SCO vs. Linux: Lang lebe Unix

SCO-Chef Darl McBride lässt in einem offenen Brief Unix hochleben und betont die führende Rolle seiner Firma bei der Entwicklung des Betriebssystems.

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Von
  • Detlef Borchers

Auf der Hausmesse der SCO Group, dem in dieser Woche in Las Vegas veranstalteten SCO Forum, hat SCO-Chef Darl McBride in einem offenen Brief an Unix- wie Linux-Anwender die führende Rolle seiner Firma bei der Entwicklung von Unix betont. Außerdem gab die Firma bekannt, dass Tim Negris, zuvor Chef des IP-Suchspezialisten ioLogics, als Senior Vice President Marketing einen ranghohen Posten bei SCO bekommt. Schließlich stellte SCO eine Kooperation mit der in Salt Lake City ansässigen Firma Cymphonix vor, die mit dem Network Composer eine Sicherheits-Appliance für SCO-Installationen vertreibt. Mit dem Codenamen Fusion kündigte SCO das nächste Großprojekt nach der Freigabe von OpenServer 6 an, das die Virtualisierung von Unix-Systemen zum Ziel hat.

Mit einem Offenen Brief, betitelt mit "Lang lebe Unix", tritt SCO-Chef Darl McBride dem Eindruck entgegen, dass SCO eine Firma sei, die nur den Prozess gegen IBM gewinnen will, deren Cowboys danach in den Sonnuntergang reiten würden. "Während unsere Rechtsanwälte Unix vor Gericht schützen, konzentrieren wir uns darauf, mit besserer Technologie auf dem Markt zu gewinnen.

Im Einzelnen zählt McBride zehn Punkte auf, die für SCO und gegen Linux sprechen. So sei der OpenServer wesentlich preiswerter als Linux-Systeme, die mit versteckten Jahreslizenzen arbeiten, habe einen überlegenen Kernel und biete wesentlich höhere Sicherheit als Linux-Systeme, bei denen Sicherheitslücken wochenlang offen bleiben würden. Mehrfach betont McBride, dass seine Firma Eigentümer von Unix ist und aus diesem Grunde höheres Vertrauen bei der Kundschaft besitze. Außerdem sorge SCO als Eigentümer dafür, dass es keine Absplitterungen inkompatibler Systemvarianten gebe. Ohne Quellenangabe führt der Offene Brief schließlich Aussagen über die Zuverlässigkeit von Unix auf, das bei vielen internationalen Konzernen in Einsatz sei. Diese werden ebenfalls nicht genannt.

Neben der Vorstellung des Offenen Brief wurde auf dem SCO Forum ein neuer Vizepräsident vorgestellt. Tim Negris kommt von ioLogics, eine Firma, die nach einem Bericht der umstrittenen Journalistin Maureen O'Gara darauf spezialisiert ist, IP-Fragmente in Source-Codes zu suchen. Zuvor war Negris Datenbank-Marketier bei Omnis, Oracle und IBM. Seine Aufgabe bei SCO soll die offensive Verteidigung des geistigen Eigentums der Firma sein. An neuer Software stellte SCO als "Meilenstein" das erste Maintenance Pack für den OpenServer vor, das neben Patches für das Betriebssystem auch aktuelle Versionen von Open Source-Programmen wie den neuen Mozilla-Browser enthält. Der größte Meilenstein soll indes das Projekt Fusion sein, mit dem die Virtualisierung von Unix-Servern auf 64-Bit-Prozessoren kommen soll. Ein ähnliches Projekt hatte Konkurrent Novell auf seiner Hausmesse Brainshare angekündigt.

Zu den Entwicklungen in dem Streit, den SCO mit IBM, Novell und der Open-Source-Gemeinde um SCO-Rechte an Unix und angeblich unrechtmäßig in Linux übernommenen Code angezettelt hat, siehe den Artikel auf c't aktuell (mit chronologischer Linkliste zu Beiträgen auf heise online, aus Technology Review und der c't):

(Detlef Borchers) / (anw)