SCO vs. Linux: SCO bekommt Konkursverwalter

Die unter anderem mit IBM und Novell in juristischem Clinch um angeblich illegal nach Linux kopierten Unix-Code und das Unix-Copyright liegende SCO Group wird vorerst nicht liquidiert.

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Von
  • Detlef Borchers

Die Geschäfte der vom Konkurs bedrohten SCO Group werden von einem bestallten Konkursverwalter fortgesetzt. Dieser arbeitet nach Chapter 11 daran, die Firma aus dem Konkurs zu führen, kann aber auch die Liquidation nach Chapter 7 beschließen und einzelne Firmenteile meistbietend versteigern. Mit diesem Urteil des Konkursgerichtes in Delaware wird das SCO-Management abgelöst.

Mit seinem Urteil (PDF-Datei) hat Konkursrichter Kevin Gross eine Reihe von wichtigen Entscheidungen gefällt. So hat er festgehalten, dass das Hauptgeschäft von SCO nicht die mobilen Anwendungen und auch nicht der Verkauf von Unix-Software ausmacht, sondern die vor den Gerichten verhandelten Klagen gegen Novell, IBM, Red Hat und andere. Aus diesem Grunde lehnte Gross das von Novell und IBM und dem US-Trustee vorgetragene Ansinnen ab, die SCO Group zu liquidieren: Hier zeige sich das übergreifende Interesse der beiden Firmen, einen Gerichtsgegner außergerichtlich zu beseitigen, und nicht das finanzielle Interesse, außenstehende Forderungen einzuklagen. Andererseits untersagte der Richter der SCO Group den Verkauf des Unix-Systemgeschäftes, das eine Firma namens UnXis fortführen sollte.

In seiner Begründung zur Bestallung eines Konkursverwalters zeichnete der Konkursrichter ein Bild, das ganz nach dem Geschmack der SCO Group gemalt ist. So sei das Unix-Geschäft, das die SCO Group im Jahre 1995 von Novell übernommen hatte, ein blühendes Geschäft gewesen. Das Urteil spricht hier von "the world's most successful operating system". Dieses Geschäft sei von IBM zerstört worden, schreibt Gross unter Bezugnahme auf die Ansprüche von SCO: "SCO claims that IBM breached its UNIX source code licenses by disclosing restricted information in connection with IBM's efforts to promote the IBM Linux operating system."

Ein Konkursverwalter nach Chapter 11 hat nach diesem Urteil die Aufgabe, die Geschäfte und vor allem die Gerichtsverfahren weiterzuverfolgen und zu finanzieren. Gegen das Urteil sind allerdings noch Berufungen möglich, die wahrscheinlich von Novell und IBM vorgetragen werden. Eine Stellungnahme dieser Firmen steht noch aus. Bei SCO zeigte man sich gegenüber der der Salt Lake Tribune zufrieden, dass der Antrag auf unmittelbare Liquidierung nach Chapter 7 vom Tisch ist.

Zu den Entwicklungen in dem Streit, den SCO mit IBM, Novell und der Open-Source-Gemeinde um SCO-Rechte an Unix und angeblich unrechtmäßig in Linux übernommenen Code angezettelt hat, siehe den Online-Artikel in c't-Hintergrund (mit chronologischer Linkliste zu Beiträgen auf heise online, aus Technology Review und der c't):

(Detlef Borchers) / (jk)