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SCO vs. Linux: Koffer geöffnet, CD verschwunden

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Etwa 350 Personen haben nach Angaben des Veranstalters Dr. Jörg Müller-Lietzkow einen Vortrag von SCO-Mitarbeiter Gergory Blepp an der Universität Jena am Fachbereich Kommunikationswissenschaft besucht. Blepp referierte dabei 90 Minuten lang über geistiges Eigentum in der Softwareindustrie und die Rolle von SCO in den diversen juristischen Auseinandersetzungen um das geistige Eigentum der SCO Group.

In diesem Rahmen zeigte Blepp, der als Vizepräsident SCOsource für das gesamte Lizenzgeschäft mit Intellectual-Property-Lizenzen außerhalb Amerikas zuständig ist, etwa vier Seiten Linux- und SCO-Code, die die Übereinstimmungen zwischen Linux und SCO Unix beziehungsweise UnixWare beweisen sollen. Zusammen mit dem Live-Stream von dieser Veranstaltung möchte die Universität den Code auf ihrer Webpräsenz ausstellen, wartet aber noch auf eine Autorisierung durch SCO. Nach Einschätzung des Veranstalters waren bei der "ungewöhnlich gut" besuchten Veranstaltung etwa 80 % der Zuschauer dem Open-Source-Lager zuzurechnen, die sich gut vorbereitet hatten. Von diesen Teilnehmern stammt die Ansicht, dass es sich bei dem kurz gezeigten Code um den malloc.c-Code von Dennis Ritchie gehandelt haben könnte.

In der Vergangenheit hatte Gregory Blepp gegenüber Spiegel Online behauptet, einen Koffer voller Beweise mit sich zu führen. Anlässlich seines Vortrags in Jena betonte er, dass es nicht so sehr um den Code-Diebstahl gehe, sondern dass vielmehr eine Vertragsverletzung durch IBM vorliegen würde.

Zum Bedauern des Veranstalters wurde in der anschließenden zweistündigen Diskussion kaum über die Rolle von geistigem Eigentum für die Wissensgesellschaft der Zukunft diskutiert, dem eigentlichen Thema der Veranstaltung. Dies habe daran gelegen, dass allein die gut vorbereiteten Zuhörer aus dem Linux-Lager ihre Fragen vortrugen, insgesamt sehr diszipliniert und sachlich. Im Rahmen dieser Fragen äußerte sich Blepp auch kritisch über Probleme bei der SCO Group. Er betonte, dass private Endanwender, Schulen und Bildungseinrichtungen niemals ein Problem mit der Zahlung von Lizenzgebühren an SCO haben würden. Der Stream der gesamten Veranstaltung soll in der kommenden Woche auf Servern in Jena veröffentlicht werden.

Vertrags- und Lizenzbedingungen spielen möglicherweise auch beim allerneuesten SCO-Produkt, der am Dienstag vorgestellten UnixWare 7.1.4 eine Rolle. In dieser Distribution fehlt die vierte CD mit dem GNU C Compiler und dem Linux-Kernel-Personality-Modul (LKP). Beide Module sind nötig, wenn sich SCOs Unix annähernd wie ein Linux-System verhalten soll.

Zu den Entwicklungen im Streit zwischen SCO, IBM und der Open-Source-Gemeinde siehe den Artikel auf c't aktuell (mit chronologischer Linkliste zu Beiträgen auf heise online, aus Technology Review und der c't):

(Detlef Borchers) / (jk)