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SCO vs. Linux: Microsoft und SCO, das Gericht und der AIX-Code

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Die Nachrichtenflut dieser Tage rund um die SCO Group, in juristischem Streit unter anderem mit IBM und Novell um den angeblich aus Unix System V geklauten Source-Code in Linux, reißt nicht ab. Nach der Bekanntgabe von Klagen gegen AutoZone und DaimlerChrysler dringen nun wieder ganz andere Informationen an die Öffentlichkeit: In den Reihen der quelloffenen Entwicklerszene zirkuliert eine E-Mail, die mittlerweile als Halloween X Eingang in die Sammlung der Halloween-Dokumente gefunden hat. Unter diesem Namen werden angeblich interne Dokumente von Microsoft abgeheftet, die die Geschäftspraxis der Firma beleuchten.

Halloween X ist zwar ein internes Dokument von SCO, betrifft aber Microsoft. Sollte es authentisch sein, so ist Microsoft der Geldgeber, der hinter der Kapitalspritze von 50 Millionen Dollar durch die Investorengruppe BayStar steht. Zusammen mit den Lizenzzahlungen für die Nutzung von Unix-Code hätte Microsoft damit zwischen 82 und 86 Millionen investiert und SCO weitere 20 Millionen in Aussicht gestellt. Weder von der SCO Group noch von Microsoft liegen bislang Stellungnahmen zur Authenzität der E-Mail vor, die von einem SCO-Manager namens Mike Anderer an Chris Sontag, Leiter der Lizenzabteilung, geschickt worden sein soll. Gewisse Zweifel an der Authentizität des neuen Halloween-Dokuments ruft allerdings ein Passus hervor, der darauf hinweist, dass die SCO Group Eigentumsrechte an IPX geltend machen will. IPX ist das Netzwerkprotokoll, mit dem Novells Netware groß geworden ist. Heute spielt es nur noch eine marginale Bedeutung in reinen Netware-Umgebungen.

Mit Halloween X ist indes die Nachrichtenstrecke noch nicht am Ende. Am späten Nachmittag (Ortszeit Salt Lake City) wurde gestern von SCO die Entscheidung von Richterin Brooke Wells veröffentlicht, die nach der zweiten Anhörung seit Wochen erwartet wurde. Wells ordnet an, dass IBM binnen 45 Tagen die "etwa 232 AIX-Produkte", von denen der IBM-Anwalt vor Gericht sprach, im Quellcode an SCO übergeben muss, nicht jedoch alle bislang produzierten Versionen von AIX und Dynix, wie das SCO gefordert hatte. SCO wiederum hat ebenfalls 45 Tage Zeit nach Ergehen des Beschlusses, Beweise dafür vorzulegen, dass Code aus AIX oder Dynix unrechtmäßig in die Entwicklung von Linux eingeflossen ist. Damit läuft die schon einmal am 12. Dezember gesetzte und von SCO verpasste Aufklärungsfrist neu an.

Richterin Wells ordnete ferner an, dass IBM für die Beweisführung durch SCO neben dem Source-Code auch die Log-Dateien der Code-Entwicklung übergeben muss. Im Gegenzug wurde auch SCO verpflichtet, die Log-Dateien zu dem Source-Code herauszugeben, den IBM zuvor verlangt und bekommen hatte. Außerdem muss IBM, wie von SCO mehrfach verlangt, einen etwa zehnseitigen internen Report des jetzigen IBM-Chefs Sam Palmisano freigeben, in dem dieser die Mitarbeit von IBM am Linux-Projekt skizziert haben soll.

Zu den Entwicklungen im Streit zwischen SCO, IBM und der Open-Source-Gemeinde siehe den Artikel auf c't aktuell (mit chronologischer Linkliste zu Beiträgen auf heise online und aus Technology Review und der c't):

(Detlef Borchers) / (jk)