben sich nicht geändert. Wir hoffen, dass sich SCOs neues Investment auf die Zukuft ausrichtet und nicht in den Gruselwerten eines alten Schockers wurzelt."

Ganz anders urteilt die (früher zeitweilig von SCO bezahlte) Journalistin Maureen O'Gara in ihrem Artikel SCO's Baaaaack. Ausgehend von der Rolle der Investoren um Norris Capital Partner und Prinz Alwaleed vermutet sie, das man auf Milliardengewinne in erfolgreich durchgeboxten Prozessen setzt. "Es sind Leute, die – wenn sie gewinnen – nicht nur IBM, Red Hat und Novell auswringen, sondern nicht den geringsten Anstand oder die Spur einer 'political correctness' haben und eine SCOSource-Steuer von jedem Linux-Nutzer auf der Erde fordern." Bereits in der Vergangenheit hatte O'Gara Linux als Diebstahl bezeichnet und das erste Urteil von Richter Kimball im Prozess zwischen SCO und Novell als "katastophal für die gesamte Branche" bewertet.

Während die direkten Prozessgegner wie Novell und IBM zum angekündigten Investment von Norris Capital Partners noch schweigen, gibt es Prozessbeobachter, die darin eine positive Wendung sehen. Auf diese Weise sei wenigstens Geld da, wenn im April die Verhandlungen zwischen Novell und SCO über die Höhe des Schadensersatzes wieder aufgenommen werden.

Zu den Entwicklungen in dem Streit, den SCO mit IBM, Novell und der Open-Source-Gemeinde um SCO-Rechte an Unix und angeblich unrechtmäßig in Linux übernommenen Code angezettelt hat, siehe den Online-Artikel in c't Hintergrund (mit chronologischer Linkliste zu Beiträgen auf heise online, aus Technology Review und der c't):

(Detlef Borchers) / (anw)